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Steigende Eigenanteile: Kritik an Politik nach neuen Zahlen
Die neuen Daten befeuern die Debatte: Der Eigenanteil steigt, die Wirtschaftlichkeit vieler Häuser steht unter Druck. AOK, Arbeitgeberverband Pflege und politische Opposition nennen kurzfristige Hebel – vom Umgang mit Investitionskosten bis zu Ausbildungspauschalen.
Nach aktuellen Zahlen des AOK-Bundesverbands vom Donnerstag kletterte der Betrag, den die Pflegebedürftigen im ersten Jahr des Heimaufenthalts selbst aufbringen müssen, zwischen Juni und Ende Dezember 2025 im Bundesdurchschnitt um 112 Euro auf monatlich 3.204 Euro. Eine ebenfalls am Donnerstag veröffentlichte Analyse des Verbands der Ersatzkassen bezifferte diesen Wert sogar auf 3.245 Euro.
Das sind 261 Euro mehr als ein Jahr zuvor. Besonders stark ist die Belastung in Bremen mit 3.637 Euro, während Bewohner in Sachsen-Anhalt mit 2.720 Euro am wenigsten zahlen.
Der AOK‑Bundesverband zeigte sich angesichts der Zahlen alarmiert. Nach eigenen Berechnungen seien die Eigenanteile bereits im zweiten Halbjahr 2025 stärker gestiegen als zuvor. AOK‑Chefin Carola Reimann forderte eine rasche Pflegereform und mahnte, die Länder müssten endlich ihrer Verantwortung bei der Finanzierung der Investitionskosten nachkommen, um die Belastungen für Pflegebedürftige zu begrenzen.
Auch der Arbeitgeberverband Pflege (AGVP) reagierte kritisch. Dazu erklärt AGVP-Präsident Thomas Greiner: „Die Abgabenlast für Unternehmen und Beschäftigte steigt, die Eigenanteile für Pflegebedürftige und Angehörige erst recht. Wenn wir Versorgung sichern wollen, müssen wir Effizienz zulassen: Personaleinsatz flexibilisieren, den Einsatz digitaler Tools zur Arbeitsentlastung ermöglichen und Ergebnisqualität zum Maßstab machen.“
Absehbares Ergebnis politischer Passivität
Zusätzliche Kritik kam aus der Pflegepolitik: Simone Fischer, Sprecherin für Pflegepolitik für die Grünen im Bundestag, warf der Bundesregierung „fehlende Entscheidungen trotz bekannter Lösungen“ vor. Die neue Kostenentwicklung sei „alarmierend, aber nicht überraschend“. Fischer kritisierte, dass notwendige Entlastungen, die keiner großen Reform bedürften, bislang nicht umgesetzt wurden – darunter die vollständige Erstattung pandemiebedingter Mehrkosten, die sofortige Übernahme der Ausbildungskosten oder steuerfinanzierte Rentenbeiträge für pflegende Angehörige. All dies würde die Pflegeversicherung entlasten und Pflegebedürftigen direkt zugutekommen.
„Stattdessen wird Zeit verloren, während Pflegebedürftige Monat für Monat mehr bezahlen müssen“, sagte Fischer. Wer ernsthaft Entlastung wolle, müsse „jetzt handeln – nicht erst nach einem langwierigen Reformprozess“.
Die regional stark unterschiedlichen Kosten – rund 900 Euro Differenz zwischen Bremen und Sachsen‑Anhalt – verschärfen den Reformdruck zusätzlich.
Auch Bundesgesundheitsministerin Nina Warken gab eine Stellungnahme ab. Für die stetig steigenden Eigenanteile in der stationären Pflege müssten Lösungen gefunden werden, so die CDU-Politikerin. Die Bund-Länder-AG „Zukunftspakt Pflege“ habe verschiedene Möglichkeiten aufgeführt. Die anstehende Pflegereform müsse nun für mehr Verlässlichkeit sorgen. „Eine spürbare Entlastung ist nur zu erreichen, wenn alle ihren Beitrag leisten und ihren Verpflichtungen nachkommen. Gleichzeitig müssen wir die Eigenvorsorge attraktiv gestalten und stärken, denn sie wird weiterhin wesentlicher Bestandteil der Absicherung im Pflegefall bleiben. Je früher die Vorsorge für den Pflegefall mitgedacht wird, desto niedriger die spätere Belastung“, so die Ministerin.
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