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Stambulant: eine kluge Kombination, bei der alle gewinnen

Die Lebensqualität der Pflegebedürftigen steigt, die Kosten sinken: Kaspar Pfister, Erfinder der stambulanten Pflege, teilt sein Know-how auf dem Fachtag „Stambulant“ am 27. September in Hannover.

Kaspar Pfister, Geschäftsführender Gesellschafter von BeneVit, ist Erfinder der stambulanten Pflege. Foto: BeneVitGruppe

Stambulant ist eine seit Jahren erfolgreich erprobte innovative Versorgungsform. Profitieren Sie von der Erfahrung und dem Know-how des Erfinders Kaspar Pfister auf dem Fachtag „Stambulant“ am 27. September in Hannover. Im Interview mit Altenheim erläutert der Pflegepionier die Vorteile der stambulanten Pflege.

Herr Pfister, Sie sind Erfinder der „stambulanten Versorgung“, praktizieren am Standort in Wyhl das Modell seit vielen Jahren. Mitarbeiter, Bewohner und Angehörige sind begeistert. Welches sind die wichtigsten Unterschiede im Vergleich zu einer stationären Einrichtung und im Vergleich zur ambulanten Pflege?

Stambulant ist ein ambulante Versorgungsform, die gemeinsam mit den Kassen unter der Federführung der AOK und des Sozialministeriums Baden-Württemberg im Auftrag des GKV-Spitzenverbandes entwickelt wurde. Es ist keine dritte Säule, sondern eine kluge Kombination aus ambulanten und stationären Elementen, bei der alle gewinnen. Die Bewohner bekommen, was sie möchten und was sie brauchen: Eine flexible und individuell angepasste Versorgung mit der Sicherheit der fachlichen Betreuung rund um die Uhr in einem wohnlichen Umfeld. Da das ambulante Leistungsrecht gilt, gibt es keine Quoten und Personalschlüssel. Das Personal wird zielgenau dort eingesetzt, wo es gebraucht wird und jeder macht das, wofür er ausgebildet ist und was er am besten kann. Allgemeine Grundpflege, Waschen, Reinigen, Kochen – das machen bei uns die Fachkräfte stambulant und Betreuungskräfte, oft unterstützt von den Angehörigen. Die Pflegefachkräfte konzentrieren sich auf die Vorbehaltsaufgaben und Behandlungspflege incl. Qualitätssicherung.

Stambulant ist ein Mitmachheim – die Angehörigen helfen mit und verbringen mehr Zeit mit ihren Liebsten. Das tut ihrem Gewissen gut, entlastet die Mitarbeiter und erhöht die Lebensqualität der Pflegebedürftigen. Die Kosten sinken, die Qualität steigt – das haben die acht Jahre als Modellprojekt und die wissenschaftlichen Evaluierungen gezeigt. Kassen und Sozialämter werden entlastet und die Pflegebedürftigen zahlen bis zu 1.000 Euro weniger Eigenanteil. Und was mich am meisten freut: Der allgemeine Zustand der Bewohner hat sich um über 30 Prozent verbessert nach dem Einzug. In Folge konnte oft der Pflegegrad zurückgestuft werden.

Sie werden fast täglich von Trägern oder Kommunen angefragt, die stambulante Einrichtungen realisieren wollen. Was sagen Sie denen?

Erstens freue ich mich über das Interesse und darüber, dass viele Träger und Kommunen das Modell unterstützen und übernehmen wollen. Zweitens informiere ich über die Voraussetzungen für die Umsetzung. Die Raumstruktur muss zu dem Hausgemeinschaftskonzept passen, die Dienstleistungen müssen dezentralisiert und die Dienstleister und Mitarbeiter geschult werden. Die Mitarbeiterstruktur muss sich an den Bedürfnissen der Bewohner orientieren und nicht wie in der stationären Versorgung an Quoten und Personalschlüsseln. Gleichzeitig gelten in den Heimen die Qualitätskriterien einer stationären Einrichtung. Das muss alles bedacht werden. Drittens und das ist das Wichtigste: Stambulant muss gesetzlich verankert werden, denn das Modellprojekt läuft Ende des Jahres aus. Das ist meine wichtigste Botschaft: Stambulant möglich machen!

Nun will der Gesetzgeber eine „stambulante“ Versorgung in die Fläche bringen. Welche Erwartungen haben Sie an das Gesetz, das nach der Sommerpause kommen soll?

Das ist einfach: Ich möchte unser Stambulant-Modell dauerhaft so fortsetzen können, wie es sich in den vergangenen Jahren bewährt hat. Dafür braucht das stambulante Konzept die Verankerung im SGB XI als Regelleistung. Acht Jahre Modellprojekt, sechs wissenschaftliche Evaluierungen, zuletzt durch das IGES-Institut, überzeugende Ergebnisse, Zuspruch von allen Seiten, hochzufriedene Bewohner, Angehörige und Mitarbeiter – ich kann nur appellieren: Räumt alle Hürden beiseite, schafft die gesetzlichen Grundlagen, bringt Stambulant in die Fläche. Die Kommunen, die Bürgermeister und nicht zuletzt die Familien, die eine gute Pflege für ihre Angehörigen suchen, aber auch die in der Pflege Beschäftigten warten darauf.

Interview: Kerstin Hamann

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