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Experte warnt vor sinkender Tragfähigkeit stationärer Neubauten
Rechnet sich der Neubau von Pflegeheimen noch? Diese Frage wirft Jan Grabow auf, der zugleich die voraussichtlichen Angemessenheitsgrenzen für stationäre Pflegeeinrichtungen im Jahr 2027 in Nordrhein-Westfalen vorgelegt hat.
Nach Grabows Berechnung, die er in einem Beitrag auf LinkedIn veröffentlicht hat, liegt die voraussichtliche Angemessenheitsgrenze für vollstationäre Pflegeeinrichtungen in NRW bei 3.532,31 Euro pro Quadratmeter. Verfügt eine Einrichtung über eine eigene Speisenproduktion im Haus, steigt der Wert auf 3.680,85 Euro pro Quadratmeter. Für teilstationäre Pflegeeinrichtungen gibt er einen Wert von 2.893,41 Euro pro Quadratmeter an. Auf dieser Grundlage ließen sich laut Grabow bereits jetzt Berechnungen der Investitionskosten für Bauprojekte in der voll- oder teilstationären Pflege erstellen, die 2027 in NRW in Betrieb gehen sollen.
Frage nach Tragfähigkeit von Neubauprojekten
Grabow verweist darauf, dass in verschiedenen Bundesländern inzwischen Investitionskostensätze von 50 Euro und mehr pro Tag erreicht würden. Bei Neubauprojekten sei daher die „Preiselastizität“ zu beurteilen, wenn Bewohnende oder Sozialhilfeträger im Marktvergleich Mehrkosten von rund 30 Euro pro Tag beziehungsweise über 900 Euro im Monat tragen müssten.
Anlaufverluste bis zu einer Million Euro
Zusätzlich weist Grabow auf das Risiko von Anlaufverlusten hin, die nicht über die Pflegesätze refinanziert werden könnten. Diese entstünden regelmäßig durch Fixkosten sowie durch die notwendige Personalschulung und das Einüben von Abläufen. In der Praxis erstreckten sich solche Anlaufverluste über einen Zeitraum von bis zu drei Jahren und erreichten eine Höhe von bis zu einer Million Euro pro Jahr.
PNOG als zusätzliche Hürde für die stationäre Pflege
Kritisch bewertet Grabow zudem das geplante Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG). Würden Tariflohnsteigerungen bei Einführung eines Tarifdeckels nicht mehr vollständig refinanziert, verschlechtere sich die Arbeitgeberattraktivität. In Kombination mit kostenbasierter Finanzierung, Tariftreuepflicht und festen Strukturvorgaben zur Personalvorhaltung werde ein kostendeckender Betrieb zusätzlich infrage gestellt. Pflegereform und PNOG schafften damit „eine weitere Hürde für Neubauprojekte in der stationären Pflege“, so Grabow.
Die traditionelle Struktur der Seniorenpflege und des Wohnens lasse sich vor dem Hintergrund ausufernder Kostensteigerungen und des Personalmangels nicht unverändert fortführen. Er rechnet mit einer stärkeren Diversifizierung sowie mit Bedarf an neuen Geschäftsmodellen, Immobilienstrukturen und Investitionsstrategien.
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