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Pflegeausbildung: Wer hält unsere Fachkräfte von morgen?

Junge Menschen entscheiden sich bewusst für die Pflege – und brechen oft enttäuscht ab. Überforderung, fehlende Anleitung und mangelnde Unterstützung sind keine Einzelfälle, sondern strukturelle Probleme. Es ist Zeit für einen echten Wandel in der Pflegeausbildung, meint Elisabeth Scharfenberg.

Elisabeth Scharfenberg
Foto: Michael Farkas

Von Elisabeth Scharfenberg

Die Zahl ist bekannt, aber sie wird viel zu oft hingenommen: Etwa 30 Prozent der Auszubildenden in der Pflege brechen ihre Ausbildung vorzeitig ab. Selbst die Tagesschau berichtete dieser Tage darüber. Die Abbrüche sind kein individuelles Problem, sondern ein strukturelles. Und es ist eines, das uns alle etwas angeht: Träger, Politik, Schulen, Einrichtungen. Ohne Nachwuchs keine Zukunft. Und wer heute eine Pflegeausbildung beginnt, tut das mit guten Gründen. Ich erlebe in vielen Gesprächen, wie motiviert, reflektiert und bewusst sich junge Menschen und Quereinsteiger:innen für diesen Beruf entscheiden. Was sie allerdings oft vorfinden, passt nicht zu ihren Erwartungen – und nicht zu dem Anspruch, den wir an eine moderne Pflegeausbildung stellen sollten. Viele Auszubildende berichten von Überforderung, fehlender Anleitung, wenig Zeit für Lernen und einem Praxisalltag, der stark von Personalengpässen geprägt ist. Statt Raum für Entwicklung zu schaffen, werden Azubis zu Lückenbüßer:innen. Wer Hilfe sucht, steht oft allein da. Wer Fragen stellt, gilt schnell als nicht belastbar. Wer Grenzen setzt, muss sich rechtfertigen. In einem solchen Klima bleibt wenig von der ursprünglichen Motivation übrig.

Noch herausfordernder ist die Situation für internationale Auszubildende. Ohne sie wäre die Pflegeausbildung in vielen Regionen längst nicht mehr aufrechtzuerhalten. Sie bringen Engagement, interkulturelle Perspektiven und eine hohe Bereitschaft zur Integration mit. Doch der gute Wille allein reicht nicht. Es fehlt vielerorts an systematischer Sprachförderung, an fachlich fundierter Begleitung und an Personal, das auf interkulturelle Unterstützung vorbereitet ist. Wer Integration dem Zufall überlässt, verspielt wertvolles Potenzial. Menschlich wie fachlich. Gleichzeitig wird von Auszubildenden ein hohes Maß an Anpassung verlangt. Schichtdienst, Wochenendarbeit, kurzfristiges Einspringen – all das gehört auch zur Ausbildung. Aber wenn das Maß nicht stimmt, geht es zulasten der Ausbildungsqualität. Und wer Ausbildung ausschließlich unter den Bedingungen des Mangels organisiert, produziert keine Fachkräfte, sondern Unzufriedenheit und Frustration.

Viele Abbrecher sagen, sie hätten den Beruf eigentlich gern gemacht

Dabei wissen wir längst, was helfen würde: Verbindlich finanzierte Praxisanleitung mit Zeitkontingenten, die diesen Namen verdienen. Sprachförderung als integrierter Bestandteil der Ausbildung, nicht als optionales Extra. Schulsozialarbeit und psychologische Begleitung für Auszubildende in belastenden Situationen. Mehr Flexibilität in der Organisation – etwa durch Teilzeitmodelle, planbare Dienste oder hybride Lernformen. Ausbildung muss als zentraler Baustein der Fachkräftesicherung begriffen werden – nicht als Anhängsel des Betriebsalltags. Wer heute in gute Ausbildung investiert, handelt strategisch. Wer Ausbildung als Pflichtübung versteht, riskiert den Verlust von Fachkräften schon vor dem ersten Examen. Was mich besonders nachdenklich stimmt: Viele Auszubildende sagen, sie hätten den Beruf eigentlich gern gemacht – wenn die Rahmenbedingungen anders gewesen wären. Diese Aussage zeigt, dass es nicht an der Pflege selbst liegt, sondern an dem, was wir aus ihr gemacht haben. Pflege kann ein erfüllender Beruf sein – wenn wir es ermöglichen.

Wir stehen an einem Punkt, an dem kosmetische Korrekturen nicht mehr reichen. Wir brauchen einen echten Perspektivwechsel: weg von kurzfristigem Krisenmanagement, hin zu einer nachhaltigen Ausbildungsstrategie. Das heißt: Ausbildung neu denken – fachlich, organisatorisch, finanziell und vor allem menschlich. Die jungen Menschen, die sich heute für die Pflege entscheiden, treffen eine mutige Wahl. Sie verdienen ein System, das diesen Mut stärkt – nicht eins, das ihn zermürbt.

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