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Suizidrate bei Älteren stark gestiegen

Die Suizidrate bei über 65‑Jährigen ist seit 2020 um 30 Prozent gestiegen. Die Caritas sieht Pflegebedürftigkeit, Einsamkeit und fehlende Schutzkonzepte in der Altenhilfe als zentrale Risikofaktoren – und fordert ein Suizidpräventionsgesetz sowie klare Grenzen für Suizidassistenz.

Seniorin im Rollstuhl schaut aus dem Fenster
Die Suizidrate bei älteren Menschen ist deutlich gestiegen – ein oft übersehenes gesellschaftliches Problem. Foto: didesign/AdobeStock

Die vom Caritasverband veröffentlichten Zahlen zeichnen ein besorgniserregendes Bild der Suizidsituation in Deutschland. Besonders auffällig ist laut dem Verband die Entwicklung bei älteren Menschen: In der Altersgruppe über 65 Jahren sei die Zahl der assistierten Suizide besonders hoch. Es seien hier vor allem Frauen, die Suizidassistenz in Anspruch nähmen.

Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa sieht darin ein gesellschaftliches Warnsignal. Die Zahlen seien „Ausdruck einer Kultur, in der Lebensmut immer enger an Leistungsfähigkeit gekoppelt ist“, so Welskop-Deffaa. Gerade Frauen, die lebenslang Pflegeverantwortung getragen hätten, seien offenbar von der Angst getrieben, anderen zur Last zu fallen. Angebote der Suizidassistenz erzeugten bei ihnen den Druck, sich mit der Frage auseinandersetzen zu müssen, ob das eigene Leben noch lebenswert sei.

Caritas will Werbeverbot für Suizidassistenz

Der Deutsche Caritasverband fordert den Bundestag auf, noch 2026 ein Suizidpräventionsgesetz zu verabschieden. Im Zentrum der Forderungen steht eine umfassende Methodenrestriktion. Diese solle laut dem Verband nicht nur den Zugang zu sogenannten Hotspots an Bahngleisen, Brücken und Türmen durch Zäune beschränken. Ebenso wichtig seien Zugangsbeschränkungen zu tödlichen Arzneimitteln.

Darüber hinaus fordert der Caritasverband „Zäune“ um die Suizidassistenz selbst. Das Angebot der Sterbehilfe dürfe Menschen nicht schneller erreichen als Hilfen, die ein Weiterleben erstrebenswert erscheinen ließen. Konkret setzt sich der Verband für ein Werbeverbot für Suizidassistenz-Angebote ein.

„Menschen, die nicht mehr leben wollen, brauchen zuerst einmal jemanden, der ihnen zuhört und nach den Ursachen ihres Todeswunsches fragt“, erklärt Welskop-Deffaa. Die Forschung zeige, dass ein Suizidwunsch oft verschwinde, wenn sich Menschen gehört fühlten.

Verband fordert Ausbau niedrigschwelliger Hilfsangebote

Der Caritasverband betont, dass Motive, Gefahrenlagen und Methoden des Suizids sich je nach Alter, Geschlecht und Lebenslage unterschieden. Zielgruppenspezifische Angebote seien daher unabdingbar, um zu verhindern, dass Suizid als einziger Ausweg erscheine und Nachahmungseffekte provoziert würden.

Als Beispiel für ein wirksames niedrigschwelliges Angebot nennt der Verband die Peer-to-Peer-Online-Beratung U25 für junge Menschen. Solche Angebote müssten ausgebaut und in die Regelfinanzierung überführt werden.

Welskop-Deffaa fordert zudem verstärkte Anstrengungen gegen Einsamkeit und einen Schutzgedanken in der Altenhilfe bei Pflegebedürftigkeit. In der „medial inszenierten Turbo-Leistungsgesellschaft“ gelte es, individuelle Grenzen anzuerkennen und Räume des Miteinanders in allen Altersgruppen zu schaffen. Suizide würfen lange Schatten auf das Leben von Angehörigen und Fremden – umso wichtiger sei es, Suizidgefahren rechtzeitig zu erkennen.