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Rassismus gefährdet Pflegesektor: Studie zeigt Missstände

Internationale Pflegekräfte erleben systematische Diskriminierung in deutschen Gesundheitseinrichtungen. Eine aktuelle Studie des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) dokumentiert rassistische Erfahrungen und strukturelle Probleme. Ohne wirksame Gegenmaßnahmen drohen Abwanderung und Verschärfung des Fachkräftemangels.

Kein Platz für Ausgrenzung: Die DeZIM-Studie zeigt, dass internationale Pflegekräfte in deutschen Gesundheitseinrichtungen häufig Diskriminierung erleben. Für ein zukunftsfähiges Gesundheitssystem sind inklusive Arbeitsumgebungen und wirksame Anti-Diskriminierungsmaßnahmen unerlässlich Foto: Adobe Stock/ Karsten

Laut einer qualitativen Studie des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors (NaDiRa) sind international angeworbene Pflegekräfte in Deutschland mit erheblichen Belastungen konfrontiert. Die Untersuchung, die zwischen 2024 und 2025 durchgeführt wurde, identifiziert neben hohem Arbeitsdruck und parallelem Spracherwerb vor allem interpersonelle und institutionelle Rassismuserfahrungen als zentrale Probleme.

Systemrelevante Fachkräfte unter Druck

Seit 2022 beruht das gesamte Beschäftigungswachstum in der deutschen Pflege auf ausländischen Fachkräften. Der Deutsche Pflegerat prognostiziert bis 2034 ein Defizit von rund 500.000 Pflegekräften. „Ohne internationale Pflegekräfte wäre die Aufrechterhaltung des Gesundheitssystems kaum möglich“, heißt es in dem Policy Brief des DeZIM.

Die Studie zeigt jedoch, dass gerade diese systemrelevante Gruppe besonders vulnerabel ist. Rassistische Diskriminierung erleben die Betroffenen vor allem durch Kolleginnen und Kollegen sowie Vorgesetzte – oft ohne ausreichende Unterstützung durch Klinik- und Stationsleitungen.

Grundlage bildeten Gespräche mit 18 Pflegefachpersonen und drei Integrationsmanagern aus unterschiedlichen Herkunftsländern und Kontexten.

Mehrfache Abhängigkeiten schaffen Prekarität

Besonders problematisch sind laut Studie die Verflechtungen von Arbeitsschutz und Aufenthaltsrecht. Die Kopplung von Aufenthaltstiteln an Arbeitsverträge schafft Abhängigkeiten: Ein Jobverlust bedeutet oft auch den Verlust des Visums. Restriktive Kündigungsfristen und hohe Vertragsstrafen binden die Pflegekräfte einseitig an ihre Arbeitgeber.

„Diese Strukturen beeinträchtigen nicht nur die Rechte und Karrieren der Pflegekräfte, sondern auch die Qualität und Nachhaltigkeit der Versorgung im deutschen Gesundheitssystem“, warnen die Studienautoren Tanja Gangarova, Johanna Kechout und Hans Vogt.

Was Gesundheitseinrichtungen tun müssen

Die DeZIM-Studie sieht konkrete Verantwortung bei den Arbeitgebern und Gesundheitseinrichtungen:

  • Rassismuskritische Professionalisierung: Verpflichtende rassismuskritische Lehrinhalte in der Aus- und Weiterbildung von Pflegepersonal, besonders für Führungskräfte
  • Verbesserte Onboarding-Programme: Gezielte Berücksichtigung der spezifischen Bedarfe internationaler Pflegekräfte mit verbindlichen Schutzkonzepten
  • Arbeitsrechtliche Aufklärung: Verstärkte Information der Fachkräfte über ihre Rechte und Beschwerdewege
  • Sprachförderung und psychosoziale Betreuung: Unterstützungsangebote für nachhaltige Integration

Handlungsfelder für Politik und Gesetzgeber

Auf Bundes- und Landesebene identifiziert die Studie folgende Handlungsbedarfe:

  • Einrichtung repräsentativer Strukturen: Stärkung von Institutionen wie Pflegekammern als zentrale Interessenvertreter
  • Regulierung der Vermittlungsagenturen: Verbindliche rechtliche Vorgaben für öffentliche und private Vermittler
  • Reform der Anerkennungsverfahren: Bundesweit einheitliche, praxisnahe und transparente Gestaltung der Anerkennung ausländischer Qualifikationen
  • Evaluation von Anwerbungsprogrammen: Regelmäßige Überprüfung staatlicher Programme unter Einbezug lokaler Expertise aus den Herkunftsländern
  • Ausbau transdisziplinärer Forschung: Intensivierung der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit fairer Anwerbung und Integration

„Verbesserte Rahmenbedingungen, wirksame Maßnahmen zum Schutz vor Diskriminierung und klar strukturierte Integrationsprozesse würden nicht nur die Arbeitsrechte, Gesundheit und Teilhabe der Pflegekräfte stärken, sondern zugleich Abwanderung und Fluktuation entgegenwirken“, betont die Studie.

Ohne wirksame Gegenmaßnahmen drohen laut DeZIM-Studie nicht nur gesundheitliche Risiken für die betroffenen Pflegekräfte, sondern auch eine Verschärfung des Fachkräftemangels mit unmittelbaren Auswirkungen auf die Pflegequalität und Patientensicherheit.

Hier geht es zur Studie