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Mutter wird 85: Ein Blick aufs Älterwerden und digitale Abenteuer

„Mutter wird 85 Jahre alt. Das ist ein Anlass zur Freude, aber auch zum Nachdenken über das Älterwerden in einer Zeit, die von Herausforderungen und Veränderungen geprägt ist“, so Elisabeth Scharfenberg. Ein Blick auf das Alter, Einsamkeit in der Pandemie und digitale Abenteuer.

Elisabeth Scharfenberg
Elisabeth Scharfenberg ist Pflegeexpertin. Von 2005 - 2017 war sie Mitglied des Deutschen Bundestags. Wie ist Ihre Meinung zum Thema? Schreiben Sie einen Kommentar unten in das Kommentarfeld! Foto: Michael Farkas

Von Elisabeth Scharfenberg

Mama ist eine erstaunliche Frau, die dem Alter mit einer bewundernswerten Entschlossenheit trotzt. Sie ist rüstig und energiegeladen, aber die Einsamkeit in der Corona-Pandemie hat sie schwer getroffen. Die Treffen mit Freunden, mit ihren zahlreichen Vereinen und die gemeinsamen Aktivitäten, die sie so liebt, sind weggefallen. Doch sie lässt sich nicht unterkriegen.

Was mich manchmal überrascht, ist ihr Ehrgeiz mit den modernen Technologien. In einer Zeit, in der alles scheinbar nur noch im Internet stattfindet, hat sie sich der Digitalisierung gestellt. Von Recherchen im Internet zu allen möglichen Themen bis zu Onlinekonferenzen ihres Landfrauenvereins während der Pandemie – sie ist mittendrin. Die Digitalisierung ist eine echte Herausforderung für alte Menschen. Aber es ist bewundernswert, wie unsere Mutter sich dem Wandel anpasst.

Zum 80. Geburtstag haben wir ihr ein Tablet geschenkt, und seitdem hat sich ein reger WhatsApp-Verkehr entwickelt. Den Textnachrichten und Fotos sind die Entfernung zwischen Zürich, Berlin, dem Rhein-Main-Gebiet und Oberfranken total egal. Ein Klick und die Neuigkeiten haben ihr Ziel schon erreicht. Das Tablet, das anfangs eher wie ein Fremdkörper schien, ist nun zu einem Tor zu einer neuen Form der sozialen und familiären Verbundenheit geworden.

Die Pandemie hat gezeigt, wie wichtig digitale Kommunikation sein kann, besonders für ältere Menschen, die möglicherweise nicht mehr so mobil sind. Es eröffnet neue Möglichkeiten der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Mama hat das erkannt und sich der Technologie geöffnet, auch wenn es manchmal holprig ist und sie befürchtet mit einem falschen Klick das Internet zu löschen.

Wenn wir über die Zukunft nachdenken, sollten wir nicht nur über physische Pflege sprechen, sondern auch darüber, wie wir älteren Menschen helfen können, sich in der digitalen Welt zurechtzufinden. Es ist eine Herausforderung, aber es lohnt sich, ältere Menschen in die modernen Kommunikationsformen einzubeziehen, und sie so am täglichen Leben teilhaben zu lassen.

Der 85. Geburtstag meiner Mutter ist nicht nur eine Feier des Lebens, sondern auch eine Anerkennung ihrer Stärke und Anpassungsfähigkeit. Diesmal schenken wir ihr übrigens einen digitalen Bilderrahmen, auf den per Mail aktuelle Fotos gesendet werden können.