News

Pflegerats-Präsidentin Vogler fordert mehr Tempo bei Reformen

Die Präsidentin des Deutschen Pflegerats, Christine Vogler, sieht Fortschritte in der Pflegepolitik. Das Reformtempo sei aber zu gering, warnte Vogler im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Christine-Vogler_2021_DPR
Trotz aller Herausforderungen beobachtet Christine Vogler überall neue, gute Ideen. Foto: DPR

Die Arbeitssituation der Pflegekräfte ändere sich zu langsam. Pflegende Angehörige bräuchten mehr Unterstützung. Die Politik müsse Antworten geben auf den Mangel an stationären und ambulanten Pflegeangeboten und die zu erwartende Kostenexplosion.

Pflegekräfte zwischen Überzeugung und Frust

„Die Pflegekräfte schwanken zwischen der Überzeugung, dass ihr Beruf der richtige ist, und großer Frustration“, sagte Vogler dem epd. Zu den positiven Veränderungen zählten deutlich bessere Löhne und die geplante Ausweitung der Kompetenzen für Pflegekräfte. Vor Ort aber verbessere sich die Arbeitssituation kaum, und die Vereinheitlichung der Ausbildungen und Aufwertung des Berufs durch Studiengänge komme zu langsam voran.

Erst kürzlich hatte eine Befragung ergeben, dass viele junge Pflegekräfte mit ihrem Beruf hadern, obwohl sie ihn sinnstiftend finden.

Angehörige sichern die Versorgung ab

Pflegeheime müssten wegen Personalmangels längst die Aufnahme von alten Menschen einschränken. Es fehlten auch ambulante Dienste. Die Erhöhung des Pflegegelds für Angehörige sei zu gering und die Beantragung von Hilfen oft zu kompliziert, kritisierte Vogler und wies darauf hin, dass drei Millionen Menschen zu Hause gepflegt werden: „Die Angehörigen sichern die pflegerische Versorgung ab.“

Vogler forderte die Politik auf, auf die wachsenden Probleme zu reagieren: „Wir müssen uns ehrlich machen: Was kommt auf uns zu?“ Die Kosten der Pflege explodierten schon heute, warnte Vogler, und es werde künftig fast jeder damit konfrontiert sein, „entweder weil ich mehr Sozialabgaben zahlen muss oder weil ich jemanden zu Hause oder im Heim habe, den ich unterstützen muss“.

Viel Positives in herausfordernden Zeiten

Angesichts aller Herausforderungen werde sie sich weiter engagieren, sagte Vogler. Sie beobachte in der Zivilgesellschaft und auch unter den Pflegekräften selbst, dass es überall neue, gute Ideen gebe, die Anforderungen durch die Pflege alter Menschen besser zu verteilen und anders zu organisieren. „Eine Gesellschaft, die die Solidarität mit denen aufgibt, die pflegebedürftig sind, ist keine Gesellschaft, in der ich leben möchte“, sagte Vogler.