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Gewalt in der Pflege vorbeugen: Wilhelmshilfe gewinnt Altenheim Zukunftspreis 2024

Die Wilhelmshilfe hat mit ihrem Projekt zur Gewaltprävention in der Pflege den Altenheim Zukunftspreis 2024 gewonnen.

Altenheim Zukunftspreis 2024
Von links nach rechts: Beate Radzey, Jury, Kai Tybussek, Curacon, Dagmar Hennings, Vorständin Wilhelmshilfe, Steve Schrader, Chefredakteur Altenheim, Bianca Berger, externe Begleiterin des Projekts von der Hochschule Esslingen und Michaela Evans-Borchers, Jury. Foto: Guido Schiefer

Mit ihrem innovativen Projekt „Halt!(-ung) bei Gewalt – Ein ganzheitliches Konzept zur Stärkung der Gewaltprävention in der Pflege“ hat die Wilhelmshilfe e.V. den renommierten Altenheim Zukunftspreis 2024 gewonnen. Die mit 3.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde im Rahmen des Altenheim Managementkongresses in Köln verliehen. Die Jury würdigte das außerordentliche Engagement der Wilhelmshilfe, ein schwieriges und oft tabuisiertes Thema wie Gewalt in der Pflege aufzugreifen und ein nachhaltiges Präventionskonzept zu entwickeln.

Gewaltprävention als Reaktion auf Vorfälle in einer Einrichtung

Das Projekt entstand als Reaktion auf erschütternde Gewaltvorfälle bei der Wilhelmshilfe. Dagmar Hennings, Vorständin der Wilhelmshilfe, zeigte sich emotional bewegt über die Auszeichnung: „Aus den schrecklichen Ereignissen von 2019 mit dem Missbrauchsskandal in einer unserer Einrichtungen ist doch etwas Gutes entstanden. Es ist für uns eine großartige Bestätigung dafür, dass wir uns mit dem Thema intensiv beschäftigt und den Mut gehabt haben, an die Öffentlichkeit zu gehen! Und nicht geschwiegen haben. Damit sind wir für andere Träger, für Kommunen und die große Gruppe an pflegenden Angehörigen eine Ermutigung. Darauf sind wir stolz!“

Gewalt mit einem holistischen Ansatz vorbeugen

Das Projekt verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz zur Gewaltprävention und richtet sich an Mitarbeitende, Ehrenamtliche sowie pflegende Angehörige. Kern des Konzepts sind umfangreiche Schulungen, die das Bewusstsein für Gewalt in der Pflege schärfen und präventive Maßnahmen stärken sollen. Neben praxisnahen Fortbildungen wurden spezifische Deeskalationstrainings entwickelt, die Pflegekräfte in schwierigen Situationen unterstützen. Zudem wurden sogenannte „Stoppkarten“ eingeführt, die klare Handlungsanweisungen bieten. Ein weiteres zentrales Element ist die offene Kommunikationskultur innerhalb der Einrichtungen der Wilhelmshilfe, die Gewaltprävention auf eine kontinuierliche Basis stellt.

Ein Vorzeigeprojekt, das gerne nachgeahmt wird

In den vergangenen Jahren hat sich das Projekt als Vorzeigemodell etabliert. Die Wilhelmshilfe wird regelmäßig von anderen Einrichtungen angefragt, um über ihre Erfahrungen zu berichten und bei der Umsetzung ähnlicher Projekte zu beraten. Darüber hinaus ist die Wilhelmshilfe aktives Mitglied im Netzwerk „Gewaltfreies zuhause“ und setzt sich für die Rechte und den Schutz pflegebedürftiger Menschen ein.

Steve Schrader, Chefredakteur von Altenheim, lobte die Leistung des Trägers: „Die Wilhelmshilfe e.V. zeigt eindrucksvoll, wie man schwierige und oft tabuisierte Themen mutig angeht und mit innovativen Konzepten zu einer echten Vorreiterrolle in der Altenpflege wird. Ihr Engagement für eine gewaltfreie Pflege verdient nicht nur Respekt, sondern auch Nachahmung. Solche Projekte inspirieren uns alle, die Altenpflege immer wieder neu zu denken und weiterzuentwickeln.“

Jury lobt Schutzräume für Mitarbeitende und Bewohner:innen

Die Jury des Altenheim Zukunftspreises zeigte sich tief beeindruckt von dem innovativen Konzept der Wilhelmshilfe. Michaela Evans-Borchers vom Institut Arbeit und Technik der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen betonte in ihrer Begründung, dass das Projekt nicht nur das wichtige Thema Gewaltprävention in den Fokus rücke, sondern durch seinen ganzheitlichen Ansatz auch Schutzräume für alle Beteiligten schaffe.

Der Altenheim Zukunftspreis wird jährlich von der Fachzeitschrift Altenheim in Kooperation mit der Unternehmensberatung Curacon verliehen. Kai Tybussek, Vertreter des Preissponsors Curacon, gratulierte der Wilhelmshilfe und betonte, dass das Projekt Maßstäbe für die Altenpflege setze: „Zumeist wird darüber nur negativ in der Presse berichtet. Hier ist ein tolles Beispiel, etwas entgegenzusetzen – und das zugleich für die anvertrauten Bewohner sowie für die Pflegenden.“

Erkenntnisse sollen veröffentlicht werden

Die Wilhelmshilfe wird die im Rahmen des Projekts entwickelten Ideen und Ergebnisse in einem Buch zusammenfassen und mit anderen Altenhilfeeinrichtungen teilen, um das Thema Gewaltprävention weiter voranzutreiben.