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Sachsen-Anhalt: LIGA warnt vor wachsender Lücke zwischen Bedarf und Finanzierung
220.000 Pflegebedürftige bis 2040, steigende Eigenanteile, wachsender Druck auf Angehörige: Die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege verknüpft ihre pflegepolitischen Forderungen mit der Landtagswahl am 6. September. In den Umfragen führt die vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD mit deutlichem Abstand.
Nach Angaben der LIGA wird die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Sachsen-Anhalt bis 2040 voraussichtlich auf 220.000 steigen – rund zwölf Prozent der Bevölkerung. Parallel wachsen die Eigenanteile: Der Verband beziffert sie inzwischen auf etwa 2.700 Euro, mit steigender Tendenz. Für die Wohlfahrtsverbände mit ihren Pflegeeinrichtungen hat das Thema entsprechend hohe Dringlichkeit.
Marcel Kabel, Referent für Altenhilfe und Pflege beim Paritätischen Landesverband, bezeichnet die Lage als „herausfordernd“ und lehnt Beschönigungen ab. Er plädiert dafür, Pflegeversicherung anders zu denken – über individuell zugeschnittene Hilfssettings statt Standardlösungen – und die Bürokratie auf ein Minimum zurückzuführen.
Dr. Liane Czerwinski, Fachbereichsleitung Pflege und Senioren beim AWO-Kreisverband Wittenberg, nennt die Bearbeitungsdauer von Anträgen als konkretes Beispiel: Nur bei schnellerer Bearbeitung lasse sich früh genug unterstützen, damit das Schonvermögen der Bewohner:innen bei diesen bleibe. Vor einer strengeren Einstufung in Pflegegrade warnt sie ausdrücklich. Pflegende Angehörige deckten faktisch bereits einen höheren Pflegegrad mit ab; werde die Einstufung verschärft, wachse die Gefahr, dass Pflegebedürftige Tätigkeiten wieder selbst übernehmen und sich dabei verletzen. Die Problemlage sei in der Pflege überall ähnlich.
Die LIGA benennt fünf Punkte für eine aus ihrer Sicht würdevolle Pflege:
- landesseitige Beteiligung an den Investitionskosten
- Finanzierung der Ausbildungskosten über Steuern
- Dynamisierung der Sachleistungen der Pflegeversicherung
- finanzielle Absicherung pflegender Angehöriger
- Förderung eines langfristigen Quartiersmanagements
Als Maßstab formuliert der Verband, dass jeder pflegebedürftige Mensch wohnortnah, bezahlbar und bedarfsgerecht Hilfe erhalten müsse. Leistungen der Hilfe zur Pflege nach SGB XII seien zeitnah zu gewähren, pflegende Angehörige zu entlasten, Fachkräfte zu gewinnen und zu halten.
Die Pflegeforderungen sind Teil einer Kampagne. Die LIGA hatte im Mai ihr gemeinsames Positionspapier zur Landtagswahl 2026 veröffentlicht. Vom 20. Juli bis 30. August folgen Aktionswochen zu je einem Arbeitsfeld: Migration, Altenhilfe und Pflege, Teilhabe und Inklusion, Kinder- und Jugendhilfe, Freiwilligendienste sowie Beratungsdienste. Die Podcast-Folge mit Czerwinski und Kabel, moderiert von Frieder Weigmann, bildet den zweiten Themenblock; die Beiträge sind neben der Kampagnenseite auch bei Apple Podcasts und Spotify abrufbar.
Die LIGA stellt selbst die Frage, ob die Wahl am 6. September eine „Schicksalswahl“ werde. Das Motto richtet sich sowohl an Wählende als auch an Kandidierende und bündelt Empfehlungen und Erwartungen für sozialen Zusammenhalt. Das Portal „Du bist Halle“ ordnet die Initiative als Reaktion auf ein aufgeheiztes gesellschaftliches Klima ein, in dem Migration und Teilhabe die Debatte prägen.
Eine namentliche Positionierung gegen einzelne Parteien enthalten die veröffentlichten LIGA-Materialien nicht. Der Verband argumentiert ausschließlich über das Leitbild sozialen Zusammenhalts – die Zuspitzung auf konkrete Wahloptionen überlässt er den Leser:innen.
Zur LIGA gehören sechs Spitzenverbände: AWO Sachsen-Anhalt, Caritasverband für das Bistum Magdeburg, Der Paritätische Sachsen-Anhalt, DRK-Landesverband Sachsen-Anhalt, Diakonie Mitteldeutschland und der Landesverband Jüdischer Gemeinden Sachsen-Anhalt. Nach eigenen Angaben engagieren sich unter ihrem Dach rund 30.000 Ehrenamtliche und mehr als 65.000 Hauptamtliche in über 3.600 Einrichtungen und Diensten – von Pflegeheimen, Beratungsstellen und Krankenhäusern über Kitas und Jugendhilfe bis zu Angeboten für Menschen mit Behinderungen und Migrant:innen. (ck)
Positionspapier, Podcast-Folgen und weitere Beiträge der Aktionswochen: www.menschlichkeitwaehlen.de
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