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Pflegekammer NRW warnt vor akutem Personalmangel in Heimen

In Nordrhein-Westfalen droht ein gravierender Engpass in der stationären Langzeitpflege. Laut neuen Daten der Pflegekammer NRW werden in vielen Städten bis zu vier von zehn Pflegefachpersonen bald in Rente gehen. Besonders betroffen sind Kreise und Städte, in denen der Anteil junger Pflegekräfte besonders niedrig ist.

Die Tabelle zeigt, in welchen Kreisen in Nordrhein-Westfalen der Anteil älterer Pflegefachpersonen (55 Jahre und älter) besonders hoch ist, verglichen mit dem Anteil der jüngeren Pflegenden (19–30 Jahre). Je höher die Differenz, desto stärker ist die Belegschaft überaltert. Tabelle: Pflegekammer NRW

In Nordrhein-Westfalen droht ein dramatischer Versorgungsmangel in Alten- und Pflegeheimen. Die Pflegekammer NRW warnt, dass bereits in den kommenden fünf Jahren „vier von zehn Pflegefachpersonen in Rente gehen“, wie Kammerpräsidentin Sandra Postel erklärt. Zugleich rücken kaum neue Fachkräfte nach. „Wie wollen sie eine Station mit zehn Kolleginnen und Kollegen künftig betreiben, wenn vier davon in Rente gehen und gerade mal eine neue Kraft hinzukommt, die aber nur stundenweise arbeitet?“, fragt Postel.

Alarmierende Altersstruktur in der Langzeitpflege

Besonders betroffen sind zehn Kreise und Städte, in denen die Altersdifferenz zwischen jüngeren und älteren Pflegekräften besonders groß ist. Spitzenreiter ist die Stadt Bochum mit einer Differenz von über 41 Prozentpunkten zwischen den Altersgruppen 19 bis 30 und 55 plus. Auch Soest, Minden-Lübbecke, der Rhein-Sieg-Kreis, Bielefeld und Düsseldorf liegen im kritischen Bereich.

NRW besonders stark von demografischem Wandel betroffen

Die Pflegekammer NRW sieht die kommunale und Landespolitik in der Pflicht. „Wir reden hier nicht von einer Entwicklung, die in 20 oder 30 Jahren passieren wird. Es wird schon in den kommenden fünf Jahren so weit sein“, sagt Postel. Dabei sei Nordrhein-Westfalen bundesweit besonders betroffen: Bereits 2023 erhielten rund 1,38 Millionen Menschen Pflegeleistungen. Das entspricht fast acht Prozent der Bevölkerung – doppelt so viel wie in Bayern.

Seit 2021 ist die Zahl der Pflegeversicherungsempfängerinnen und -empfänger laut IT.NRW um 16 Prozent gestiegen, seit 2013 sogar um rund 137 Prozent. Diese Dynamik lasse keine Entwarnung zu, sondern künde von weiter wachsendem Pflegebedarf. Die Kommunen müssten die Zahlen ernst nehmen, fordert Postel.

Pflegekammer fordert regionale Strategien und Quartierspflege

Die Pflegekammer NRW will mit regionalen Gremien dafür sorgen, dass die Praxis stärker in politische Planungen einfließt. Ein wichtiger Ansatz sei die Stärkung der Quartierspflege, die Angehörige und Nachbarn einbezieht, um Menschen möglichst lange in ihrem gewohnten Umfeld zu versorgen.

Mit dem Aufbau eines landesweiten Registers habe die Kammer erstmals einen genauen Überblick über Alter und Qualifikation der Pflegefachkräfte geschaffen. Seit ihrer Gründung Ende 2022 vertritt sie rund 220.000 Pflegende.