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Wie eine TV-Dokumentation den Alltag im Pflegeheim verändert hat

TV-Koch Tim Mälzer hat eine Fernsehshow in einer Pflegeeinrichtung gedreht. Ein Experiment, das nachhaltige Veränderungen angestoßen hat, wie Einrichtungsleiter Manfred Kappes und Pressesprecher Tobias Möllney im Interview berichten.

Tobias Möllney, Pressesprecher, und Manfred Kappes, Einrichtungsleiter, vor dem Schild mit dem neuen Namen der Einrichtung. Das Pflegeheim wurde offiziell in „Caritashaus Herbstresidenz“ umbenannt. Foto: Sabine Jostock

Wie kam es überhaupt dazu, dass eine TV-Produktion mit Tim Mälzer ausgerechnet in Ihrer Einrichtung gedreht wurde?

Manfred Kappes: Die Produktionsfirma Vitamedia Film ist im Herbst 2023 mit der Projektidee an uns herangetreten. Wir befanden uns gerade in der Endphase unseres fünfjährigen Um- und Neubaus und wollten unser neues Hausgemeinschaftskonzept umsetzen. Die Anfrage kam also zum richtigen Zeitpunkt. Wir kannten bereits die Dokumentation „Zum Schwarzwälder Hirsch“ und hatten Vertrauen in die Professionalität der Produktionsfirma.

Welche Herausforderungen gab es rund um die Dreharbeiten?

Manfred Kappes: Die größte Herausforderung war, dass wir im Vorfeld alle Bewohnerinnen und Bewohner, Mitarbeitenden und auch deren Angehörige mit ins Boot holen mussten. Wir brauchten zum Beispiel von jeder Person, die potenziell kurz durchs Bild huschen könnte, eine Einverständniserklärung. Das war schon viel Arbeit. Aber wir haben es als Chance gesehen, unser neues Hausgemeinschaftskonzept schneller zu etablieren. Auch weil durch die Dreharbeiten neue Mitarbeitende dazugekommen sind.

Das Konzept der TV-Dokumentation sieht vor, dass Menschen mit Behinderung über drei Monate in die Arbeit in der Pflegeeinrichtung eingebunden werden. Wie lief das ab?

Tobias Möllney: Menschen mit Beeinträchtigung aus ganz Deutschland konnten sich bei der Produktionsfirma bewerben, um bei der Dokumentation mitzumachen. Zehn Menschen mit Beeinträchtigung sind schließlich in unserer Einrichtung gestartet. Sie wurden dort zu Alltagshelferinnen und Alltagshelfern qualifiziert, und zwar durch das Weiterbildungszentrum an der Pflegeschule Daun. Am Ende sind fünf von ihnen dauerhaft bei uns geblieben. Sie arbeiten heute in der Hauswirtschaft, Betreuung und Pflege und sind eine Bereicherung für unser Team.

Sie wollen mehr über die Veränderungen und deren Umsetzung erfahren? Manfred Kappes und Tobias Möllney sind Speaker bei „New Care – New Leadership“: dem Event für innovative Führungskräfteaus der Altenhilfe am 2. und 3. Dezember in Berlin. Klicken Sie für mehr Infos rund um das Programm auf diesen Button.

Tim Mälzer war zur Vorbereitung auf die Dreharbeiten selbst zwei Tage in Ihrer Einrichtung und dann natürlich drei Monate lang immer wieder während der Dreharbeiten. Welche Eindrücke hat er hinterlassen?

Manfred Kappes: Er ist genau so, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt – direkt, leidenschaftlich und engagiert. Besonders beeindruckt hat mich sein Draht zu den Bewohnerinnen und Bewohnern. Seine Anmerkungen haben uns aber auch zum Nachdenken gebracht. Zum Beispiel, dass wir unsere Aufnahmerituale in der Einrichtung noch individueller gestalten könnten. Daran arbeiten wir jetzt aktiv.

Gab es nachhaltige Veränderungen durch das Projekt?

Manfred Kappes: Absolut. Neben der Integration der Alltagshelferinnen und Alltagshelfer haben wir neue Ideen umgesetzt, wie ein Kochbuch mit Lieblingsgerichten der Bewohnerinnen und Bewohner oder die Umgestaltung unseres Eingangsbereichs.

Tobias Möllney: Die Dreharbeiten haben uns gezeigt, dass es gar nicht so viel braucht, um kleinere Ideen und Projekte einfach mal umzusetzen. Als unser Eingangsbereich umgestaltet werden sollte, hat die Produktionsfirma zusammen mit Helferinnen und Helfern sehr pragmatisch angepackt.

Manfred Kappes: So lief es auch mit der Eis-Aktion auf dem Gelände der Einrichtung, zu der das Dreh-Team aufgerufen hatte. Es wurde ein Eisladen aus dem Ort angefragt, der Aufruf zur Aktion wurde verbreitet und es kamen viele Menschen zu uns, insbesondere Kinder aus Schulen und Kitas – und die Bewohnerinnen und Bewohner waren mittendrin.

Sie wollen die Veränderungen, die durch die Show angestoßen wurden, auch über weitere Einrichtungen der St. Raphael Caritas Alten- und Behindertenhilfe ausrollen. Wie weit sind Sie schon?

Manfred Kappes: Inzwischen setzt bereits eine zweite Einrichtung das Konzept um. Dort arbeiten acht Menschen mit Beeinträchtigung, die ebenfalls zu Alltagshelferinnen und Alltagshelfern ausgebildet werden. Unser Ziel ist es, dieses Modell noch weiter auszubauen und es auch anderen Einrichtungen zugänglich zu machen.

Was sind die Herausforderungen bei dem Konzept, das Menschen mit Behinderung integriert?

Manfred Kappes: Es braucht andere Strukturen. Man muss Abläufe immer wieder besprechen, damit sich diese auch verfestigen. An diese Bedarfe in der Kommunikation müssen sich erst einmal alle gewöhnen. In der zweiten Einrichtung, die das Konzept jetzt übernommen hat, sind Integrationsassistenten aus unseren Werkstätten eingesetzt, die die Kolleginnen und Kollegen mit Beeinträchtigung auch bei ihrer Arbeit im Pflegeheim begleiten. Es gibt also Herausforderungen, aber es lohnt sich definitiv.

Die Fragen stellte Olga Sophie Ennulat. Das Interview stammt aus dem April 2025.

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