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Johannesstift Diakonie mit positiven Betriebsergebnis: „Das war keineswegs selbstverständlich“

Die Johannesstift Diakonie hat ihre Berliner Diakoniestationen in „Ambulante Pflege Johannesstift Diakonie“ umbenannt und ein zentrales Servicecenter Pflege eröffnet. In der Sparte Pflege & Wohnen stieg die Gesamtleistung 2025 auf 125,3 Mio. Euro – das operative Ergebnis brach jedoch wegen konzerninterner Zuschüsse ein. Digitalisierung und Fachkräftegewinnung bestimmen die Agenda.

Grafik: Johannesstift Diakonie

Die Johannesstift Diakonie (JSD) hat ihr Pflegegeschäft 2025 in mehreren Punkten neu aufgestellt. Seit Oktober firmieren die bisherigen Berliner Diakoniestationen unter dem Namen „Ambulante Pflege Johannesstift Diakonie“. Den Schritt begründet der Träger im Geschäftsbericht 2025 mit einer höheren Sichtbarkeit in der Hauptstadt; der Name solle für Verlässlichkeit, Nähe und Zukunftssicherheit stehen.

Ergänzend nahm ein Servicecenter Pflege den Betrieb auf. Es soll laut JSD als zentrale Anlaufstelle die Beratung rund um Pflegefragen bündeln – von der Suche nach einem Pflegeplatz bis zur Organisation häuslicher Unterstützung. Die Beratung sei kostenfrei, persönlich und unabhängig und solle Ratsuchenden die Orientierung im Pflegesystem erleichtern.

In der Sparte Pflege & Wohnen, in der die JSD nach eigenen Angaben sieben operative Gesellschaften führt, stieg die Gesamtleistung um 7,9 Prozent auf 125,3 Mio. Euro (Vorjahr: 116,1 Mio. Euro). Als Treiber nennt der Bericht höhere Erlöse aus Pflegesätzen sowie aus Unterkunft und Verpflegung. Die Sparte umfasst dabei nicht nur stationäre Angebote, sondern auch teilstationäre und ambulante Leistungen sowie die Hospizarbeit.

Das operative Ergebnis lief gegenläufig: Das EBITDA sank von 7,6 auf 3,1 Mio. Euro, die EBITDA-Marge fiel von 6,5 auf 2,5 Prozent. Ausschlaggebend war laut JSD vor allem der Wegfall eines konzerninternen Zuschusses von 2,0 Mio. Euro aus dem Vorjahr sowie die Zuführung von 1,5 Mio. Euro in den Transformationsfonds; beide Positionen wurden im Konzernergebnis herausgerechnet. Das Ergebnis nach Steuern der Sparte lag bei 2,1 Mio. Euro nach 6,3 Mio. Euro im Vorjahr.

Bei den Leistungen verzeichnete die Sparte einen leichten Rückgang. Die vollstationären Betreuungstage gingen auf rund 584.000 zurück (Vorjahr: rund 588.100), in der Tagespflege sank die Zahl um etwa 500 auf rund 18.500 Tage. Konzernweit weist die JSD 602.500 Pflegetage aus.

Digitale Dokumentation und Servicekonzept ausgeweitet

Als Entlastung im Pflegealltag nennt der Träger die Sprachassistenz-App voize, die seit 2025 in allen Einrichtungen von Pflege & Wohnen im Einsatz ist – nach der ersten Einführung 2023. Pflegekräfte erfassen ihre Dokumentation per Spracheingabe auf dem Smartphone; eine KI transkribiert das Gesagte in Echtzeit, ordnet es den passenden Dokumentationsfeldern zu und unterstützt bei Fachbegriffen. Nach Darstellung der JSD reduziert das doppelte Arbeitsschritte und verbessert die Datenqualität.

Auf die Pflege übertragen wurde 2025 zudem das seit über zehn Jahren zunächst in den Krankenhäusern etablierte Programm „Service & Zuwendung“, das die Erlebnisqualität der Bewohner:innen und Gäste stärken soll.

Fachkräfte: Leasing zurückfahren, international rekrutieren

Personalseitig verfolgt die JSD das Ziel, offene Stellen dauerhaft zu besetzen und den Einsatz von Personalleasing – insbesondere in der Pflege – zu reduzieren. Konzernweit beschäftigt der Träger 11.743 Mitarbeitende; 2025 kamen 343 zusätzliche hinzu. In der Fachkräftegewinnung setzt die JSD auf internationale Rekrutierung, unter anderem über ein Ausbildungsprojekt in Sachsen-Anhalt mit Partnern aus El Salvador sowie auf Pflegekräfte etwa von den Philippinen, aus Kamerun und Lateinamerika.

Zur Personalentwicklung verweist der Bericht auf das Potenzialentwicklungsprogramm Pflege (PEP), das 2025 sein zehnjähriges Bestehen feierte und aus dem seit dem Start mehr als 80 Projekte hervorgingen; 2026 soll es auf weitere Berufsfelder ausgerollt werden. Für mehr öffentliche Aufmerksamkeit kürte die JSD am Internationalen Tag der Pflege erstmals ein „Pflegewort des Jahres“ – aus rund 250 Vorschlägen und mit etwa 2.500 Teilnehmenden an der Abstimmung setzte sich „Mut zur Pflege“ durch.

Risiken: Auslastung, Pflegegradmix und Behörden

Für die weitere Entwicklung der stationären Einrichtungen benennt die JSD mehrere Risiken: Nachfrageschwankungen bei Pflegeplätzen, die Tendenz zu geringeren Pflegegraden bei Neubelegung, langwierige Pflegesatzverhandlungen sowie steigende Bearbeitungszeiten der Anträge auf Hilfe zur Pflege durch die Bezirksämter. Die Wirtschaftlichkeit hänge stark von Auslastung und Pflegegradmix ab. Gegensteuern will der Träger durch die Vernetzung stationärer, teilstationärer und ambulanter Bereiche sowie die Weiterentwicklung der Standortkonzepte.

Eingebettet ist die Pflege in einen insgesamt stabilen Konzernabschluss: Die Gesamtleistung stieg 2025 auf 966,4 Mio. Euro (Vorjahr: 865,0 Mio. Euro), das Ergebnis nach Steuern kletterte auf 23,0 Mio. Euro (Vorjahr: 13,2 Mio. Euro). Über alle Sparten hinweg vertrauten sich rund 400.000 Menschen den Angeboten des Trägers an.

„Trotz anhaltenden Kostendrucks, steigender Personalaufwendungen und tiefgreifender Reformen in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft ist es uns gelungen, unseren Leistungsumfang auszubauen und das Geschäftsjahr mit einem positiven Betriebsergebnis abzuschließen. Das war keineswegs selbstverständlich. Es ist das Ergebnis klarer strategischer Prioritäten und der konsequenten Umsetzung notwendiger Veränderungen“, so Andreas Mörsberger, Sprecher des Vorstandes und Vorstand Finanzen.(ck)

Weitere Informationen sowie den vollständigen Geschäftsbericht 2025 der Johannesstift Diakonie finden Sie unter www.jsd.de/gb2025.