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GKV-Mehrkostenbericht: Vier von fünf Hilfsmittelversorgungen bleiben ohne Zuzahlung

Der achte Mehrkostenbericht des GKV-Spitzenverbandes bestätigt: Rund 78 Prozent aller Hilfsmittelversorgungen erfolgten 2025 ohne zusätzliche Kosten für Versicherte. Gleichzeitig steigen die Mehrkosten je Fall stärker als die GKV-Ausgaben. Der BVMed warnt vor pauschalen Sparmaßnahmen und sieht die Versorgungsstrukturen in Gefahr. Was die Zahlen für die Pflege bedeuten.

Foto: BVMed

Laut dem achten Mehrkostenbericht des GKV-Spitzenverbandes wurden im Jahr 2025 rund 31,9 Millionen Hilfsmittelversorgungen durchgeführt – ein Plus von knapp 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die GKV-Leistungsausgaben für Hilfsmittel stiegen dabei auf 12,12 Milliarden Euro, was einem Zuwachs von rund fünf Prozent entspricht. Der Anteil mehrkostenfreier Versorgungen lag bei 77,69 Prozent und ist damit seit Beginn der Datenerhebung 2019 weitgehend stabil geblieben.

Allerdings zeigt der Bericht im Detail eine leicht steigende Tendenz bei den Mehrkostenfällen: Ihr Anteil kletterte von 20,04 Prozent im Jahr 2019 auf 22,31 Prozent im Jahr 2025. In absoluten Zahlen fielen in etwa 7,1 Millionen Versorgungsfällen Mehrkosten an. Die Gesamtsumme der von Versicherten getragenen Mehrkosten belief sich auf rund 1,13 Milliarden Euro – ein Anstieg von knapp 8,8 Prozent gegenüber 2024. Damit wachsen die Mehrkosten deutlich schneller als die GKV-Leistungsausgaben.

Hörhilfen dominieren das Mehrkostenvolumen

Die durchschnittlichen Mehrkosten je Mehrkostenfall erhöhten sich laut Bericht um 9,91 Euro auf 158,61 Euro. Ohne die Produktgruppe Hörhilfen lagen sie bei lediglich 64,50 Euro. Denn Hörhilfen verursachen mit durchschnittlich 1.657 Euro je Mehrkostenfall das mit Abstand höchste Volumen und machen allein rund 62 Prozent aller geleisteten Mehrkosten aus – bei nur sechs Prozent der Mehrkostenfälle.

Insgesamt konzentrieren sich laut GKV-Spitzenverband 96 Prozent aller Mehrkostenfälle auf nur acht Produktgruppen: Einlagen (36 Prozent der Mehrkostenfälle), Kompressionstherapie (15 Prozent), Inkontinenzhilfen (11 Prozent), Bandagen (9 Prozent), Sehhilfen (8 Prozent), Orthesen/Schienen (7 Prozent), Hörhilfen (6 Prozent) und Gehhilfen (4 Prozent). Bei 29 von 39 Produktgruppen lag der Mehrkostenanteil unter fünf Prozent, bei 17 sogar unter einem Prozent.

BVMed: Hilfsmittel sind kein Kostentreiber

Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) ordnet die Zahlen politisch ein: Auf den gesamten Hilfsmittelbereich entfielen weniger als vier Prozent der GKV-Leistungsausgaben – bei rund 32 Millionen Versorgungen im Jahr, so der Verband. BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll betont, Hilfsmittel leisteten einen zentralen Beitrag zur Ambulantisierung der Gesundheitsversorgung und ermöglichten gesellschaftliche Teilhabe. Wohnortnahe Versorgungsstrukturen müssten gestärkt und den Leistungserbringer:innen verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen geboten werden.

Laut BVMed umfasse eine qualitativ hochwertige Hilfsmittelversorgung weit mehr als die Bereitstellung eines Produkts: Individuelle Beratung, bedarfsgerechte Anpassung, Einweisung von Patient:innen, Angehörigen und Pflegefachpersonen sowie Reparaturen und langfristige Begleitung seien entscheidend für den Versorgungserfolg.

Warnung vor dem Drei-Prozent-Abschlag

Besonders kritisch sieht der BVMed den im GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vorgesehenen pauschalen Abschlag von drei Prozent je Hilfsmittelversorgung für die Jahre 2027 und 2028. Dieser treffe nicht nur die Produkte, sondern ebenso die damit verbundenen Dienstleistungen, warnt der Verband.

BVMed-Hilfsmittelexpertin Juliane Pohl erklärt laut Pressemitteilung des Verbands, die Schere zwischen den tatsächlichen Kosten und den Vergütungen in der Hilfsmittelversorgung gehe weiter auseinander. Preissteigerungen bei Personal, Rohstoffen, Energie, Transport und Digitalisierung sowie zusätzliche Anforderungen an Dokumentation und Qualitätssicherung würden vielfach nicht ausgeglichen. Auch eine Rückkehr zu Ausschreibungen bei Hilfsmitteln lehnt der BVMed ab: Diese hätten in der Vergangenheit keine nachhaltigen Einsparungen gebracht, zugleich aber die Versorgungsqualität gefährdet.

Was der Bericht nicht zeigt

Der GKV-Spitzenverband selbst weist auf methodische Grenzen hin: Die Daten erlauben keine Aussagen darüber, ob Mehrkostenzahlungen im Einzelfall sachlich gerechtfertigt oder vermeidbar waren. Auch ob Versicherte ihre Mehrkostenentscheidungen informiert und bewusst getroffen haben, lässt sich laut Bericht nicht beurteilen. Zudem können unterschiedliche Abrechnungspraktiken der Leistungserbringer:innen – etwa die fehlerhafte Ausweisung von Zuzahlungen oder Eigenanteilen als Mehrkosten – die Ergebnisse verzerren. (ck)

Der vollständige achte Mehrkostenbericht steht auf der Website des GKV-Spitzenverbandes zum Download bereit.