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Gewalt in der Pflege – wie kommt es dazu?

Experten nennen verschiedene mögliche Gründe für Gewalt gegen Patient:innen: Überlastung des Pflegepersonals, Wissens- oder Kompetenzdefizite, mangelnde Empathie sowie persönliche, soziale oder gesundheitliche Probleme – darunter etwa Suchterkrankungen. Bei Straftaten könne auch die Absicht eine Rolle spielen, Menschen zu schaden oder zu erniedrigen.

Gewalt in der Pflege
Foto: Werner Krüper

Eine examinierte Pflegerin soll in einem hessischen Seniorenheim medizinische Geräte bei drei Wachkoma-Patienten entfernt haben. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf ein Problem, das laut Experten in jeder Pflegeeinrichtung präsent ist. Das genaue Motiv der Frau ist noch Gegenstand der Ermittlungen. Generell nennen Experten verschiedene mögliche Gründe für Gewalt gegen Patientinnen und Patienten: Überlastung des Pflegepersonals, Wissens- oder Kompetenzdefizite, mangelnde Empathie sowie persönliche, soziale oder gesundheitliche Probleme und zum Beispiel Suchterkrankungen. Bei Straftaten könne auch die Absicht eine Rolle spielen, Menschen zu schaden oder zu erniedrigen.

Gewalt in der Pflege tritt laut dem Zentrum für Qualität in der Pflege in Berlin in unterschiedlichen Formen auf. Sie kann körperlicher oder psychischer Natur sein, auch sexualisierte Übergriffe kommen vor. Darüber hinaus zählen die Experten Vernachlässigung, finanzielle Ausbeutung und freiheitsentziehende Maßnahmen zu den Gewaltformen. Die Gewalt müsse dabei nicht in Schädigungsabsicht erfolgen: Sie könne auch unbewusst geschehen. Betroffen seien zudem nicht nur Pflegebedürftige, sondern teils auch die Pflegenden selbst. Wegen dieser Vielfalt an Erscheinungsformen existiere keine umfassende Statistik zur Häufigkeit, so das Zentrum. Das Dunkelfeld – also die Zahl der Taten, die nicht bekannt werden – halten Experten für erheblich.

Präventionsprojekt zeigt Wirkung in Pflegeeinrichtungen

Zur Vorbeugung empfehlen Fachleute den Einrichtungen, ihr Personal zu sensibilisieren und zu schulen. Positive Erfahrungen gibt es mit einem von der Techniker Krankenkasse unterstützten Projekt namens PEKo (Partizipative Entwicklung von Konzepten zur Gewaltprävention in der Pflege), das auch in hessischen Einrichtungen umgesetzt wird.

Das Alten- und Pflegeheim Anlagenring in Frankfurt hat an dem Projekt teilgenommen. Dort wurde ein Workshop-Konzept entwickelt, das Mitarbeiter aller Abteilungen einbezieht und bis heute angewandt wird. Ohne Anwesenheit von Führungspersonen könnten die Beschäftigten vertraulich Erlebtes thematisieren, sagt Projektleiterin Ulli Maria Jefcoat, die in der Einrichtung auch als Vertrauensperson fungiert. In Rollenspielen würden gemeinsam Lösungen erarbeitet.

„Jede Einrichtung hat das Thema Gewalt“, sagt Jefcoat. Zu 95 Prozent gehe es dabei um gewaltvolle Sprache. Auslöser könnten Stresssituationen oder Überforderung sein. Konflikte entstünden zwischen Pflegenden, Bewohnern sowie Angehörigen. Entscheidend sei, dies offen anzusprechen und die Pflegekräfte für die speziellen Bedürfnisse älterer und eingeschränkter Menschen zu sensibilisieren.

Die Techniker Krankenkasse setzt das Projekt fort. Laut Barbara Voß, Leiterin der TK in Hessen, habe sich gezeigt, dass damit die Sensibilität für Gewaltsituationen nachhaltig verändert werden könne. Die Mitarbeitenden der teilnehmenden Einrichtungen hätten individuelle Konzepte zur Gewaltprävention entwickelt, seien achtsamer im Umgang mit Extremsituationen geworden und hätten eine gesunde Fehlerkultur etabliert. Seit Herbst würden nun Beraterinnen und Berater geschult, die die Umsetzung in weiteren ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen sowie Krankenhäusern begleiten sollen.

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