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„Wertschätzung ist der Schlüssel und die Währung der neuen Zeit“
Das Thema Wertschätzung begegnet Mitarbeitenden und Führungskräften in der Altenpflege immer wieder. Wertschätzung ist laut Kathrin Hammer von der Akademie für Wertschätzung in sozialen Berufen (AWSB), „die Währung der neuen Zeit“. Welche Themen für sie auf der ALTENPFLEGE 2026 wichtig sind, erläutert sie vorab im Interview.
Warum ist Wertschätzung für Sie der zentrale Erfolgsfaktor in der Altenpflege?
Kathrin Hammer: Wertschätzung ist eine wohlwollende Haltung und der Gegenspieler zu Stressoren. Indem sie zwischen Mitmenschen eine Verbindung aufbaut, stärkt sie diese. Ein Mitarbeiter oder eine Fachkraft, die sich im Kollegenkreis beachtet und gesehen fühlt, entwickelt mehr Vertrauen und Loyalität zu Kolleg:Innen und Vorgesetzten. Die Kommunikation fließt besser und wird offener. Motivation nimmt zu und sogar Mobbing kann damit der Boden entzogen werden. Eine gute Kommunikation im Team spart Zeit und minimiert Fehler. Sind die Mitarbeitenden und Fachkräfte entspannt, so wirkt sich dies auf das gesamte Umfeld, also auch auf die zu Pflegenden aus. Alles läuft runder und in einem besseren Einvernehmen.
Wie lässt sich eine wertschätzende Haltung im Alltag tatsächlich leben?
Hammer: Eine wertschätzende Haltung kommt von innen. Es gibt aber Möglichkeiten, sie zu trainieren. Zum Beispiel die fünf Sprachen der Wertschätzung; diese sind: Worte der Anerkennung, Zeitzuwendung / aktives Zuhören, Hilfsbereitschaft, kleine Aufmerksamkeiten (materiell oder ideell), körperliche Gesten / Berührung. Ich selbst ergänze noch die Sprache von Vertrauen und Verantwortung übertragen, die gerade im sozialen Bereich sehr effektiv ist.
Zur Wertschätzung gehört auch, herauszufinden, was mein Gegenüber als wertschätzend empfindet, denn nicht jede oder jeder mag berührt werden, nicht jede oder jeder mag Pralinen. Wertschätzung ist zwar ein Bedürfnis eines jeden Menschen. Sie wird jedoch individuell empfunden. Es geht also darum, sein Gegenüber zu verstehen und damit macht man bereits den ersten Schritt auf den oder die andere zu, indem man sich für die Person interessiert, sich ihr zuwendet bzw. sich wohlwollend mit ihr befasst.
Sie bieten Einrichtungen an, sich als „Wertschätzender Arbeitgeber im sozialen Bereich“ zertifizieren zu lassen. Welche Kriterien müssen erfüllt sein, und wie profitieren Teams und Leitungskräfte davon?
Hammer: Für die Zertifizierung zum wertschätzenden Arbeitgeber im sozialen Bereich ist die grundsätzliche Haltung des Unternehmens oder der Einrichtung maßgeblich, genauer der Leitungsebene. Wir zertifizieren nicht, damit sich ein Unternehmen mit dem Siegel schmücken kann. Wir prüfen vorab, ob das Thema ein ernsthaftes Anliegen darstellt. Denn der Zertifizierungsprozess erfordert die Bereitschaft genau hinzusehen, wo es klemmt, weshalb die eine oder andere Blockade besteht, warum die Kommunikation nicht so fließt, wie sie sollte, etc.. Er erfordert auch die Bereitschaft von allen Unternehmensebenen, sich innerhalb der Projektgruppe auf Augenhöhe zu begegnen. Die Projektgruppe bildet sich nach dem Auftaktworkshop und der ersten Potenzialanalyse aus Freiwilligen. Sie durchläuft stellvertretend den Prozess und kommuniziert die Themen und Ergebnisse ins Kollegium.
In der Pflege ist Fluktuation eine große Herausforderung. Welche Rolle spielt Führungskultur – und wie können Führungskräfte lernen, Wertschätzung authentisch zu vermitteln?
Hammer: Wertschätzung ist wie Öl im Getriebe, um es reibungslos am Laufen zu halten. Kleine Aufmerksamkeiten, oftmals unerwartet oder im Vorbeigehen, können den ganzen Tag von Mitarbeitenden erheitern. Das verlangt nach aufrichtiger Wahrnehmung der Mitarbeitenden und trägt dann zu einem positiven und motivierenden Arbeitsklima bei.
