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Pflegeversicherung: „Zu 90 Prozent läuft es gut“

Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Pflegeversicherung in Deutschland hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) in einem Interview mit NDR Info seine Pläne für eine umfassende Reform des Systems vorgestellt.

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"Bei der Pflegeversicherung läuft aus meiner Sicht 90 Prozent gut", sagt Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) in einem Interview mit dem NDR. Foto: BMG/Thomas Ecke

Ein zentraler Punkt in Lauterbachs Reformvorschlägen ist die Begrenzung des Eigenanteils für Pflegebedürftige. „Ein Vorschlag, den ich selbst auch mitentwickelt habe, sieht vor, dass der Eigenanteil bei 1.000 Euro gedeckelt ist, und zwar bei der stationären Pflege wie auch bei der ambulanten Pflege“, erklärte der Minister. Diese Maßnahme zielt darauf ab, die finanzielle Belastung für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen zu reduzieren und das Armutsrisiko durch Pflegebedürftigkeit zu minimieren.

Umwandlung in eine Bürgerversicherung

Lauterbach sprach sich zudem für eine grundlegende Umstrukturierung der Pflegeversicherung aus. Er plädiert für die Einführung einer Bürgerversicherung in der Pflege, um einen gerechteren Solidarausgleich zu schaffen. „Denn dann zahlt jeder nach seiner Leistungsfähigkeit, sodass wir alle in einem Boot sitzen bei der Pflegeversicherung“, so der Minister. Diese Änderung könnte erhebliche Auswirkungen auf die Finanzierungsstruktur von Pflegeeinrichtungen haben.

Finanzierung und Steuerentlastung

Ein weiterer wichtiger Aspekt der geplanten Reformen betrifft die Kompetenzen des Pflegepersonals. Lauterbach verwies auf das kürzlich durch das Kabinett gebrachte Pflegekompetenzgesetz: „Das erlaubt Pflegekräften mehr von dem, was sie eigentlich können, auch zu dürfen.“ Der Minister sprach sich auch für eine Entlastung der Pflegeversicherung von versicherungsfremden Leistungen aus. Er argumentierte: „Die Pflegeversicherung bezahlt jetzt auch Dinge, die gar nicht die Aufgabe der Beitragszahler sind, beispielsweise die Rentenversicherungsbeiträge von pflegenden Angehörigen. Das ist eine klassische Steuerleistung, und das muss der Steuerzahler zahlen.“ Lauterbach moniert, im Rahmen einer „extrem engen Auslegung der Schuldenbremse“ habe die FDP das nicht mitgemacht.

Herausforderungen und Chancen

Lauterbach räumte ein, dass die Kosten in der Pflege in den vergangenen Jahren stark gestiegen sind, führte dies aber auf positive Entwicklungen zurück: „Zum einen wird das Personal in der Pflege besser bezahlt. Dafür haben wir gekämpft. Es war richtig, denn hätten wir die Löhne in der Pflege nicht verbessert, hätten wir in ein paar Jahren nicht mehr genug Pflegekräfte gehabt.“ Zudem verwies er auf die Einführung der Pflegegrade, die zu einer früheren und umfassenderen Versorgung geführt haben.

Insgesamt zog der Minister eine positive Bilanz der Pflegeversicherung: „Bei der Pflegeversicherung läuft aus meiner Sicht 90 Prozent gut.“ Er betonte jedoch die Notwendigkeit von Reformen, insbesondere im Hinblick auf die Eigenbeteiligung und die Finanzierungsstruktur.

Hier geht es zum vollständigen Interview.