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BRK fordert Rechtsanspruch auf Freiwilligendienst

Das Bayerische Rote Kreuz unterstützt den Vorstoß von Bundesministerin Karin Prien, Freiwilligendienste stärker in Schulen zu verankern. Gleichzeitig macht der Verband auf ein paradoxes Problem aufmerksam: Es gibt mehr motivierte Bewerber:innen als finanzierte Plätze. Das BRK fordert deshalb einen Rechtsanspruch – und deutlich mehr Geld.

BRK-Präsident Hans-Michael Weisky Foto: Matthias Balk/Bayrisches Rotes Kreuz

Das BRK begrüßt laut einer Pressemitteilung die Initiative von Bundesbildungs- und Familienministerin Karin Prien (CDU), die Debatte über gesellschaftliches Engagement stärker an Schulen zu verankern und Gesellschaftsdienste insgesamt zu stärken. Angesichts veränderter geopolitischer Rahmenbedingungen und wachsender Anforderungen an den Bevölkerungsschutz sei es notwendig, die Frage nach dem individuellen Beitrag zur Gesellschaft neu zu stellen.

„Freiwilligendienste sind hierfür ein zentraler Baustein“, erklärte BRK-Präsident Hans-Michael Weisky in München. Sie verbänden praktisches Engagement mit sozialer Bildung und stärkten junge Menschen in ihrer Entwicklung. In Bayern bietet das BRK nach eigenen Angaben jährlich über 1.500 Freiwilligen Einsatzmöglichkeiten – unter anderem in Senioreneinrichtungen, Sozialstationen, Krankenhäusern, Behinderteneinrichtungen und im Rettungsdienst.

Mehr Bewerbungen als Plätze

Allerdings stößt das bestehende System an seine Grenzen: Laut BRK übersteigt die Zahl der Bewerber:innen bereits heute die Zahl der vom Bund finanzierten Plätze. „Es ist absurd, dass wir motivierten jungen Menschen absagen müssen, weil die Finanzierung vom Bund nicht ausreichend ist“, so Weisky. Das BRK fordert deshalb einen Rechtsanspruch auf einen Freiwilligendienst – jede:r, der oder die sich engagieren wolle, solle auch einen Platz erhalten.

Taschengeld reicht nicht zum Leben

Ein weiteres Hindernis sieht das BRK in der finanziellen Ausstattung: Angesichts gestiegener Lebenshaltungskosten sei das derzeitige Taschengeld für viele junge Menschen nicht ausreichend, um den Lebensunterhalt zu sichern. Der Verband fordert eine einheitliche und deutliche Anhebung, die nicht allein von den Einsatzstellen getragen, sondern von Bund und Ländern refinanziert werden müsse.

Öffentlichkeitsarbeit nicht förderfähig

Auch bei der Bekanntheit der Freiwilligendienste sieht das BRK Nachholbedarf. Eine stärkere Information an Schulen könne helfen, doch Träger und Einsatzstellen könnten die nötige Öffentlichkeitsarbeit personell und finanziell nicht allein stemmen. Erschwerend komme hinzu, dass Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit nach den derzeitigen Förderkriterien des Bundes ausdrücklich nicht förderfähig seien und aus Eigenmitteln finanziert werden müssten. Das BRK fordert daher landes- und bundesweite Kampagnen sowie eine gezielte finanzielle Unterstützung.

Bonussystem und bessere Anerkennung

Darüber hinaus spricht sich das BRK für mehr öffentliche Anerkennung des Engagements aus: erleichterter Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln und kulturellen Angeboten sowie ein „Bonussystem“, das Vorteile bei Ausbildung, Studium oder eine Anrechnung auf die Rente vorsieht.

Kritik an Einbeziehung des Handwerks

Irritiert reagiert das BRK laut der Mitteilung auf Überlegungen, im Rahmen eines Freiwilligendienstes verstärkt das Handwerk einzubeziehen. „Freiwilligendienste zeichnen sich durch ihren sozialen, ökologischen und karitativen Charakter aus“, betonte Weisky. Sie lebten von zwischenmenschlicher Begegnung, Solidarität und dem unmittelbaren Einsatz für hilfsbedürftige Menschen. „Diese besondere Werteorientierung darf nicht verwässert werden.“

Grundsätzlich plädiert das BRK dafür, nicht über neue Verpflichtungen zu debattieren, sondern die bereits vorhandene Motivation junger Menschen gezielt zu fördern. „Ein starker, gut ausgestatteter Freiwilligendienst ist ein entscheidender Beitrag zur gesellschaftlichen Resilienz“, so Weisky.