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Pflegebündnis warnt: Heime schließen, Pflege kollabiert

Zwei Pflegeheime in Mittelbaden schließen Ende des Jahres – das Pflegebündnis schlägt Alarm. Die Ursachen seien politisches Wegsehen, Unterfinanzierung und fehlende Mitsprache der Pflegeprofession. Mit einem Sieben-Punkte-Plan fordert das Bündnis sofortiges Handeln. Andernfalls droht laut Vorsitzendem Peter Koch „der endgültige Kollaps der Pflege“.

"Pflege stirbt nicht mit einem lauten Knall – sie stirbt leise, Stück für Stück. Wenn wir jetzt nicht handeln, stirbt sie endgültig", warnt Peter Koch, Vorsitzender des Pflegebündnisses Mittelbaden. Foto: Pflegebündnis Mittelbaden

Das Pflegebündnis Mittelbaden warnt eindringlich vor einem drohenden Kollaps der stationären Pflege. Hintergrund sind die angekündigten Schließungen des Erich-Burger-Heims in Bühl und des St. Hildegard-Heims in Seelbach zum Jahresende. Beide Einrichtungen gelten als tragende Säulen der regionalen Versorgung. „Für die Bewohnerinnen und Bewohner ist das eine Katastrophe. Für die Pflegekräfte bleibt nur Resignation“, heißt es in der Pressemitteilung des Bündnisses.

Peter Koch, Vorsitzender des Pflegebündnisses, bringt die Lage auf den Punkt: „Pflege stirbt nicht mit einem lauten Knall – sie stirbt leise, Stück für Stück. Wenn wir jetzt nicht handeln, stirbt sie endgültig.“ Die Ursachen für das sogenannte „Pflegeheimsterben“ seien seit Langem bekannt: ein dramatischer Fachkräftemangel, ein Investitionsstau aufgrund jahrzehntelanger Unterfinanzierung, überregulierende baurechtliche Vorgaben sowie das systematische Ausklammern der Pflegeprofession aus politischen Entscheidungsprozessen.

Ralf Pinkinelli, stellvertretender Vorsitzender, kritisiert: „Wir erleben ein strukturelles Wegsehen – alle reden über Pflege, aber niemand redet mit der Pflege.“ Tragfähige Lösungen seien unter diesen Bedingungen nicht möglich.

Um den Kollaps abzuwenden, stellt das Bündnis sieben konkrete Forderungen an die Landes- und Bundespolitik. An erster Stelle steht die rasche und wirksame Umsetzung eines Pflegekompetenzgesetzes, das der Berufsgruppe echte Entscheidungskompetenz einräumt – beispielsweise bei Ausbildungsfragen, Personalstandards und Versorgungskonzepten. „Pflege braucht eine eigene Stimme – kein weiteres beratendes Feigenblatt“, betont Koch.

Zudem müsse Pflege als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge anerkannt und eine Investitionsoffensive für bestehende Einrichtungen gestartet werden. Weitere Forderungen betreffen ein Moratorium für Schließungen nach der Landesheimbauverordnung, ein nationales Maßnahmenpaket zur Fachkräftesicherung sowie eine faire Refinanzierung tariflicher Löhne.

Marcus Jogerst-Ratzka, Bundesvorsitzender der Pflegegewerkschaft Bochumer Bund, der ebenfalls Mitglied im Pflegebündnis Mittelbaden ist, ergänzt: „Entgegen aller Beteuerungen und Versprechen, ist die Entlohnung von professionell Pflegenden immer noch nicht angemessen. Sie reicht nicht aus, um einen Sog in den Beruf auszulösen, der dringend notwendig wäre, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern und Dienstpläne nachhaltig zu stabilisieren!“

„Pflege ist das Rückgrat unserer alternden Gesellschaft“, sagt Koch. Doch solange sie strukturell unterversorgt bleibe, werde sich an der Abwärtsspirale nichts ändern. Abschließend richtet Pinkinelli einen Appell an die Politik: „Gebt der Pflegeprofession endlich Macht, Mittel und Mitsprache!“