News

PeBeM: Wie Sie Ängste des Personals abbauen

Der Begriff „PeBeM“ löst inzwischen bei vielen Pflegekräften Ängste aus, berichtet Jasmin Modis. Wie lassen sich die Sorgen nehmen und Arbeitsabläufe besser organisieren?

Jasmin Modis, Leitung zentrales Qualitätsmanagement der Martin Luther Stiftung Hanau Foto: Privat

Frau Modis, Sie haben in den stationären Einrichtungen der Martin Luther Stiftung Hanau schon früh losgelegt, um PeBeM/§113c SGB XI umzusetzen. Nun befinden sie sich z.T. im Schwebezustand, weil Hessen weder mit den Rahmenverträgen noch den Vorgaben zur FKQ in die Puschen kommt. Sie machen trotzdem weiter. Wie kommen Sie intern voran?
Ja. wir machen trotzdem weiter. Weil wir viele Aspekte aus PeBeM gefunden haben, die wir für gut empfinden. Wir möchten den Mitarbeitenden bessere Arbeitsbedingungen bieten, bei verbesserter Versorgungsqualität für die Bewohnenden. Wir haben festgestellt, dass die visualisierte Tourenplanung sehr hilfreich ist, wenn Personal ausfällt. So können die Touren mit wenig Aufwand umverteilt werden. Wir haben in den vergangenen Jahren die Mobile Dokumentation mit Spracheingabe über Handys eingeführt. Dabei zeigte sich, dass wir uns die Maßnahmenplanungen viel genauer anschauen müssen. Das wiederum führte dazu, intensiver in die Arbeitsablauforganisation zu schauen und zahlt somit direkt in die Umsetzung von PeBeM ein. Wir sind noch lange nicht fertig. Ich finde aber, dass insbesondere unsere Einrichtungs- und Pflegedienstleitungen sich auf einem guten Weg befinden, für die Standorte individuell richtige und umsetzbare Lösungen zu finden und weiter umzusetzen – unabhängig von den hessischen Vorgaben.

Mehr zum Thema auf der Altenheim Digitalkonferenz am 19. März 2025!

Wie ist das Feedback der Mitarbeitenden auf die neue Ablauforganisation?
Wir verlangen den Mitarbeitenden einiges ab mit den Anpassungen in der Ablauforganisation. Sich umzustrukturieren und neue Abläufe anzunehmen, fällt nicht allen Menschen leicht. Das Wort „Personalbemessung“ hat bei vielen Mitarbeitenden Ängste ausgelöst. Es brauchte viel Aufklärungsarbeit, um diese Ängste abzubauen. Insgesamt sind die Mitarbeitenden eher skeptisch und tun sich erfahrungsgemäß eher schwer mit den Umstellungen, denn „es ging ja auch vorher sehr gut“.

Sie haben acht Standorte – welche Erfahrungen haben sich bisher rauskristallisiert? Was haben Sie gelernt?
Wir haben gelernt, feinfühlig mit dem Thema umzugehen, viel zu erklären, die Wünsche aufzunehmen, Ängste zu hören. In einer Einrichtung lassen sich Touren schwer umsetzen, da dort viele Fachkräfte arbeiten, während eine andere Einrichtung wegen des Fachkraftmangels schon lange Touren hat. An einem anderen Standort hat sich gezeigt, dass es hilfreich ist, wenn die Mitarbeitenden ihre Abläufe je nach QN selbst erarbeiten. So entstand bei allen Berufsgruppen ein Bewusstsein für die Arbeit des jeweils anderen – auch in Abgrenzung zu den Tätigkeiten der PDL. Unsere wichtigsten Erkenntnisse lauten:
1. PeBeM lässt sich wegen lokaler Unterschiede bei uns nicht zentral bearbeiten und einheitlich umsetzen.
2. Oft arbeiten wir im Sinne von PeBeM, ohne, dass es uns wirklich bewusst ist.
3. Es ist nicht immer gut, wenn man zu schnell umsetzt.

Interview: Susanne El-Nawab

TIPP: Welche Strategien, Stolpersteine und Best Practice-Modelle gibt es bei der Umsetzung von PeBeM/§ 113 c SGB XI?
Auf der Altenheim Digitalkonferenz am 19. März 2025 geht es um Tipps und Erfahrungen aus der Praxis.

Infos zum Programm & Anmeldung