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„Stärken stärken“ gegen Personalmangel im Pflegeheim

Ein Pflegeheim in Güstrow sorgt mit einem ungewöhnlichen Ansatz für Aufmerksamkeit in der Branche. Statt klassischer Gesundheitsangebote setzt die Einrichtung auf eine konsequente Stärkenorientierung im Team. Dafür wurde das Haus mit einem Preis ausgezeichnet.

Group of people United Hands to built teamwork together with Spirit - teamwork concepts.
Im ASB Pflegeheim "Am Weinberg" in Güstrow ist ein gutes Miteinander ein zentraler Baustein für Zufriedenheit und Stabilität im Arbeitsalltag. Jeder bringt sich dabei gezielt mit seinen Stärken ein. (Symbolbild) Foto: AdobeStock/tonjung

Als im April 2025 in der Schweriner Volkszeitung und im Nordkurier der Beitrag „Warum dieses Pflegeheim keine Personalnot kennt“ erschien, ahnte im ASB Pflegeheim „Am Weinberg“ in Güstrow niemand, welche Wirkung die Veröffentlichung haben würde. „Wir haben so viele positive Reaktionen darauf bekommen“, sagte der Landesgeschäftsführer des Arbeiter Samariter Bundes, Mathias Wähner, gegenüber dem Nordkurier, „sogar von der Konkurrenz“. Bei Einrichtungsleiterin Anita Moll gingen Bewerbungen ein, die sich ausdrücklich auf den Artikel bezogen. Kurz darauf folgte ein Anruf, der zunächst für Verwunderung sorgte.

Einladung zu einem unbekannten Wettbewerb

Die Anrufer kamen von den Ausrichtern des Wettbewerbs „49 gewinnt“. „Sie meinten, dass sie genau solche Beispiele wie unseres suchten, und dass wir uns doch überlegen sollten, uns zu bewerben“, sagte Anita Moll dem Nordkurier. Unterstützung erhielt sie dabei von Maria Weinhold, Referentin für betriebliche Gesundheitsförderung beim ASB Landesverband Mecklenburg Vorpommern, die bei der Zusammenstellung der Unterlagen half.

Dass daraus tatsächlich eine Auszeichnung entstehen würde, erschien beiden Frauen zunächst unwahrscheinlich. Zu selbstverständlich sei inzwischen, was im Pflegeheim bereits „wohl schon seit fünf, sechs Jahren“ gelebt werde, erklärte Weinhold gegenüber der Zeitung weiter. Betriebliche Gesundheitsförderung beschränke sich dort nicht auf Obstkörbe oder Rückenschulkurse. Vielmehr werde sie als umfassendes Konzept verstanden, das körperliche und psychische Aspekte gleichermaßen einbezieht.

Gesundheit endet nicht beim Obstkorb

Im Pflegeheim sowie in den beiden weiteren ASB Einrichtungen in Schwaan und Graal Müritz gehören Nordic Walking Einheiten, Kräuterwanderungen oder gemeinsame Kochaktionen während der Arbeitszeit zum Alltag. Solche Angebote fördern nach Darstellung des Trägers nicht nur die Fitness, sondern auch den Teamzusammenhalt. Auch ein Schrittzähler Wettbewerb wurde von den Beschäftigten gut angenommen, zumal der Arbeitgeber die Geräte stellte und dies als Wertschätzung empfunden wurde, wie es im Artikel weiter heißt.

Ein besonderer Fokus liegt auf der psychischen Gesundheit. Die Leitidee fasst Anita Moll mit den Worten „Stärken stärken“ zusammen. „Es kann nicht jeder alles. Wir richten unseren Fokus darauf, die Stärken der einzelnen Mitarbeiter zu erkennen und sie dementsprechend einzusetzen“, sagte sie gegenüber dem Nordkurier. Wer lieber mit Bewohnern arbeite als zu dokumentieren, solle das auch tun. Wer besondere Fähigkeiten bei der Dienstplanung habe, könne diese einbringen, auch wenn das klassische Zuständigkeiten verändere.

Preis für Kulturwandel im Pflegealltag

Diese Abkehr von starren Strukturen habe Erfolg, sagte ASB Landesgeschäftsführer Wähner der Zeitung. Moll selbst verwies auf das gesamte Team. „Das alles geht nur mit den Mitarbeitern, die wirklich ein Team sind.“ Die hohe Zufriedenheit zeige sich unter anderem an einer sehr geringen Fluktuation. Zusätzlich entlaste ein Vertrag mit der Service Agentur MV die Beschäftigten bei Alltagsfragen wie der Suche nach Facharztterminen oder Wohnraum.

Im Wettbewerb „49 gewinnt“ überzeugte dieses Konzept schließlich die Jury. In der Begründung heißt es, die Einrichtung verfolge „einen Ansatz, der tief in die Unternehmenskultur wirkt“. Statt oberflächlicher Maßnahmen stehe eine wertschätzende und unterstützende Atmosphäre im Mittelpunkt. Auch wenn es am Ende „nur“ für Platz drei in Mecklenburg Vorpommern reichte, ist die Freude groß. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert, die im Januar ausgezahlt werden sollen. „Die Mitarbeiter im Pflegebereich sind jetzt schon am Überlegen, für welche gemeinsamen Aktivitäten sie das Geld ausgeben wollen“, sagte Anita Moll dem Nordkurier. „Schließlich haben sie es ja auch gewonnen.“