Wertschätzung verlangt von Führungskräften zugleich nach Ehrlichkeit. Selbst ein noch so häufiges Lob bringt keine Wirkung mehr, wenn Führungskräfte ihre Teams am Rande der physischen und dann schnell auch psychischen Belastbarkeit führen. Hier wäre die Grenze von einer authentischen Wertschätzung zu ihrer Instrumentalisierung überschritten. Ehrlichkeit und Authentizität sind der Boden, auf dem Wertschätzung Wurzeln schlagen und wachsen kann. Sie kann in Dienstplänen, die für alle akzeptabel sind, Ausdruck finden oder in einem ehrlichen Feedback, in dem die Auffälligkeiten offen und lösungsorientiert ohne Schuldzuweisung angesprochen werden. Übrigens lernen die Teilnehmenden in unseren Kursen auch, dass Führungskräfte ebenfalls ein Bedürfnis nach Wertschätzung haben und wie sie damit aufrichtig umgehen können.
Führungskultur bedeutet sich seiner Handlungen und ihrer Wirkung auf die Mitarbeitenden und Teams bewusst zu sein. Sie erfordert Haltung, klare Kommunikation und eine offene Feedback-Kultur. Das kann auch zu schmerzhaften Entscheidungen führen. Allerdings hilft Wertschätzung mit ihrer wohlwollenden Haltung auch schwierige Entscheidungen so zu kommunizieren, dass sie für die Mitarbeitenden nachvollziehbar ist. Transparenz ist Wertschätzung. Konkret kann das bedeuten, sich von einer Person trennen zu müssen, wenn sie beispielsweise ein ganzes Team lähmt. Eine solche Entscheidung schafft Raum und Luft zum Atmen für alle: Das Team läuft dann nach einer Aufarbeitungsphase wieder rund und die ausscheidende Person erhält die Chance, für sich einen passenderen Wirkungskreis zu finden. Hier besteht die Wertschätzung in der nötigen Klarheit und Aufrichtigkeit.
Welche Botschaft möchten Sie den Besucher:innen der ALTENPFLEGE 2026 vermitteln – und was wünschen Sie sich für die Weiterentwicklung der Altenpflegebranche im Hinblick auf Arbeitsumfeld, Haltung und gesellschaftliche Anerkennung?
Hammer: Als Gründerin der Akademie für Wertschätzung in Sozialen Berufen schlägt mein Herz für die tausenden Mitarbeitenden und Führungskräfte in sozialen und pflegenden Einrichtungen. Ihnen will ich mit meinen Aus- und Fortbildungsangeboten zu der Anerkennung verhelfen, die sie mit ihrem Einsatz am Menschen verdienen. Wir unterstützen sie in einer wertschätzenden Haltung sich selbst und anderen gegenüber. Wertschätzung ist der Schlüssel. Schon längst geht es nicht mehr ums Geld allein. Das belegen mehrere Studien. Gründe für Jobwechsel liegen noch viel zu oft in einer mangelnden Wertschätzung. Sehr häufig wird diese gerade auch von den Führungskräften schmerzlich vermisst. Unsere Modulreihen machen den zeitlichen und finanziellen Aufwand für Führungskräfte überschaubar und beziehen sich mit Beispielen und praktischen Übungen konkret auf ihren Berufsalltag.
Wertschätzung wird meistens als ein Add-on missverstanden. Das ist eine kostspielige Falscheinschätzung. Ich wünsche mir, dass Wertschätzung als das erkannt wird, was sie ist: Ein Grundbedürfnis eines jeden Menschen. Und wie bei jedem Grundbedürfnis, das nicht berücksichtigt wird, führt mangelnde Wertschätzung zunächst zu Symptomen beim Einzelnen, dann zu Blockaden in Teams und damit schließlich zu einem erhöhten Zeitbedarf und höheren Kosten in der ganzen Einrichtung oder im Unternehmen. Dabei steht der Nutzen gelebter Wertschätzung in einem sehr lukrativen Verhältnis zu deren Zeit- und Kosteninvestment.
Ich bin mir sicher: Money follows Value. Im Fall von Wertschätzung heißt das: Sensibilisieren Sie Ihre Führungskräfte, deren Teams und Ihre Mitarbeitenden für das Grundbedürfnis Wertschätzung. Verankern Sie Wertschätzung nachhaltig in Ihrer Einrichtung. Schon mit den Einstiegsmodulen für Führungskräfte erreichen Sie eine bessere Kommunikation und Resilienz in Ihrem Team, Motivation und Loyalität; damit erhöhen Sie die Produktivität bei gleichzeitig geringerer Stressbelastung und Fehlzeiten, sorgen für ein gutes Arbeitsklima und zufriedene Kunden(stimmen). Das alles wirkt sich letztendlich messbar und positiv auf Ihre Bilanz aus.
Hier geht’s zur ALTENPFLEGE 2026
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