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Ein Dach für Familienunternehmen: Ulrich Zerhusen gründet die „Neue Humane Pflege“

Fachkräftemangel, Bürokratie, Digitalisierung – viele kleine und mittelständische Pflegeanbieter kämpfen oder haben Nachfolgesorgen. Der Unternehmer Ulrich Zerhusen möchte mit der kürzlich gegründeten „Neuen Humanen Pflege“ ein Dach bieten und unterstützen.

Foto: Philipp Eggers

Von Susanne El-Nawab

Nach 14 Jahren an der Spitze des Familienunternehmens Zerhusen & Blömer geht Ulrich Zerhusen neue Wege. Der 41-Jährige hat seine Anteile verkauft und gemeinsam mit dem Unternehmer Stephan Kohorst die Neue Humane Pflege Beteiligungsgesellschaft gegründet. „Wir wollen beweisen, dass Pflege zukunftsfähig ist“, betont Zerhusen im Gespräch mit Altenheim. Mit dem neuen Projekt will er zeigen, dass eine humane, wirtschaftlich tragfähige und zugleich wertschätzende Pflege möglich ist.

Im Zentrum steht der Zusammenschluss kleiner und mittelständischer Pflegeanbieter, die vor Nachfolgefragen stehen oder sich angesichts steigender Anforderungen kaum noch allein behaupten können. IT, Digitalisierung, Pflegesatzverhandlungen, Marketing und rechtliche Fragen – für viele Betreiber sind das Themen, die sie vom eigentlichen Pflegeauftrag abhalten. „Pflegedienste wollen Menschen versorgen, nicht den ganzen Tag mit Bürokratie kämpfen“, so Zerhusen.

Holding soll professionelle Strukturen mit inhabergeführtem Charakter verknüpfen

Die Neue Humane Pflege verstehe sich daher als Holding, die professionelle Strukturen bietet, ohne den Charakter inhabergeführter Einrichtungen aufzulösen. Träger können komplett verkaufen, oder Anteile behalten und bleiben wenn gewünscht eingebunden. Entscheidend sei, dass Werte und Haltung passen. „Wir wollen keine anonyme Kette aufbauen. Wir wollen ein Dach schaffen, unter dem Pflegedienste ihre Stärken behalten und zugleich von gemeinsamen Ressourcen profitieren.“
In seiner bisherigen Laufbahn hat der Pflegeunternehmer erlebt, dass es nicht an Ideen oder technischen Lösungen fehlt. Ob KI-Anwendungen, Sensorik oder Exoskelette – auf Messen und Konferenzen präsentieren sich Anbieter mit vielen Innovationen. „Es gibt alles schon. Was fehlt, ist der Transfer in den echten Pflegealltag“, sagt Zerhusen. Hier setzt er an: Lösungen, die im Modellversuch glänzen, sollen in den Praxisbetrieb unter Realbedingungen integriert werden.
Besonderen Fokus möchte Zerhusen auf die ambulante Versorgung legen – inklusive Tagespflege oder Servicewohnen. Stationäre Einrichtungen schließt er nicht aus, sieht sie aber eher in integrierten Versorgungsstrukturen.

Und der Name „Humane Pflege“? Der Anspruch, humane Pflege auch im Namen zu führen, ist bewusst gesetzt. „Ich will nicht die nächste gesichtslose Kette gründen“, erklärt Zerhusen. Pflege solle wirtschaftlich tragfähig sein – aber eben auch menschlich, transparent und orientiert an den Bedürfnissen der Mitarbeitenden wie der Pflegebedürftigen.
Zerhusen sieht die Chance, durch Synergien und vernünftige Integration bestehender Lösungen viel Effizienz zu gewinnen. „Wenn wir 20 oder 25 Prozent Ineffizienzen im System abbauen, dann schaffen wir zusätzliche Ressourcen – ohne dass mehr Personal vom Himmel fällt.“ Für ihn ist klar: Nur wenn Pflegekräfte spüren, dass sie ihre Arbeit gut bewältigen können, hält der Beruf auch langfristig stand.

Beweisen, dass es auch anders geht

Die Gründung mit Stephan Kohorst gebe dem Projekt Rückhalt. Kohorst ist selbst ein Familienunternehmer in dritter Generation und Geschäftsführer der Dr. Ausbüttel & Co. GmbH. Das Unternehmen hat sich auf die Entwicklung und den Vertrieb von Produkten zur Wundversorgung spezialisiert und ist vielen in der Pflege unter dem Markennamen „Draco“ bekannt. Es sind also Familienunternehmer, die die Gesellschaft steuern, und kein Finanzinvestor. Das verschafft Freiräume, sagt Zerhusen: „Wir sind nicht getrieben von kurzfristigen Renditeerwartungen, sondern von der Idee, Pflege nachhaltig weiterzubringen.“ Es gehe darum, Lebenswerke in gute Hände zu übergeben, ohne Werte preiszugeben. „Wir wollen beweisen, dass es auch anders geht“, fasst Zerhusen zusammen.

Mehr zum Thema: Das vollständige Interview mit Ulrich Zerhusen lesen Sie demnächst in der Fachzeitschrift Altenheim.

Tipp: Einen Vortrag von Ulrich Zerhusen hören Sie auf dem Altenheim Management Kongress am 1. und 2. Oktober in Köln!