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Was der Stromausfall in Berlin uns zeigt
Der Stromausfall in Berlin hat gezeigt, wie schnell Pflegebedürftige in Gefahr geraten, wenn die Infrastruktur versagt. Warum Pflege in der Krisenvorsorge endlich mitgedacht werden muss, erläutert Elisabeth Scharfenberg im Blog auf Altenheim Online.
Von Elisabeth Scharfenberg
Der Stromausfall in Berlin Anfang Januar hat vielen von uns nochmal schmerzhaft vor Augen geführt, wie verletzlich unser Alltag ist – besonders dann, wenn Menschen auf Hilfe und Pflege angewiesen sind. Über 45.000 Haushalte waren betroffen, ganze Stadtteile standen ohne Strom da, teils über mehrere Tage. Für die meisten bedeutete das: keine Heizung, kein Licht, keine warmen Mahlzeiten. Für Pflegebedürftige aber war es mehr als unbequem – es war gefährlich. Denn Pflege braucht Strom. Nicht nur für Licht oder Fernsehen, sondern für Beatmungsgeräte, Pflegebetten, Rufsysteme, Aufzüge, Kühlschränke für Medikamente – kurz: für alles, was im Hintergrund läuft, damit ein Leben in Würde möglich bleibt. Wenn das ausfällt, wird aus einer alltäglichen Situation schnell eine Krise.
Ich habe mich in diesen Tagen gefragt: Was wäre, wenn mir nahestehende Menschen betroffen wären? Oder ich selbst? Wer kommt dann? Wie lange hält ein Notstromaggregat? Weiß der Pflegedienst, dass jemand Hilfe braucht, wenn das Telefonnetz ausfällt? In Berlin waren auch Pflegeeinrichtungen betroffen. Viele mussten improvisieren. Notlösungen wurden zur einzigen Lösung. Ambulante Pflegedienste kamen kaum noch zu ihren Klient:innen, weil Busse nicht fuhren, Straßen blockiert waren und Aufzüge in Hochhäusern stillstanden. Manche Angehörige waren plötzlich auf sich allein gestellt – ohne Vorbereitung, ohne Anleitung. Was mich besonders beschäftigt: In vielen Notfallplänen scheint Pflege kaum eine Rolle zu spielen. Dabei sind Pflegebedürftige diejenigen, die am wenigsten ausweichen können. Sie können nicht einfach woanders hingehen oder ein paar Tage „überbrücken“. Sie brauchen Kontinuität – auch und gerade in Krisenzeiten.
„Pflege kann Krise“ heißt nicht, dass Pflege das Problem ist. Es heißt: Wenn wir nicht rechtzeitig mitdenken, wird Pflege zur Schwachstelle. Und das darf nicht sein. Wir müssen Strukturen schaffen, in denen Pflegekräfte, Angehörige und Pflegebedürftige sich im Ernstfall nicht allein fühlen. Das beginnt bei funktionierenden Notfallplänen in Einrichtungen – und hört bei Informationsangeboten für Familien noch lange nicht auf. Die letzten Tage haben gezeigt: Es braucht mehr als gute Pflege. Es braucht vorausschauende Planung, stabile Netze – im technischen wie im menschlichen Sinn. Und den Mut, Pflege in den Mittelpunkt zu stellen, wenn es um Krisenvorsorge geht. Denn wer Pflege mitdenkt, schützt die Schwächsten. Und das ist es, woran sich eine solidarische Gesellschaft messen lassen muss.
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