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Thüringer Heime: Wartelisten so lang wie Anzahl an Plätzen
Der Personalmangel in der Pflege führt bei Thüringer Pflegeheimen vermehrt zu Aufnahmestopps und zur Reduzierung von Plätzen, sagt der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa).
„Auch in Thüringen kommt es zunehmend vor, dass Pflegeheime einen Belegungsstopp haben, weil sie manche Stellen nicht besetzen können“, sagte die Landesvorsitzende des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa), Margit Benkenstein. Es gebe einen „Versorgungsengpass“.
„Wir haben Berichte aus Pflegeheimen, die genau so viele Menschen auf der Warteliste haben, wie sie Plätze im Pflegeheim haben“, sagte Benkenstein. Natürlich ließen sich viele Pflegebedürftige auch auf mehrere Wartelisten setzen. Suche man sich nur ein Heim aus und sei die Warteliste lang, könne es schon mal ein Dreivierteljahr dauern.
Pflegebedürftige, die aus den Krankenhäusern entlassen werden, hätten manchmal keine Auswahl. „Sie müssen den einen Platz nehmen, der ihnen angeboten wird.“
Viele Pflegeheime lassen Plätze frei
Das Landesverwaltungsamt verzeichnete mit Stand Ende Juni 44 Einrichtungen, bei denen mindestens zehn Plätze nicht belegt waren. Das sei auffällig. Es sei sehr wahrscheinlich, dass Einrichtungen, in denen mehr als zehn Plätze frei seien, diese Plätze wegen der personellen Situation nicht mehr belegten, hieß es. Grundsätzlich seien die Heime aber nicht verpflichtet, solche freiwilligen Belegungsstopps zu melden.
Dazu gebe es immer mehr Einrichtungen, die gleich mit ihrer Platzzahl runtergingen und ihre Versorgungsverträge mit den Pflegekassen änderten. Im gesamten Jahr 2023 habe es lediglich sieben solcher Kapazitätsreduktionen gegeben. Im ersten Halbjahr 2024 seien es bereits 21 gewesen. Immer häufiger werde Personalmangel als Grund angegeben.
Die 330 Pflegeeinrichtungen in Thüringen müssen ihre Belegungszahlen nicht beim Landesverwaltungsamt melden, etwa zwei Drittel (223) taten es aber dennoch. Davon waren Ende Juni 62 voll ausgelastet, bei 55 weiteren waren nur ein bis zwei Plätze frei. Das sei völlig normal, wenn beispielsweise gerade ein Bewohner gestorben sei. Bei 62 Einrichtungen waren demnach zwischen zwei und zehn Plätze frei und bei 44 waren es zehn und mehr.
Empfehlung: Nicht auf den letzten Drücker entscheiden
Bpa-Landeschefin Benkenstein empfahl, sich frühzeitig mit dem Thema Pflegeheim auseinanderzusetzen. „Wenn sich die Menschen auf den letzten Drücker entscheiden, kann es eine große Belastung für die Angehörigen sein, wenn es nicht sofort klappt“, sagte sie.
In der Pflegebranche in Thüringen würden zwar jährlich im Schnitt 1.000 Stellen geschaffen. Zugleich suchten aber immer mehr Menschen nach professioneller Pflege. Die Gesellschaft altere und in Thüringen gebe es immer weniger Mehrgenerationen-Haushalte, wo Angehörige Pflegebedürftige leichter versorgen können. „Das führt zu einer Drucksituation.“
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