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Alte Menschen sind immer kürzer im Pflegeheim

Seit 2019 sind die Verweildauern in der stationären Altenhilfe kontinuierlich gesunken, so das Ergebnis einer bundesweiten Erhebung des Deutschen Caritasverbandes.

Gruppe Senioren mit Puzzle im Seniorenheim beim Spielen
Im Durchschnitt seien Bewohner:innen nur noch 25 Monate im Pflegeheim, so die Caritas. Foto: AdobeStock/Robert Kneschke

Jahrelang sei die durchschnittliche Lebenszeit, die pflegebedürftige Menschen in Einrichtungen der Altenhilfe verbringen, stabil geblieben. Das sei allerdings nicht mehr so, heißt es in einer Pressemitteilung der Caritas Deutschland. Das habe eine bundesweite Abfrage bei den Caritas-Trägern bestätigt. Beteiligt haben sich laut Pressemeldung 282 stationäre Einrichtungen.

Viele Bewohner:innen haben kognitive Einschränkungen

Die durchschnittliche Verweildauer der Bewohnerinnen und Bewohner ist demnach innerhalb von vier Jahren um drei Monate zurückgegangen, sie betrage nun 25 Monate. Fast die Hälfte der befragten Caritas-Altenhilfeeinrichtungen habe angegeben, dass der Anteil der Pflegebedürftigen, die bereits im ersten Jahr in der Einrichtung versterben bei über 30 Prozent liegt.

Deutlich weniger als die Hälfte der Einrichtungen meldeten, dass mehr als ein Drittel der Bewohnerinnen und Bewohner drei Jahre und länger in der Einrichtung lebt. Über 40 Prozent der Bewohner:innen, die mehr als drei Jahre in der Einrichtung lebten, seien demenziell erkrankt oder litten an ähnlichen kognitiven Einschränkungen.

„Hinter der Nebelwand der Corona-Belastungen hat sich in den letzten Jahren die Situation der Altenpflege einschneidend verändert“, so Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa.

Menschen möchten so lange wie möglich zu Hause leben

Dabei habe Corona selbst mit den Veränderungen wenig zu tun. Nur ein verschwindend kleiner Teil der Antworten bestätige, dass die mit Covid gewachsene Angst vor Ansteckung und Viren ursächlich für den späteren Umzug in die stationäre Einrichtung ist. Der Wunsch der alten Menschen, möglichst lange in den eigenen Wänden zu leben, werde hingegen als Grund für den späten Eintritt der Pflegebedürftigen in eine stationäre Einrichtung, am häufigsten genannt (255 Nennungen). Auch die Sorge vor hohen Eigenanteilen und dem Verzehr des Ersparten werde häufig bestätigt (218 Nennungen). Die Möglichkeit, durch ambulante Angebote zu Hause zurechtzukommen und die langen Wartelisten der Altenhilfeeinrichtungen in der Region seien weitere als einschlägig eingeschätzte Gründe.

Caritas plädiert für eine sorgende Gesellschaft

Die Personalknappheit werde dazu führen, dass Wartelisten in Altenhilfeeinrichtungen in Zukunft unvermeidlich sein werden, heißt es in der Pressemeldung weiter. Und: Der Wunsch der alten Menschen, so lange wie möglich zu Hause zu bleiben, müsse respektiert werden. Aus Caritas-Sicht braucht es daher dringend eine Offensive für die ambulante und teilstationäre Altenhilfe. „Wir können nicht warten, bis alle Babyboomer pflegebedürftig sind, bevor der Pflege-Turbo angeworfen wird. Der Anspruch einer ‚Zeitenwende‘ darf nicht nur auf Militärausgaben bezogen werden. Es braucht eine Zeitenwende für eine sorgende Gesellschaft“, so Welskop-Deffaa.

Unter anderem fordert die Caritas, die ambulante Pflege zu sichern und faire Bedingungen für die 24-Stunden-Pflege zu schaffen.