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Strukturmodell: Entbürokratisierung hört nie auf

Vor 10 Jahren wurde das Strukturmodell zur Pflegedokumentation entwickelt, um die überbordende Pflegedokumentation einzudämmen. Das System wurde nun noch einmal überarbeitet.

„Wir empfehlen nach wie vor, das Strukturmodell umzusetzen“, erklärt Elisabeth Beikirch Foto: Daniel George/Vincentz Network

Welche eigenen Systeme Pflegeeinrichtungen entwickelt haben und was die Bayerischen Pflegebehörden tun, um die Einrichtungen bei der Verschlankung zu unterstützen, wurde am 9. April beim ALTENPFLEGE Messekongress präsentiert.

Vor 10 Jahren haben die meisten noch papiergestützt dokumentiert“, erklärte gleich zu Anfang Elisabeth Beikirch, vom Projektbüro EinSTEP. Das Büro wurde ins Leben gerufen, um das Strukturmodell in den Pflegeinrichtungen umzusetzen und fungiert als Ansprechpartner für die Heime und Pflegedienste. „Wir empfehlen nach wie vor, das Strukturmodell umzusetzen“, erklärte Beikirch. „Das Konzept des Strukturmodells und die vorliegenden Unterlagen bieten den Verantwortlichen im Pflege- und Qualitätsmanagement eine fachlich fundierte Grundlage zur Ausrichtung der Pflegedokumentation entsprechend dem Strukturmodell.“

Aktuell haben die Projektbeauftragten die Schulungsunterlagen zur Pflegedokumentation aktualisiert. In verschiedenen Plenumssitzungen hat sich das Expertengremium mit Fragen zu den pflegewissenschaftlichen Grundlagen des Strukturmodells, zu möglichen Anpassung sowie geänderten Begrifflichkeiten und zu wiederkehrenden Fragen und Problemstellungen aus der Praxis beschäftigt.

Einige Anpassungen im Überblick:

  • Der Aufbau und die Gliederung der Informations- und Schlungsunterlagen wurde gestrafft, konzeptionell in drei (Haupt) Kapitel gegliedert und um aktuelle Entwicklungen angepasst.
  • Inhaltliche Unklarheiten, z.B. in der Umsetzung zur Matrix in der SIS, zum Verfahren der Evaluation oder Klarstellungen zur einheitlichen Verwendung von Begriffen, wurden bearbeitet.
  • Insgesamt wurde bei der Überarbeitung der Texte von einer überwiegend EDV gestützten Pflegedokumentation in allen Versorgungsbereichen ausgegangen. Aspekte der Digitalisierung und künstlicher Intelligenz sind neu aufgenommen.

Stiftung entwickelt eigenes Dokumentationssystem

Die Paul Wilhelm von Keppler Stiftung, ein stationärer Träger mit 31 Pflegeeinrichtungen in Baden-Württemberg, hat 2015 begonnen, ein eigenes Pflegedokumentationssystem zu entwickeln. „Wir wollten unser Pflegeleitbild in die Pflegedokumentation einfließen lassen“, erklärte Stefan Werner, Referent für Pflegemanagement der Keppler Stiftung bei seinem Vortrag im Rahmen des Messekongresses. Die sogenannte „Keppler-Doku“ nutze dem Menschen, für/mit dem gearbeitet wird, trage zur Arbeitszufriedenheit und Arbeitserleichterung bei und zeige die tägliche gute Arbeit auf und gebe den Mitarbeitenden der Stiftung Sicherheit, so Werner. Die Care-ethischen Grundbegriffe der Keppler-Doku seien beziehungsgestaltend, person-zentriert sowie biographiegeleitet und situationsorientiert.

Zu den Unterschieden bei der Keppler Doku im Vergleich zum Strukturmodell, wies Stefan Werner auf das sogenannte Infoprotokoll hin, dass die vier SIS-Versionen ersetze. Das Protokoll gelte für alle Bereiche, auch bei gleichzeitiger Versorgung durch mehrere Bereiche.

„Uns interessiert nicht, was der MD sagt“

Durch diese Maßnahmen wollte die Keppler Stiftung zurück zum Zweck der Dokumentation, so Werner. „Uns interessiert nicht, was der MD sagt. Wir legen den Fokus auf die Menschen mit Unterstützungsbedarf“. Der fachlichen Einschätzung, ggf. in kollegialer Beratung, komme so eine große Bedeutung zu und den Mitarbeitenden kommen neue Rollen zu.

Landesbehörden unterstützen Entbürokratisierung

Auch die Landesbehörden im Freistaat Bayern wollen die Pflegeeinrichtungen bei der Verschlankung der Dokumentation unterstützen und haben dazu die Die bayerischeInitiative Klartext Pflegedokumentation (IKP) ins Leben gerufen. Diese ist eine Kooperation von Vertreterinnen der FQA (Heimaufsicht), des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit, Pflege und Prävention (StMgP), des MD Bayern sowie des Bayerischen Landesamtes für Pflege (LfP).

Dazu hat die Projektgruppe mögliche Ursachen übermäßiger Pflegedokumentation aus den Einrichtungsbesuchen in 2023 herausgestellt und diese den Kategorien Mensch, Material, Technik, Management, Methode und Mitwelt zugeordnet. „Unser Credo ist ‚Entlastung durch Aufklärung“, erklärte Kristina Holm vom LfP beim Messekongress. Man wolle vor allem bei den sogenannten „Mythen“ in Zusammenhang mit der Pflegedokumentation aufräumen. Diese seien z.B:

  • „Was nicht geschrieben ist, ist nicht gemacht.“
  • „Es wird nur für die Prüfbehörden dokumentiert.“
  • „Einzelfallentscheidungen werden für alle umgesetzt, um sich abzusichern.“
  • „SIS komplett fertig in sieben Tagen.“

Dazu habe es eine Online-Veranstaltungsreihe gegeben, an der die Pflegeeinrichtungen teilnehmen konnten. Außerdem habe es Schulungen und Auffrischungen zum Strukturmodell für die Prüferinnen und Prüfer von MD und Heimaufsicht gegeben.

Der ALTENPFLEGE Messekongress läuft noch heute und morgen im Rahmen der ALTENPFLEGE in Nürnberg.