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“Alle externen Veranstaltungen sind abgesagt”

Das neuartige Virus SARS-CoV-2 breitet sich weltweit aus. Auch in Deutschland steigt die Zahl der Erkrankungs-Fälle. Ältere Menschen mit Vorerkrankungen gehören zur Risikogruppe für einen schweren Verlauf. Pflegeeinrichtungen müssen daher besonders streng auf die Einhaltung von Vorsichtsmaßnahmen achten.

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"Keine Gäste und Angehörige kommen mehr ins Heim", so Helmut Wallrafen, Geschäftsführer Sozial-Holding der Stadt Mönchengladbach. Foto: Volker Tietze

Herr Wallrafen, das Coronavirus ist auch in Deutschland angekommen, insbesondere NRW ist betroffen. Wie bereiten Sie Einrichtungen auf den Ausbruch des Virus vor, welche Schutzmaßnahmen haben Sie getroffen?
Unsere Einrichtungen, wie sicher die meisten Altenheime, haben durch NORO-Viren, MRSA und Clostridioides difficile so viele Vorerfahrung, dass Beschäftigte aller Berufsgruppen inklusive Raumpflege gut vorbereitet sind. Hilfsmittel jedweder Art haben wir bereits vor zwei Wochen (bevor die Hysterie ausbrach) noch zu halbwegs normalen Preisen besorgt. Auch wenn es selbstverständlich ist, haben wir nochmals Schulungen zur Hygiene in allen Bereichen durchgeführt und die Standorte von Händedesinfektionsmitteln deutlich erweitert.

Wie lassen sich diese Hygienemaßnahmen bei multimorbiden Bewohnern oder demenziell erkrankten Menschen sicherstellen?
Das ist nicht immer einfach, aber je genauer unser Personal geschult ist, desto besser gelingt es, die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen durchzuführen. Unsere "Gefahren" sind ja nicht im Heim, sie werden gegebenenfalls ins Heim getragen und erst dann haben wir die Probleme. Stand heute (3.3.2020) haben wir keinen einzigen Fall bei Bewohner/innen und Beschäftigten. Allerdings wurden heute im Nachbarkreis die Altenheime "abgesperrt" und keine Gäste und Angehörigen kommen mehr ins Heim.

Was ist beim Umgang mit Besuchern in der Pflegeeinrichtung zu beachten?
Wir haben alle externen Veranstaltungen in unseren Heimen abgesagt und unser Personal nimmt an keinen externen Veranstaltungen außerhalb unserer Einrichtungen teil. Diese Regelung gilt zunächst bis Ende März. Die Einzelbesucher, Angehörigen, auch Personal von Krankenwagen, etc. werden strikt angewiesen die notwendigen hygienischen Maßnahmen durchzuführen, bevor sie die Bereiche betreten. Handwerker z.B. werden von unseren Hausmeister/innen am Eingang abgeholt, in die Hygiene eingewiesen und beginnen dann erst ihre Arbeiten.

Veranstaltungen, Angehörigenabende etc. sind aber vorerst gestrichen?
Wie schon gesagt sind die Termine abgesagt. Wir setzen aber – wo möglich – übergangsweise auf verschriftete Kommunikation, da wir ja nicht absichtlich keine Kontakte wollen. Wir bedauern dies sehr, halten aber die Gesundheit unserer Bewohner/innen für wichtiger.

Wie sieht ihr Plan für den Ernstfall aus – sprich, wenn ein Bewohner tatsächlich erkrankt ist?
Dann greift unser Pandemie-Plan, den es immer gibt und der mit Ausbruch der Corona-Epidemie angepasst wurde und durch unseren täglichen Krisenstab – falls nötig oder möglich – angepasst wird.

Auch mit Blick auf die Mitarbeiter könnten die nächsten Monate schwer werden. Wie sieht hier Ihr Notfallkonzept mit Blick auf das Personalmanagement aus, sollten Mitarbeiter erkranken?
Wir haben äußerst engagierte Mitarbeiter/innen, die wir aber auch sorgsam schützen und teilweise (zum Beispiel bei intensivem Husten) auch nach Hause schicken. Natürlich mit Lohnfortzahlung. Wir haben eine intensive Zusammenarbeit mit einem Ärztehaus, wo wir als Sozial-Holding Leistungen bekommen und natürlich bezahlen, die ausschließlich unseren Beschäftigten dienen und natürlich datenschutzrechtlich klar geregelt sind, sodass der Beschäftigte den Service nutzen kann, aber sie/er alleine die Rückmeldung vom Ärztehaus. Mir ist aber sehr wichtig, auch einem Fachjournal noch einmal deutlich zu sagen, so wie ich es schon unseren Lokalmedien gesagt habe: Es ist interessant zu lesen, wie Kindergärten und Schulen geschlossen werden "zum Schutz aller" und mit keinem Wort habe ich bis heute irgendwo gelesen, dass unsere Beschäftigten doch "die Heldinnen und Helden" sind. Was würde denn passieren, wenn wir auch alle vorsorglich zu Hause bleiben würden? Es wäre ja ein kleiner Erfolg, wenn diese aktuelle Herausforderung etwas am Image unserer bundesdeutschen Altenpflege und dem doch so überwiegend tollen Personal bringen würde.

Interview: Steve Schrader

Hintergrund: Die Altenheime GmbH ist die größte Tochtergesellschaft der Sozial-Holding und Träger der sieben Städtischen Altenheime an sechs Standorten. Über das Stadtgebiet verteilt bietet sie insgesamt 605 Plätze zur stationären Pflege und Betreuung.