Blog

Altenpflege goes Social Media

Die Zukunft des vernetzten Austauschs. Warum die Pflegebranche die Kraft der sozialen Medien nutzen sollte, um die Altenpflege authentischer und transparenter zu gestalten.

Miriam Moser
Foto: Privat Miriam Moser, Digital-und Pflegepionierin, selbstständige Unternehmensberaterin im Digital Health Bereich, Beraterin und Workshopleitung sowie Dozentin an der AKAD-University.

Von Miriam Moser

Die Altenpflege wird häufig von einem verstaubten Image begleitet, das immer noch weit verbreitet ist. Doch auch im letzten Lebensabschnitt sollten älteren Menschen ein schönes Umfeld und neue Möglichkeiten geboten werden. Hier kommt die Kraft der sozialen Medien ins Spiel, und ich bin fest davon überzeugt, dass wir sie nutzen können, um die Altenpflege authentischer und transparenter zu gestalten.

In Deutschland sind allein 70,9 Millionen Menschen auf einer oder mehreren Social-Media-Plattformen aktiv. Doch die meisten nutzen diese Plattformen lediglich für private Zwecke. Es ist an der Zeit, dass auch Unternehmen und Organisationen in der Altenpflege den Mut haben, sich in die Welt der sozialen Medien zu begeben. Denn hier haben einzelne “Pflegeinfluencer” und sogar Patienten den Unternehmen einiges voraus. Ich denke beispielsweise an die berührenden Geschichten junger Patienten mit Krebs, die auf Plattformen wie TikTok geteilt werden und anderen Menschen als inspirierende Vorbilder dienen. In solchen Momenten wird die Kraft der Authentizität deutlich. Warum sollten wir diese Möglichkeit nicht auch für zukünftige Pflegeheimbewohner oder potenzielle Bewerber nutzen?

Wir wissen, dass viele Menschen auf Facebook nach Jobangeboten suchen und sich über verschiedene Anbieter informieren. Warum also nicht die Altenpflegeeinrichtungen auf diesen Plattformen präsentieren und ihnen authentische Einblicke gewähren? Auf diese Weise können wir Vorurteilen entgegenwirken und Sorgen bei zukünftigen Heimbewohnern und pflegenden Angehörigen nehmen.

Es ist wichtig zu verstehen, dass nur 9% der Menschen freiwillig ins Pflegeheim ziehen würden, wie von der Deutschen Stiftung Patientenschutz berichtet wurde. Natürlich wünscht sich jeder, bis zum Lebensende zuhause zu bleiben, aber das ist nicht immer möglich. Durch Social Media könnten wir jedoch einen besseren Einblick in diese oft angstbesetzte Zeit bieten und damit den Übergang erleichtern.

Die Erwartungen der Bewohner haben sich verändert. Sie möchten wissen, wie das Pflegeheim oder das Tageszentrum tatsächlich aussieht, wer dort arbeitet, wie der Alltag gestaltet ist und welche Angebote es gibt. Es ist an der Zeit, kompakte Informationen bereitzustellen, die nicht nur “rosarote Wolken” zeigen, sondern auch ernsthafte Diskussionen ermöglichen. Schließlich wissen wir nie, wer diese Informationen betrachtet.

Transparenz ist ein Schlüsselwort in der Altenpflege. Doch damit meine ich nicht, dass alle sofort ihr Handy einschalten und den ganzen Tag streamen sollen. Es geht darum, Einblicke zu gewähren, die schöne Momente wie Geburtstagsfeiern zeigen, aber auch ernste Themen wie den Tod ansprechen. Wir sollten die Ängste und Sorgen der Bewohner vor ihrem Einzug verstehen und ihnen eine Plattform bieten, um darüber zu sprechen.

Warum also nicht Menschen auf unterschiedliche Weise abholen? Gemeinsam können wir nicht nur junge Menschen für die Altenpflege begeistern, sondern auch die ältere Generation dabei unterstützen, in die neue digitale Welt einzutauchen. Die Pandemie hat deutlich gezeigt, dass auch ältere Menschen ein wachsendes Interesse an digitaler Technologie haben und diese zunehmend nutzen möchten. Indem wir ihnen helfen und sie begleiten, können sie von den Möglichkeiten der Online-Angebote profitieren und aktiv am Austausch und der Vernetzung teilnehmen. Diese Erfahrungen zeigen, dass sowohl junge als auch ältere Menschen voneinander lernen können und dabei ein besseres Verständnis füreinander entwickeln. Durch die Unterstützung der jüngeren Generation können wir nicht nur tiefer in die Welt des anderen eintauchen, sondern auch Außenstehenden einen realistischeren Einblick in die Altenpflegewelt vermitteln und somit Vorurteile und verstaubte Klischees widerlegen.

Lasst uns gemeinsam die Welt der sozialen Medien auch in der Altenpflege entdecken und nutzen.