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Sterbenskranke warten oft vergeblich auf einen Platz im Hospiz

Oft führen Hospize lange Wartelisten, auch wegen vieler Mehrfachanfragen. Kurzfristige Aufnahmen Sterbender sind vielfach unmöglich. Fachleute fordern mehr Aufklärung über die Einrichtungen, wo letzte Wünsche erfüllt werden, gelebt und gelacht wird. Auch eine bessere hospizliche Versorgung in Pflegeheimen wird gefordert.

Wenn Angehörige kurzfristig einen Hospizplatz suchen, ist das eine Herausforderung. Denn viele Hospize haben lange Wartelisten und können selten akut reagieren. (Symbolbild) Foto: natasa/AdoebStock

Viele Menschen, sagt Bettina Orlando, dächten, dass in ihrer Einrichtung nur vor Schmerz gestöhnt und gestorben werde. Doch diese Vorstellung sei schrecklich – und auch schrecklich falsch, sagt die Geschäftsführerin des Hospizes am Israelitischen Krankenhaus in Hamburg.

Hospize werden oft zu spät kontaktiert

Das sei eine Wissenslücke mit erheblichen Folgen, denn oft würden Hospize zu spät kontaktiert. Wenn Angehörige daheim plötzlich doch professionelle Hilfe brauchen, gebe es Probleme. Denn viele Hospize haben lange Wartelisten und können selten akut reagieren. Auf der Liste des 14-Betten-Hauses in Hamburg stehen aktuell 60 Namen.

Mehr Aufklärung nötig

Um die Situation sterbender Menschen in Deutschland grundsätzlich zu verbessern, wäre unbedingt mehr Aufklärung wichtig, sagt Orlando. Vor allem über den Charakter stationärer Hospize, Orte, wo letzte Wünsche erfüllt würden, wo auch gelacht und gelebt werde. Wäre das in der Öffentlichkeit bekannt, dann gäbe es keine langen Wartelisten, ist die Hamburger Hospizleiterin überzeugt.

Zahl der stationären Hospize hat sich in 30 Jahren fast verzehnfacht

Wer ins Hospiz darf, ist gesetzlich festgelegt. Dafür muss eine nicht mehr behandelbare Erkrankung sehr weit fortgeschritten sein. Benno Bolze, Geschäftsführer des Deutschen Hospiz- und Palliativverbands, bestätigt, dass kurzfristige Aufnahmen ins Hospiz bundesweit schwierig sein können. Aber: Nicht jeder, der auf der Warteliste stehe, müsse dringend ins Hospiz. Insgesamt stieg die Nachfrage, weil die Arbeit der Hospize bekannter geworden sei. Gleichzeitig wurde auch das Versorgungsnetz ausgedehnt: 1996 gab es bundesweit 30 stationäre Hospize für Erwachsene. Heute existieren rund 270.

Hospiz-Verantwortliche wünschen sich zentrales Anfrageregister

Markus Stera, Leiter des Hospizes „Klara“ in Marl mit zehn Plätzen, hält es für wichtig, Hospizgästen zu Lebensfreude zu verhelfen. Das gelinge, wie er am Beispiel einer 73-Jährigen schildert, die im Juli eineinhalb Wochen vor ihrem Tod noch einmal eine große Freude erlebte: Sie war per Rollstuhl im Zoo. Und fütterte eine Giraffe. Vor allem im Herbst und Winter ist die Nachfrage hoch: „Wir haben dann bis zu 50 Namen auf der Liste.“ Viele Fälle seien nicht akut. Zudem ließen sich Anfrager oft auch anderswo registrieren. Deshalb wünschen sich Hospiz-Verantwortliche ein zentrales Anfrageregister. Dann könnten sie sehen, wer sich wo angemeldet hat.

Laut Markus Höfler, Geschäftsführer des Hospizes im unterfränkischen Alzenau, haben die Wartelisten unterschiedliche Ursachen. So versuchten Kliniken, Schwerstkranke ins Hospiz zu verlegen, weil bei ihnen nicht gestorben werden solle. Außerdem geht er davon aus, dass ein Drittel der Anfragenden mehrfach angemeldet ist.

Abdeckung schwankt regional stark

Die Abdeckung mit Hospizen unterscheidet sich von Region zu Region. „In Hannover gibt es ausreichend Hospizplätze“, berichtet Verena Begemann von der Hochschule Hannover, Autorin des Buchs „Hospiz – Lehr- und Lernort des Lebens“. Allein in der Stadt Hannover existieren drei stationäre Hospize. In Unterfranken gibt es lediglich zwei, in Alzenau und Würzburg. In der unterfränkischen Rhön gibt es dagegen kein einziges Hospiz.

Entscheidung über Platzvergabe fällt schwer

Zu entscheiden, wer ins Hospiz darf, sei nicht leicht, berichtet Manuel Kahl, Pflegedienstleiter im Hospiz „Louise“ in Heidelberg: „Das Anfrage-Management stellt einen der komplexesten Prozesse im Hospiz dar.“ Die Heidelberger Einrichtung verfügt über acht Betten. Darauf bewerben sich durchschnittlich 600 Sterbenskranke pro Jahr: „120 werden aufgenommen.“ In vielen der restlichen 480 Fälle ist nach Kahls Worten unklar, ob ein echter Bedarf nach Sterbebegleitung vorliege.

Bessere hospizliche Versorgung in Pflegeheimen gefordert

Um die Situation für Menschen in der letzten Lebensphase zu verbessern, wäre laut Brigitte Gehle vom Hospiz in Gütersloh auch eine bessere hospizliche Versorgung im Pflegeheim nötig. Außerdem bräuchte es eine Art ambulante „Hospiz-Feuerwehr“, die in der Sterbephase zu den Patienten nach Hause kommt „und auch über Nacht bleibt“. Gehle sieht außerdem einen bundesweiten Bedarfsplan für stationäre Hospize als notwendig an. Weil es den nicht gebe, ballten sich an einigen Orten Hospize und machten sich gegenseitig Konkurrenz, während anderswo, wie in der Rhön, weiße Flecken existierten.

Passend dazu: Elisabeth König vom Christophorus St. Elisabeth-Stift Nottuln erklärt, wie ganzheitliche Palliativversorgung in der Altenpflege gelingen kann. Für das Konzept erhielt die Einrichtung den Pflegepreis 2025 in Nordrhein-Westfalen.