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Pflege neu denken, Wohlbefinden des Personals fördern!

Gesundheitsmanagement und flexible Finanzierungsmodelle können Pflege transformieren. Oliver Radermacher berichtet über seine Erfahrungen und Ideen dazu.

Oliver Radermacher
Foto: Paula Radermacher

Herr Radermacher, wie können wir Pflege neu denken?
Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt weiter und wir haben meiner Meinung nach eine Situation erreicht, in der wir immer schwerer Pflegekräfte finden, um die entsprechende Pflege zu leisten. Mit den Konzepten und Ideen der Vergangenheit kommen wir nicht mehr sehr weit. In vielen Regionen stagniert der Ausbau pflegerischer Angebote, weil die Mitarbeitenden schlichtweg fehlen. Das unternehmerische Risiko, beispielsweise eine vollstationäre 80-Betten-Einrichtung zu starten, ist derzeit sehr hoch.
Das führt auch zu einer höheren physischen und psychischen Belastung. Wir müssen aber mit der jetzigen Situation und den uns gegebenen Rahmenbedingungen arbeiten. Da hilft kein Klagen oder Hoffen auf politischen Beistand, sondern wir müssen neue Wege finden.

Tipp: Mehr zum Thema auf dem ALTENPFLEGE Messekongress, Masterclass 2.08, am 09.04.2025, 15:30 – 16:30 Uhr

Welche konkreten Maßnahmen und Strategien empfehlen Sie, um das Wohlbefinden und die langfristige Motivation von Pflegekräften nachhaltig zu fördern?
Das Wichtigste ist schon in der Frage formuliert. Maßnahmen und Strategien müssen nachhaltig und langfristig ausgelegt sein. Keine kurzzeitige Maßnahme wird eine Motivation dauerhaft fördern oder aufrechterhalten.
Man sollte auch die DNA des Unternehmens nicht über Bord werfen. Nicht jedes Konzept passt zu jedem Unternehmen.
Warum sollte eine neue Mitarbeiterin oder ein neuer Mitarbeiter in unserem Unternehmen anfangen? – Diese Frage gilt es zu beantworten. Sicher ist die Bezahlung ein wichtiges Kriterium. Die Arbeitsbedingungen sind für interessierte Pflegekräfte aber noch viel wichtiger. Beim Probearbeiten oder einer Hospitation wird eine Bewerberin oder ein Bewerber schon erkennen können, wie die Stimmung beim „Stammpersonal“ ist und wie die Arbeitsabläufe sind. Daher brauchen wir Konzepte, um die Arbeit in der Pflege wieder als Berufung anzuerkennen. Und das diese Arbeit nicht nur irgendein Job ist.
Erste konkrete Maßnahme ist daher die Analyse der aktuellen Situation. Da sollte jeder Stein umgedreht werden. Im Rahmen unserer in 2018 begonnenen Sanierung haben wir die Mitarbeitenden eingebunden und bspw. deren Sichtweise auf Laufwege aufgenommen. Eine Veränderung der Raumplanung hatte dann eine direkte positive Auswirkung auf den Arbeitsplatz. Derzeit prüfen wir die Hilfsmittelausstattung. Wie können wir die höchstmögliche Teilhabe und Mobilitätsförderung der Pflegebedürftigen im Einklang mit reduzierten physischen und psychischen Belastungen erreichen? Das richtige Hilfsmittel am richtigen Ort und zur richtigen Zeit ist nicht nur wichtig für ein effizientes Arbeiten, sondern insbesondere für ein gesundes Arbeiten und ein höheres Wohlbefinden der Pflegebedürftigen. Wir legen ein Hauptaugenmerk auf die Gesunderhaltung und bilden damit die Basis, um neue Teammitglieder für uns zu begeistern.

Welche flexiblen Refinanzierungsmodelle gibt es in der Praxis?
Es lohnt ein Blick in das fünfte und elfte Sozialgesetzbuch. Über § 20 SGB V können Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung finanziert werden. Präventive Ansätze für Pflegebedürftige finden eine Refinanzierungsmöglichkeit in § 5 SGB XI wieder. Um aber beispielsweise dauerhaft eine nach der Individualität des Pflegebedürftigen und den Erfordernissen der Mitarbeitenden ausgerichtete Hilfsmittelausstattung vorzuhalten, muss auch der Markt auf diese neuen Konzepte reagieren. Denn die Liquiditätssituationen lassen oftmals keine großen Investitionen in Hilfsmittel zu. Arjo bietet hier das System „Pay-Per-Client“ an. Dahinter steht eine Miete je Mobilitätsklassifizierung, in dem die Investition auf den Tag und den Pflegbedürftigen gerechnet wird.

Sie berichten zu diesem Thema auf dem Messekongress von Vincentz Network im Rahmen der ALTENPFLEGE Messe in Nürnberg, gemeinsam mit Ulrich Zerhusen und Sabrina Roßius. Was können die Teilnehmer:innen in dem Vortrag erwarten?
Wir zeigen in der Masterclass 2.08 Möglichkeiten zur Transformation auf. Dabei beschreiben wir einen Ansatz zum Gesundheitsmanagement und wie die Prozesse verankert werden. Die Möglichkeiten der Refinanzierung und das Pay-per-Client – Modell werden ebenso vorgestellt, wie einen Einblick in die praktische Umsetzung. Somit fahren die Teilnehmenden mit einem absoluten Mehrwert in ihre Unternehmen zurück.

Interview: Susanne El-Nawab

Mehr dazu auf dem ALTENPFLEGE Messekongress