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Immer noch laut und ich höre genau hin

Dustin Struwe rappt aus dem Pflegealltag: roh, ehrlich, nah. Sein Song „Immer noch“ trifft einen Nerv: Personalmangel, Zeitdruck, fehlende Wertschätzung. Elisabeth Scharfenberg schreibt im Blog von Altenheim Online, dass diese Stimme mehr bewegt als Debatten und hofft, dass viele zuhören.

Elisabeth Scharfenberg
Foto: Michael Farkas

Von Elisabeth Scharfenberg

Ich gebe zu: Als ich den neuen Song „Immer noch“ von Dustin Struwe zum ersten Mal gehört habe, hat er mich nicht einfach nur interessiert. Er hat mich getroffen. Direkt. Ungefiltert. Vielleicht, weil ich seit Jahren über Pflege spreche, schreibe, diskutiere. Und trotzdem das Gefühl bleibt: Wir drehen uns im Kreis.

Wer ist dieser Mann, der solche Worte findet? Dustin Struwe arbeitet hauptberuflich in der Altenpflege. Er kennt den Alltag zwischen Zeitdruck, Verantwortung und emotionaler Belastung aus eigener Erfahrung. Parallel dazu nutzt er seit einigen Jahren Social Media und Musik, um genau diesen Alltag sichtbar zu machen. Unter seinem Künstlernamen Dena verbindet er Rap mit klaren Botschaften: über Arbeitsbedingungen, über Wertschätzung und über das, was Pflege wirklich bedeutet.

Seinen neuen Song „Immer noch“ kann man übrigens direkt dort hören, wo auch seine Community ist: auf  Instagram im Account denamusik  sowie auf Facebook bei Dustin Struwe. Genau diese Nähe macht seine Botschaften so zugänglich und wirksam. Gerade diese Verbindung macht ihn so besonders. Er ist kein außenstehender Kommentator, sondern Teil des Systems. Seine Inhalte entstehen nicht am Schreibtisch, sondern im Erleben. In kurzen Videos, ehrlichen Beiträgen und eben auch in Songs wie „Immer noch“ spricht er offen über Missstände, ohne dabei den Respekt vor seinem Beruf zu verlieren. Im Gegenteil: Man spürt in allem, was er tut, wie sehr ihm die Pflege am Herzen liegt.

„Immer noch“ – dieser Titel ist so schlicht und gleichzeitig so entlarvend. Immer noch kämpfen Pflegekräfte mit Personalmangel. Immer noch fehlen Zeit, Ressourcen und oft auch die Wertschätzung. Und während ich darüber nachdenke, wird mir klar: Genau das ist der Unterschied zu vielen politischen Debatten. Hier spricht keiner über Pflege. Hier spricht jemand aus der Pflege. Ich empfinde großen Respekt für diesen Mut. Denn sich hinzustellen und hörbar zu machen, was im Alltag schiefläuft, ist nicht selbstverständlich. Viele Pflegende tragen ihre Belastung still. Dustin Struwe tut das nicht. Er macht sie sichtbar. Und er gibt damit auch anderen eine Stimme.

Was mich besonders bewegt: Diese neue Form von Öffentlichkeit erreicht Menschen, die wir mit klassischen Formaten kaum noch erreichen. Junge Leute, Angehörige, vielleicht auch politisch Verantwortliche, die eher durch Musik oder Social Media aufmerksam werden als durch Positionspapiere. Das verändert etwas. Langsam vielleicht, aber spürbar. Gleichzeitig frage ich mich: Warum braucht es solche Wege überhaupt noch? Warum sind wir „immer noch“ an diesem Punkt? Die Probleme sind bekannt, die Lösungsansätze liegen seit Jahren auf dem Tisch. Und dennoch bleibt so vieles gleich.

Für mich ist dieser Song deshalb mehr als ein künstlerischer Ausdruck. Er ist ein persönlicher Weckruf. Einer, der mich daran erinnert, dass wir nicht nachlassen dürfen, die Situation der Pflege immer wieder ins Zentrum zu rücken: in der Politik, in der Gesellschaft und in den Einrichtungen selbst.

Ich hoffe, dass viele zuhören. Wirklich zuhören. Denn die Pflege ist „immer noch“ da. Jeden Tag. Für uns alle. Und sie verdient endlich Veränderung.

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