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Vielfalt statt Einfalt: Wie Pflegeeinrichtungen internationale Fachkräfte gewinnen
Der Fachkräftemangel in der Altenpflege treibt immer mehr Träger dazu, Personal außerhalb Deutschlands zu rekrutieren. Vivantes und die Rummelsberger Diakonie setzen seit Jahren auf Pflegekräfte aus dem Ausland. Auf dem Messekongress zur ALTENPFLEGE 2026 zeigen beide Träger, wie systematische Anwerbung und gelebte Vielfalt dem Personalmangel begegnen sollen.
Vivantes – Forum für Senioren hat sich früh auf den Weg gemacht, Pflegefachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen und systematisch in die eigenen Strukturen zu integrieren. Seit 2019 spielt dabei auch die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse eine zentrale Rolle – mit dem klaren Ziel, die Qualität in den 19 Langzeit- und vier Kurzzeitpflegeeinrichtungen in den Berliner Bezirken langfristig zu sichern.
Vivantes: Persönliche Auswahl in acht Ländern
„Begonnen hat alles 2013 mit einem Pilotprojekt in Vietnam“, sagt Dr. René Herrmann, Geschäftsführer Vivantes – Forum für Senioren GmbH. „Mittlerweile hat sich das ausgeweitet auf Mexiko, Türkei, Brasilien, Kosovo, Philippinen und sogar Indien und Kolumbien. Wir fahren direkt in die Länder und suchen die Bewerbenden in einem persönlichen Auswahlverfahren aus.“
Seit 2024 sei eine Stabsstelle „Integrationsmanagement“ eingerichtet und dafür zwei Mitarbeitende eingestellt worden, die die zentrale Planung, Steuerung, Koordination und Evaluation des gesamten Prozesses übernehmen.
Ganz wichtig ist ihm die Auszeichnung durch das Gütesiegel „Faire Anwerbung Pflege Deutschland“, für das sich Vivantes sofort beworben hat. Und er gibt zu bedenken: „Die Bewerberinnen und Bewerber kommen nicht aus wirtschaftlich stabilen Verhältnissen. Es geht dabei immer auch um den familiären Background.“ Darum finden bei den regelmäßig stattfindenden Zoom-Meetings während der Sprachausbildung auch immer eine sogenannte Family Session statt, in die Angehörige einbezogen werden.
Rummelsberger Diakonie: Vielfalt als Personalstrategie
Was wäre, wenn wir den Fachkräftemangel nicht nur als Problem betrachten, sondern gleichzeitig als Chance? Als Chance, neue Wege zu gehen, Vielfalt aktiv zu gestalten und Menschen, die neu zu uns kommen, erfolgreich zu integrieren? Genau diesen Ansatz verfolgt die Rummelsberger Diakonie. Hier wird Vielfalt nicht als Herausforderung, sondern als zentraler Bestandteil der Personalstrategie verstanden – und konsequent im Alltag gelebt.
„Vielfalt ist keine Notlösung, sondern eine Ressource und Gestaltungsprinzip einer erfolgreichen Altenpflege“, betont Karl Schulz, Vorstand der Rummelsberger Diakonie und der Rummelsberger Dienste. In den mehr als 300 Einrichtungen sind 6.500 Mitarbeitende aus 80 Nationen mit 23 unterschiedlichen Glaubensrichtungen beschäftigt. Ein Grund dafür, dass im letzten Jahr die neue Abteilung „People & Culture“ ins Leben gerufen wurde.
Schulz beobachtet, dass diverse Teams resilienter, konfliktfähiger und kreativer arbeiten. Damit Vielfalt funktioniere, müsse sie professionell gestaltet werden. Aus seiner Erfahrung benennt er fünf zentrale Punkte: Bei der Gewinnung sei Ehrlichkeit vor der Ankunft entscheidend, um spätere Abbrüche zu vermeiden. Das Onboarding müsse kultursensibel erfolgen und Orientierung statt Überforderung bieten. Sprache sei der Schlüssel zur Integration – auch unter Nutzung digitaler Werkzeuge, um berufliche Handlungsfähigkeit zu erreichen. Der eigentliche Engpass liege nicht in der Gewinnung, sondern im Bleiben; Integration betreffe daher nicht nur die neuen Mitarbeitenden, sondern die gesamten Teams. Und schließlich brauche es Perspektiven: Wer keine sehe, gehe – unabhängig von der Herkunft.
„Es ist ein gemeinsames ständiges Arbeiten an der Kultur im Unternehmen – letztendlich ist es eine Haltung“, fasst Schulz zusammen.
Von Ina Füllkrug
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