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„Kein Nice-to-have“: Hauswirtschaft fordert klare Rolle im PNOG
Drei Hauswirtschaftsverbände kritisieren den Referentenentwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG) als zu kurz gegriffen. In Stellungnahmen warnen der Deutsche Hauswirtschaftsrat, die Deutsche Gesellschaft für Hauswirtschaft und der Berufsverband Hauswirtschaft vor einer Schwächung präventiver hauswirtschaftlicher Leistungen. Sie fordern, professionelle Hauswirtschaft im SGB XI als eigenständigen Versorgungsbereich zu verankern.
Der Deutsche Hauswirtschaftsrat (DHWiR) erklärt in seiner im Juni 2026 vorgelegten Stellungnahme, der Entwurf konzentriere sich überwiegend auf Leistungseinschränkungen, höhere Zugangshürden und finanzielle Entlastungen der Versicherungssysteme. Eine konsequente Stärkung präventiver hauswirtschaftlicher Versorgungsstrukturen, die Pflegebedürftigkeit vermeiden, verzögern oder verringern könnten, fehle. Hauswirtschaftliche Versorgung sei „kein freiwilliges Zusatzangebot und kein ‚Nice-to-have'“, sondern eine grundlegende Voraussetzung für Selbstständigkeit und den Verbleib in der eigenen Häuslichkeit.
Streichung des Entlastungsbetrags in der Kritik
Besonders kritisch bewerten die Verbände die geplante Streichung des Entlastungsbetrags nach § 45b im Leistungspaket für Pflegegrad 1. Nach Angaben des DHWiR hat dieser Betrag es Pflegebedürftigen ermöglicht, Hilfen zur Haushaltsführung legal zu finanzieren; der Wegfall lasse einen Anstieg der Schwarzmarktquote in diesem Arbeitsfeld erwarten.
Hauswirtschaft als Schutz vor Heimaufenthalten
Die Deutsche Gesellschaft für Hauswirtschaft (dgh) trägt die DHWiR-Position vollumfänglich mit und verweist auf Studien, wonach hauswirtschaftliche Unterstützung Heimaufenthalte hinauszögere, lange bevor körperlicher Pflegebedarf einsetze. Nach Angaben der dgh nennen die meisten Bewohnerinnen und Bewohner stationärer Einrichtungen Überforderung bei Alltagsanforderungen wie dem täglichen Einkauf als Hauptgrund für den Umzug. Ehrenamt und Nachbarschaftshilfe könnten die fachliche Versorgung nicht ersetzen, warnt der Verband.
Warnung vor Einsparungen bei Alltagsleistungen
Der Berufsverband Hauswirtschaft warnt davor, die finanzielle Stabilisierung der Pflegeversicherung zulasten hauswirtschaftlich geprägter Unterstützungsleistungen zu erreichen. Kurzfristige Einsparungen dürften nicht dazu führen, „dass Versorgung im Alltag wegbricht“, heißt es in der Stellungnahme. Gerade bei beginnender Pflegebedürftigkeit und in der Startphase neuer Pflegearrangements seien hauswirtschaftliche Leistungen entscheidend.
Der Verband fordert zudem, Digitalisierungs- und Innovationsförderung verbindlich auf hauswirtschaftliche Prozesse wie Speisenversorgung, Wäschelogistik, Reinigungsplanung und Hygienedokumentation auszuweiten. Hauswirtschaftliche Fach- und Führungskräfte seien bei Richtlinien, Empfehlungen und Modellvorhaben einzubeziehen.
Den Plan, die Rentenversicherungsbeiträge für Pflegepersonen auf 70 Prozent der bisherigen Werte zu reduzieren, lehnt der DHWiR entschieden ab. Sorgearbeit werde überwiegend von Frauen geleistet; eine weitere Schwächung der eigenständigen Alterssicherung sei „das falsche Signal, wenn der Verbleib in der eigenen Häuslichkeit gestärkt werden soll“.
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