News
Vorkämpferin für die Pflege geht in den Ruhestand
Pflege-Ikone Christel Bienstein verabschiedet sich nach zwölf Jahren als Präsidentin des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK) in den Ruhestand.
Wenn Pflegefachpersonen den Namen „Bienstein“ hören, klingelt es nicht nur berufspolitisch. Die Bienstein-Skala zur Einschätzung des Pneumonie-Risikos sowie die von ihr übersetzte und erweiterte Norton-Skala, mit der die Dekubitusgefahr eingeschätzt wird, kennen alle, die nach 1985 ihre Pflegeausbildung begonnen haben. Für die Übertragung des Konzepts der Basalen Stimulation auf die Pflege erhielt sie 2011 vom Deutschen Pflegerat den Deutschen Pflegepreis. Sie ist außerdem seit 2004 Trägerin des Bundesverdienstkreuzes, mit dem sie für ihre Verdienste um die Pflegewissenschaft ausgezeichnet wurde.
Der DBfK veranstaltete am 4. Juli zu ihren Ehren ein Fachsymposium mit dem Titel „Professionelle Pflegepraxis braucht Weiterentwicklung“, zu dem zahlreiche ihrer Weggefährt:innen nach Berlin gekommen waren. Franz Wagner, ehemaliger Bundesgeschäftsführer des DBfK, beschreibt Bienstein in seiner Laudatio als prominenteste Krankenschwester Deutschlands, die sich durch ihren „yes we can“-Optimismus auszeichne und immer die Frage nach der Wirkung für die Patient:innen im Fokus habe.
Theorie und Praxis in der Pflege verbinden
Die Verbindung von Theorie und Praxis in der Pflege waren für sie handlungsleitend. Dies wurde auch in den Vorträgen des Symposiums deutlich. Sabine Bartholomeyczik, Pflegewissenschaftlerin und langjährige Wegbegleiterin Biensteins, geht in ihrem Vortrag der schwierigen Entwicklung in der Akademisierung der Pflege auf den Grund. Andreas Büscher, Pflegewissenschaftler aus Osnabrück, stellt in seinem Vortrag die Bedeutung der DNQP-Expertenstandards für professionelles pflegerisches Handeln heraus und Elizabeth Tollenaere, Vorstandsmitglied des DBfK-Bundesverbands, plädiert für neue Wege im internationalen Austausch.
Nicht nur durch ihre Verdienste um die Pflegewissenschaft hat Christel Bienstein die Profession Pflege vorangebracht, sondern auch durch ihr unermüdliches berufspolitisches Engagement. Sie hat deutliche Verbesserungen der Rahmenbedingungen sowie für die Pflegeausbildung und die Akademisierung erzielt. Christel Bienstein erhob eine starke Stimme für die professionelle Pflege – aus Leidenschaft zum Beruf und aus Verantwortung den Menschen gegenüber, die Pflege benötigen. 2012 wurde sie zur Präsidentin des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe gewählt und trat nun nach zwölfjähriger Amtszeit zurück. Diese fasst sie in ihrem Rückblick kurz zusammen: „Es gab viel zu tun, einiges ist geschafft, manch Wichtiges ist noch nicht fertig.“ Sie erinnert an einige herausragende Erfolge – an die Einführung der generalistischen Ausbildung oder des Pflegebedürftigkeitsbegriffs, an den wenn auch langsamen Ausbau der Akademisierung oder die Forderungen der Profession, die im Koalitionsvertrag stehen. „Es hat sich gelohnt, dass wir Politik und Ministerien ständig in den Ohren gelegen haben“, schließt Bienstein.
Glücksfall für den Verband
Christel Bienstein hat nach ihrer Ausbildung zur Krankenschwester zunächst auf einer Intensivstation gearbeitet. Aufgrund einer Allergie musste sie den Beruf aufgeben und studierte Germanistik und Geschichte auf Lehramt sowie Diplompädagogik. Sie setzte ihre pflegerische Karriere dann als Lehrerin und später als Leitung im DBfK-Bildungszentrum in Essen fort. Von 1994 bis 2017 leitete sie das Department für Pflegewissenschaften an der Universität Witten/Herdecke.
In seiner Laudatio hebt Wagner Biensteins Bedeutung für die Profession Pflege und den Verband hervor: „Der DBfK verneigt sich mit dieser Veranstaltung vor dir, um Danke zu sagen – für deine Leistung, deine Ideen, deine Hartnäckigkeit, deinen Humor, deine Menschlichkeit. Du warst ein Glücksfall für den Verband.“
Zum Abschluss der Veranstaltung überreicht DBfK-Vizepräsidentin Katrin Havers die Ehrenmitgliedschaft im DBfK, die im Juni von der Delegiertenversammlung beschlossen wurde, an Christel Bienstein. Bienstein ist damit nach der kürzlich verstorbenen Ruth Schröck die zweite Trägerin dieser Auszeichnung.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Sie haben noch kein Konto?
Jetzt registrieren