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Schwere Pflegemängel sollen zu Belegungsstopp in Essen geführt haben
Im Charleston Wohn- und Pflegeheim im Essener Ostviertel hat die WTG-Behörde der Stadt offenbar gravierende Missstände festgestellt. Bewohnerinnen und Bewohner wurden laut Bericht von Radio Essen nicht angemessen versorgt. Der Träger habe darauf reagiert, neue Aufnahmen gestoppt und Bewohnerinnen und Bewohner teilweise in andere Einrichtungen verlegt.
Radio Essen berichtet, dass die WTG-Behörde das Charleston-Heim nach einem anonymen Hinweis kontrolliert und im Rahmen ihrer Kontrolle erhebliche Pflegemängel feststellt hatte. Wunden seien unzureichend versorgt worden, das Medikamentenmanagement sei mangelhaft gewesen. Am 30. September ordnete die Behörde laut Bericht einen verbindlichen Belegungsstopp an. Der Träger habe zusätzlich entschieden, freiwillig einige Bewohnerinnen und Bewohner in andere Häuser zu verlegen, um die Versorgung zu stabilisieren und bauliche Arbeiten vorzunehmen.
Kritik an Verlegungen
Rund die Hälfte der Bewohnerinnen und Bewohner sollten laut Artikel in andere Einrichtungen umziehen. Laut den Recherchen von Radio Essen verlief zumindest ein Umzug einer Bewohnerin von Essen nach Mülheim unkoordiniert. Die betroffene Bewohnerin habe eine Stunde ohne Jacke im Freien gewartet, der Transport sei mit einem gemieteten Sprinter durchgeführt worden. In ihrem Gepäck befanden sich fremde Gegenstände, persönliche Sachen fehlten. Im Mülheimer Pflegeheim wussten Mitarbeitende demnach erst am Umzugstag, dass zusätzliche Bewohner erwartet wurden. Das berichtet der Angehörige der Frau. Das Charleston-Pflegeheim widerspricht dieser Darstellung und erklärte auf Nachfrage von Radio Essen, die Verlegungen seien „professionell begleitet“ und mit den aufnehmenden Einrichtungen abgestimmt worden. Auch die pflegerische Begleitung durch qualifiziertes Personal sei sichergestellt gewesen.
Keine Gefährdung der Bewohner
Die WTG-Behörde bestätigte gegenüber Radio Essen, dass mehrere Beschwerden eingegangen seien. Angehörige hätten kurze Fristen erhalten und den Eindruck gehabt, die Behörde habe die Umzüge veranlasst. Das wies die Stadt ausdrücklich zurück. Zwar gebe es schwere Pflegemängel, aktuell bestehe aber „durch den Einsatz zusätzlichen Personals keine Gefährdung der Bewohner“. Bei einer erneuten Prüfung am 9. Oktober habe sich dies bestätigt.
Belegungsstopp und Sanierungsmaßnahmen
Das Heim will die Zeit des Belegungsstopps nutzen, um Strukturen und Personal neu aufzustellen. Eine Interims-Leitung wurde eingesetzt, Regionalleitung und Qualitätsmanagement sollen das Haus intensiver begleiten. Außerdem ist eine Sanierung der technischen Infrastruktur geplant. Die Küche ist beispielsweise momentan in Containern auf dem Vorplatz untergebracht, die laut Heim alle hygienischen Anforderungen erfüllen.
Regelmäßige Kontrollen angekündigt
Die Einrichtung bietet Platz für rund 130 Bewohnerinnen und Bewohner, betreut von etwa 80 Beschäftigten. Der Belegungsstopp gilt vorerst bis Ende März 2026. Bis dahin soll das Heim regelmäßig kontrolliert werden. Sollte sich die Situation nicht bessern, will die Stadt über eine Verlängerung und weitere Maßnahmen entscheiden.
Für den betroffenen Angehörigen und seine pflegebedürftige Frau hat sich die Lage inzwischen beruhigt. „Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen“, sagte er im Gespräch mit Radio Essen. Zwar seien nicht alle persönlichen Gegenstände aufgetaucht, doch die Betreuung in Mülheim laufe deutlich besser.
Erst vor wenigen Tagen waren Vorwürfe über Missstände in Alloheim-Einrichtungen bekannt geworden. Hier geht es zum vollständigen Bericht von Radio Essen.
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