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Zwei Jahre Liebenau Boarding Center: Internationale Pflegekräfte von morgen begleiten

Die Stiftung Liebenau betreibt seit 2023 im ehemaligen Hotel Zeppelin in Friedrichshafen eine Unterkunft für angehende Pflegefachkräfte aus dem Ausland. Nach zwei Jahren zieht der Projektkoordinator eine überwiegend positive Bilanz – benennt aber auch die Grenzen des Konzepts.

Justin Luminarias, Charmagne Luganilla, Erika Jumawid, Cyrill Simborio und George Tubo sind im September 2025 von den Philippinen im Liebenau Boarding Center in Friedrichshafen angekommen. Unterstützt werden sie von Edwin Doloeras und Koordinator Rainer Schmalzried (v. li.). Foto: Stiftung Liebenau/Claudia Wörner

Der Fachkräftemangel in der deutschen Altenpflege ist gravierend, der demografische Wandel verschärft die Lage zusätzlich. Die Stiftung Liebenau hat darauf mit einem eigenen Ansatz reagiert: Vor zwei Jahren gründete sie in Friedrichshafen das Liebenau Boarding Center (LBC), eine Wohn- und Integrationseinrichtung speziell für internationale Pflegekräfte. Finanziell getragen wird das Projekt laut der Stiftung auch durch die Eugen und Irmgard Hahn Stiftung.

Ein ehemaliges Hotel als Anlaufstelle

Das LBC ist im ehemaligen Hotel Zeppelin untergebracht, das die Stiftung Liebenau im Herbst 2023 erworben hat. Auf drei Etagen stehen Einzel- und Doppelzimmer für insgesamt 37 Personen zur Verfügung. Seit dem Projektstart seien dort 50 Menschen angekommen, berichtet Koordinator Rainer Schmalzried. Derzeit leben laut Schmalzried 25 Personen im Haus. Die Aufenthaltsdauer variiert je nach Einsatzort zwischen einer Woche und einem Jahr.

Die Bewohnerinnen und Bewohner stammen hauptsächlich von den Philippinen, aber auch aus Indien, Ruanda, Benin und Kamerun. Sie arbeiten in Pflegeeinrichtungen der Stiftung Liebenau in Friedrichshafen, Immenstaad, Eriskirch, Oberteuringen, Ravensburg und Weingarten. Begleitet werden sie bis zur bestandenen Prüfung als Pflegefachkraft in Deutschland.

Bürokratie bündeln, Ankommen erleichtern

Für die Stiftung Liebenau biete das zentrale Wohnkonzept handfeste organisatorische Vorteile, erläutert Schmalzried. Gerade in den ersten Wochen nach der Ankunft ließen sich viele Schritte bündeln: Behördengänge, die Eröffnung eines Bankkontos, die Beantragung einer Steuernummer, der Abschluss eines Handyvertrags und die Anmeldung bei der Krankenkasse. All das werde koordiniert begleitet. Die angespannte Wohnungslage in der Bodenseeregion mache die gesicherte Unterkunft zusätzlich wertvoll. Seien die Grundbedürfnisse gedeckt, könnten sich die Menschen den Anforderungen von Arbeit, Schule und Sprache deutlich besser stellen, so Schmalzried.

Unterstützung erhält der Koordinator inzwischen von Edwin Doloeras, der im Frühjahr 2023 von den Philippinen nach Deutschland kam. Doloeras fungiert im LBC als sogenannter Kümmerer – ein Ansprechpartner nicht nur für seine Landsleute, sondern für Bewohnerinnen und Bewohner aller Nationalitäten. „Ich gehe zum Beispiel mit ihnen zur Bank oder zeige ihnen, wie der Müll getrennt wird“, schildert er seinen Alltag. Auch eine schwäbische Kehrwoche habe er im Haus eingeführt. Gemeinsame Ausflüge und Spaziergänge am Bodensee gehörten ebenfalls zum Programm – das helfe nicht zuletzt gegen Heimweh. Die Gemeinschaft im LBC sei im Grunde eine Ersatzfamilie, sagt Doloeras. An seine eigene Ankunft erinnert er sich noch gut: „Es war eine tolle Erfahrung, als wir am Flughafen mit einem Willkommensschild abgeholt wurden.“

Neuankömmlinge schätzen Struktur und kleine Gesten

Im September kam eine Gruppe von 29 Philippinerinnen und Philippinern im LBC an. Einer von ihnen ist George Tubo. „Es ist sehr hilfreich, wenn man bei der Ankunft eine Wohnung hat, jemanden, der einem mit den Dokumenten hilft und die Regeln hier in Deutschland erklärt“, sagt er. Auch Justin Luminarias, Charmagne Luganilla, Erika Jumawid und Cyrill Simborio äußern sich zufrieden. Die Lage des Hauses spiele dabei eine Rolle: Bahnhof, Bäcker und Supermarkt seien fußläufig erreichbar, berichtet Luminarias. Selbst vermeintliche Kleinigkeiten hinterlassen Eindruck. „Es war sehr schön, als bei meiner Ankunft bereits mein Name an der Tür stand“, erzählt Jumawid.

Sprachkenntnisse als zentrale Hürde

Für Schmalzried sind Sprachkenntnisse der entscheidende Faktor für eine gelingende Integration. Die angehenden Pflegekräfte kämen zwar mit dem Sprachniveau B2 nach Deutschland, doch das reiche in der Praxis häufig nicht aus. Die Stiftung Liebenau biete deshalb in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Friedrichshafen samstags einen zusätzlichen Sprachkurs an, der gezielt auf Pflegevokabular ausgerichtet sei. Auch die Neuankömmlinge selbst nennen bessere Deutschkenntnisse als eines ihrer wichtigsten Ziele. „Wir wollen unsere Ausbildung zur Pflegefachkraft abgeschlossen haben“, sagen die fünf übereinstimmend.

Nach zwei Jahren fällt Schmalzrieds Bilanz positiv aus: „Es ist auf jeden Fall ein Erfolgsprojekt.“ Zugleich betont er die Dimension der Aufgabe: „Aber es ist auch eine riesige Aufgabe, jemanden gut zu integrieren.“ Das LBC vergleicht er mit einem abfahrbereiten Zug, in den die angehenden Fachkräfte einsteigen könnten. Im Gegenzug werde erwartet, dass sie sich selbst engagieren. Die Stiftung Liebenau setzt damit auf ein Modell, das strukturierte Hilfe beim Ankommen mit klaren Erwartungen an Eigeninitiative verbindet – ein Ansatz, der angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels in der Pflege auch für andere Träger von Interesse sein dürfte.