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Warum Pflegen und Wohnen Marienthal in Hamburg Fachkräfte gewinnt, während andere noch suchen

Eine offene Unternehmenskultur, konsequente Veränderungen im Alltag und der Einsatz von Servicerobotern: Das Haus Marienthal des kommunalen Trägers Pflegen & Wohnen Hamburg zeigt, wie eng Personalgewinnung und Mitarbeiterbindung zusammenhängen. Die Einrichtung gehört zu den Stationen der Altenheim Innovation Tour.

Pflegen und Wohnen Hamburg ist auch dieses Jahr beim CSD dabei. Foto: Pflegen und Wohnen Hamburg

Von Kerstin Hamann

Fachkräftemangel gehört für viele Pflegeeinrichtungen inzwischen zum Alltag. Die Pflegeeinrichtung Marienthal berichtet dagegen von einer anderen Entwicklung: Nach Angaben der Einrichtung kommen Bewerbungen inzwischen häufig von selbst. Ein Grund dafür ist ein umfassender Veränderungsprozess, der weit über einzelne Diversity-Maßnahmen hinausgeht.

Als erste stationäre Pflegeeinrichtung Hamburgs durchläuft das Haus derzeit die Zertifizierung „Lebensort Vielfalt“. Rund 150 Kriterien sind dabei zu erfüllen. Mehr als die Hälfte aller Mitarbeitenden absolviert verpflichtende Fortbildungen, gleichzeitig werden Pflegekonzepte, Formulare, Wohnumfeld und organisatorische Abläufe überarbeitet. Ziel ist es, älteren LSBTIQ+-Menschen einen Ort zu bieten, an dem sie ihre Identität nicht verstecken müssen.

Kein Symbolprojekt, sondern ein Kulturwandel

Für Einrichtungsleiterin Jasmin Jahnke ist das kein Symbolprojekt, sondern ein Kulturwandel. Die Biografien vieler älterer queerer Menschen seien von Diskriminierung, Strafverfolgung und Ausgrenzung geprägt. Wer diese Zielgruppe ernst nehmen wolle, müsse ihre Geschichte verstehen und entsprechende Strukturen schaffen – von der Ansprache über Wahlfamilien bis hin zu passenden Versorgungskonzepten.

Der Veränderungsprozess wirkt sich nach ihrer Erfahrung nicht nur auf Bewohnerinnen und Bewohner aus, sondern auch auf die Arbeitgeberattraktivität. Mitarbeitende identifizierten sich stärker mit der Einrichtung und empfehlen sie als zukunftsweisenden Arbeitgeber in der Pflege weiter. Gleichzeitig werde das Thema bereits im Bewerbungsprozess offen angesprochen. Respekt gegenüber den Werten der Einrichtung sei eine klare Voraussetzung für eine Zusammenarbeit.

Neben der Unternehmenskultur setzt Marienthal auch auf technische Innovationen. Drei Serviceroboter übernehmen inzwischen die Verteilung von Mahlzeiten auf mehreren Wohnbereichen. Dadurch entfallen zahlreiche Transportwege für das Pflegepersonal. Die Einrichtung verspricht sich davon nicht nur ergonomische Entlastung, sondern auch besser planbare Abläufe und mehr Zeit für die direkte Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner. Perspektivisch sollen die Roboter weitere Logistikaufgaben übernehmen und beispielsweise Arztvisiten begleiten oder Transporte zwischen Küche und Wohnbereichen automatisieren.

Jahnke betont allerdings, dass sich ein solcher Wandel nicht nebenbei organisieren lasse. Ohne die Rückendeckung von Geschäftsführung und Direktion sei ein Projekt dieser Größenordnung kaum umzusetzen. Veränderungen müssten konsequent vorgelebt und organisatorisch abgesichert werden.

Wer sich selbst ein Bild von den Konzepten machen möchte, erhält dazu im September Gelegenheit. Am 16. und 17. September öffnet Pflegen und Wohnen Marienthal seine Türen für die Altenheim Innovation Tour. Besucherinnen und Besucher erleben den laufenden Zertifizierungsprozess, den praktischen Einsatz der Servicerobotik und diskutieren mit der Einrichtungsleitung über die Frage, wie eine moderne Unternehmenskultur zum entscheidenden Faktor im Wettbewerb um Fachkräfte werden kann.

Infos und Anmeldung zur Altenheim Innovation Tour