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Zwei Pflegeheime vor dem Aus: Schließungen in Baden-Württemberg und Niedersachsen

Wirtschaftliche Gründe zwingen zur Aufgabe von Senioreneinrichtungen in Seelbach und Hildesheim. Die zwei aktuelle Fälle aus Baden-Württemberg und Niedersachsen zeigen, wie prekär die Lage für manche Einrichtungen ist und in welches Dilemma Bewohner:innen und ihre Angehörigen kommen können, wenn eine Einrichtung unvermittelt geschlossen werden muss.

Zwei Einrichtungen in Baden-Württemberg und Niedersachsen erweisen sich als wirtschaftlich nicht mehr tragfähig und werden geschlossen. Foto: Adobe Stock/ Tatsiana

Wie der Lahrer Anzeiger und die Alfelder Zeitung berichten, müssen in Seelbach und Hildesheim Pflegeheime geschlossen werden – mit zum Teil weitreichenden Folgen für Bewohner:innen und Personal.

Fachkräftemangel und Sanierungsstau in Seelbach

In Seelbach (Baden-Württemberg) wird das Seniorenheim Sankt Hildegard Ende 2025 seine Pforten schließen. Der Caritasverband Lahr sieht sich laut Lahrer Anzeiger gezwungen, die Einrichtung aus wirtschaftlichen Gründen aufzugeben. „Bis zu vier Millionen Euro“ müssten investiert werden, um Brandschutz und andere Auflagen zu erfüllen, wird Vorstandsmitglied Mireille Ochalek-Starzetz zitiert. Diese Summe sei „in absehbarer Zeit nicht refinanzierbar“.

Für die 40 Bewohner:innen und knapp 60 Angestellten plant der Verband einen Umzug in den Neubau des Seniorenheims Sankt Marien in Ettenheim. Dieser soll bis Jahresende bezugsfertig sein und deutlich mehr Kapazitäten bieten. Seelbachs Bürgermeister Michael Moser kritisiert die späte Einbindung der Gemeinde: „Vielleicht hätten sich gemeinsam noch andere Lösungen finden lassen“, wird er im Lahrer Anzeiger zitiert.

Immerhin: Der Verband betont gegenüber der Zeitung, dass eine Insolvenz wie beim Caritasverband Breisgau-Hochschwarzwald nicht zu befürchten sei – die proaktive Schließung diene gerade der Vermeidung einer solchen Situation.

Überraschende Schließung in Hildesheim

In Hildesheim (Niedersachsen) trifft es die Betroffenen noch härter. Wie die Alfelder Zeitung berichtet, will der Betreiber Vitanas sein Pflegeheim in der Harlessemstraße bereits Ende Oktober, spätestens aber Ende Dezember schließen. Die Nachricht kam für alle Beteiligten überraschend. „Wir waren alle wie vom Donner gerührt“, zitiert die Zeitung Marita Schröter, deren 95-jähriger Vater in dem Heim lebt.

Als Grund für die Schließung nennt Vitanas-Regionaldirektor Michael Weber-Zarft laut einem der Alfelder Zeitung vorliegenden Schreiben „erhebliche bauliche Mängel, insbesondere im Bereich des Brandschutzes und der Aufzugsanlagen“. Eine Sanierung sei wirtschaftlich nicht vertretbar.

Unsichere Zukunft für Bewohner:innen

Während in Seelbach zumindest ein Alternativangebot in Ettenheim besteht, müssen die Hildesheimer Heimbewohner:innen und ihre Angehörigen laut Zeitungsbericht selbst nach neuen Plätzen suchen. Die von Vitanas zur Verfügung gestellte Liste mit alternativen Heimen sei veraltet und wenig hilfreich, zitiert die Alfelder Zeitung eine Angehörige. Für die Mitarbeitenden in Hildesheim will Vitanas Stellen in anderen Einrichtungen des Unternehmens anbieten.

Für die betroffenen Bewohner:innen und ihre Familien bedeuten die Schließungen eine enorme Belastung. Wie Marita Schröter in der Alfelder Zeitung treffend zusammenfasst: „Die Verantwortlichen bei Vitanas können sich gar nicht vorstellen, was es für alte Menschen wie meinen Vater bedeutet, noch einmal umziehen zu müssen – die verlieren ihr Zuhause, das wirft sie aus der Bahn.“

Karte dokumentiert Schließungen und Insolvenzen

Immer wieder schließen Pflegeheime aus wirtschaftlichen Gründen. In der Deutschlandkarte Heimsterben dokumentiert der Arbeitgeberverband Pflege Schließungen von Pflegeeinrichtungen.