Blog
Brandschutz: Warum brennt es so oft in Pflegeheimen?
Brandschutz im Pflegeheim ist ein Balanceakt, meint Elisabeth Scharfenberg.
Von Elisabeth Scharfenberg
Brandschutz ist wichtig. In letzter Zeit scheint kaum ein Tag zu vergehen, ohne eine Nachricht über einen Brand in einem Altenpflegeheim. War das schon immer so? Es ist, als ob diese Meldungen häufiger würden – oder vielleicht nehme ich sie einfach bewusster wahr. Doch jedes Mal fühle ich mich betroffen, denn hinter jeder Schlagzeile stehen Menschen, die im Alter Sicherheit und Geborgenheit suchen. Oft stecken ganz alltägliche Gründe hinter den Bränden: veraltete oder defekte Elektrogeräte, eine überlastete Steckdose oder eine unbeaufsichtigte Kerze. Pflegeheime sind besonders anfällig, weil viele Bewohnerinnen und Bewohner in ihrer Mobilität eingeschränkt sind und in Notlagen nicht allein aus dem Zimmer kommen. Im Fall eines Brandes zählt jede Minute, aber eine schnelle Evakuierung ist für Pflegepersonal eine enorme Herausforderung, vor allem wenn viele Bewohner auf Unterstützung angewiesen sind.
Das Thema Rauchen ist heikel. Im Zimmer zu rauchen, ist zwar verboten – doch die Versuchung ist für manche groß. Schließlich ist das Zimmer für die Bewohnerinnen und Bewohner ein persönlicher Raum, der ihnen ein Stück Privatsphäre und Selbstbestimmung bietet. Dennoch bleibt Rauchen eine der großen Brandgefahren, gerade wenn jemand heimlich und unbeobachtet raucht und eine Zigarette unglücklich zu Boden oder auf die Bettdecke fällt. Die Balance zwischen Sicherheit und Selbstbestimmung ist schwierig und immer wieder Anlass für Diskussionen. Es wird viel über Möglichkeiten nachgedacht, wie man die Gefahr reduzieren könnte. Rauchmelder und Sprinkleranlagen gehören sicher dazu, doch solche Sicherheitssysteme fehlen in vielen Einrichtungen noch immer. Gerade bei älteren Gebäuden ist der Nachrüstungsbedarf groß, und für Pflegeheime, die ohnehin finanziell unter Druck stehen, sind solche Maßnahmen oft nur schwer zu stemmen.
Auch eine bessere Ausstattung und mehr Personal könnten die Sicherheit erhöhen. Doch in einem Bereich, der sowieso unter Personalmangel leidet, bleibt das eine schwierige Aufgabe. Manche Einrichtungen arbeiten mit regelmäßigen Schulungen für das Personal und Brandschutzübungen mit den Bewohnerinnen und Bewohnern, um in einem Notfall besser gewappnet zu sein. Das gibt den Mitarbeitenden Sicherheit und schafft Routine im Umgang mit Krisensituationen. Auch klar markierte Fluchtwege und festgelegte Rauchzonen könnten Risiken mindern und mehr Kontrolle schaffen. Am Ende bleibt das Thema Brandschutz in Altenpflegeheimen ein Balanceakt zwischen Selbstbestimmung der Bewohnerinnen und Bewohner und der Verantwortung, für eine sichere Umgebung zu sorgen. Es braucht noch viel Unterstützung, damit sich alle – zu Pflegende wie Pflegekräfte – wirklich geschützt fühlen können.
Mehr zum Thema Brandschutz lesen Sie in Altenheim 6/2023
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Sie haben noch kein Konto?
Jetzt registrieren