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Johanneswerk warnt: Verzögerte Bescheide treiben Heime in die Existenzkrise

Monatelange Sozialamtsprüfungen bringen immer mehr Pflegeeinrichtungen in NRW an ihre Belastungsgrenze. Für Führungskräfte in der Altenhilfe zeigt das Beispiel des Johanneswerks, wie ausstehende Millionenbeträge strategische Entscheidungen blockieren – und sogar die Existenz ganzer Standorte gefährden.

Bodo de Vries
„Wir können das als großer Träger begrenzt auffangen – aber nicht endlos“, warnt Bode de Vries Foto: Hilla Südhaus

Die finanzielle Lage vieler Pflegeheime in NRW spitzt sich dramatisch zu. Wie die Lippische Landes-Zeitung berichtet, müssen Einrichtungen immer höhere Summen vorstrecken, weil Sozialämter monatelang – in Einzelfällen sogar jahrelang – prüfen, ob Bewohner Anspruch auf Unterstützung haben. Die Folge sind Liquiditätsprobleme, die für manche Träger existenzbedrohend werden.

Besonders betroffen ist das evangelische Johanneswerk in Bielefeld. Der große diakonische Träger wartet derzeit auf mehr als vier Millionen Euro an ausstehenden Zahlungen. „Wir können das als großer Träger begrenzt auffangen – aber nicht endlos“, warnt Bode de Vries, stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung. Bereits jetzt müssten Investitionen in die Instandhaltung zurückgestellt werden.

Branchenweit zeigt sich ein ähnliches Bild: Laut Arbeitgeberverband Pflege mussten 2023 und 2024 insgesamt 1.164 Pflegeheime Insolvenz anmelden. Die Entwicklung habe sich 2025 fortgesetzt. Als Hauptgrund gelten ausbleibende Sozialhilfe-Bescheide, die Einrichtungen finanziell lahmlegen.

Für Bewohner und Angehörige können die Verzögerungen drastische Folgen haben: Ein Beispiel aus Bielefeld zeigt eine Nachforderung von rund 16.500 Euro für eine 84‑jährige Bewohnerin, deren Investitionskosten erst nach zwei Jahren bewilligt wurden. Belastend sei das oft auch dann, wenn Betroffene bereits verstorben sind.

In manchen Fällen bleiben Träger sogar vollständig auf Kosten sitzen – etwa wenn Angehörige ein Erbe ausschlagen und somit offene Forderungen ins Leere laufen.

Um das System zu stabilisieren, fordert das Johanneswerk eine Deckelung der Eigenanteile: Maximal 1.000 Euro pro Monat für zwei Jahre, den Rest solle der Staat tragen. Nur so sei zu verhindern, dass das Pflegesystem „implodiert“, so de Vries.