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Sawatzki, Versteeg und Wallrafen diskutieren über die Pflege von morgen
„Ich liebe diesen Beruf von Herzen“ – mit diesem Bekenntnis ihres befreundeten Pflegers Olli brachte Schauspielerin Andrea Sawatzki bei der Eröffnung des zweiten Tages auf dem Messekongress der ALTENPFLEGE 2026 auf den Punkt, was Pflege im Kern ausmacht: Zuwendung, Beziehung, Leidenschaft. Gemeinsam mit Ausbildungsbeauftragter Graciana Versteeg und dem langjährigen Sozialholding-Geschäftsführer Helmut Wallrafen, inzwischen im Ruhestand, diskutierte sie über die Pflege von morgen.
Moderiert wurde das Podium von Miriam von Bardeleben, Chefredakteurin Altenpflege und Aktivieren, und Matthias Ehbrecht, Chefredakteur Care Invest.
Im Mittelpunkt der Eröffnungsdiskussion „Zwischen gesellschaftlicher Herausforderung und pflegerischem Anspruch“ stand der Austausch zwischen den Perspektiven pflegender Angehöriger, professioneller Pflege und Führungsverantwortung. Schauspielerin Andrea Sawatzki, die in ihren Büchern unter anderem die Demenzerkrankung ihres Vaters und die Pflegebedürftigkeit ihrer Mutter aufgearbeitet hat, schilderte eindrücklich ihre eigenen, teils traumatischen Erfahrungen. Manches habe sie erschüttert: „Meine Mutter war dann nach wenigen Tagen eine Hülle ihrer selbst.“ Zugleich hob sie die liebevolle Begleitung durch einzelne Pflegekräfte hervor – allen voran „Olli“, den Lieblingspfleger ihrer Mutter, mit dem sie bis heute befreundet ist.
Helmut Wallrafen, Jahrzente in der Altenpflege tätig, ordnete solche Erfahrungen klar in einen strukturellen Kontext ein. „Das tut weh. Es tut wohl den falschen Menschen weh, nämlich denen, die engagiert arbeiten“, sagte er mit Blick auf Politik und Verwaltung. Wallrafen kritisierte scharf, dass in den jüngsten Finanzierungsvorschlägen des Bundes Pflege erneut nicht vorkomme. Auch innovative Arbeitszeitmodelle würden ausgebremst: Ein gemeinsam mit dem Bundesarbeitsministerium erprobtes Projekt zu mobilem Arbeiten in der Pflege sei von Heimaufsicht und Medizinischem Dienst kassiert worden – „eine Pflegefachperson, die nicht im Heim ist, gilt als nicht im Dienst“. Sein Appell: „Wir müssen lauter werden.“
Wie der Spagat zwischen den Generationen im Pflegealltag gelingen kann, beschrieb Graciana Versteeg vom Pflegewohnzentrum Kaulsdorf-Nord. Ihr Haus schult alle Mitarbeitenden gezielt zu Generationenprägungen, setzt auf altersgemischte Praxisanleiter-Teams – die jüngste Anleiterin ist 25, der älteste 50 Jahre alt – und bindet Angehörige systematisch über interdisziplinäre ethische Fallbesprechungen ein. „Jede Person im Team ist wichtig für den Pflegealltag, ganz gleich, welchen beruflichen Hintergrund man mitbringt“, betonte Versteeg. Wallrafen ergänzte die Dimension der interkulturellen Integration: Bereits Anfang der 2000er Jahre habe seine Einrichtung mit der Kampagne „Pflege ist gegen Rassismus“ Position bezogen.
Einig war sich das Podium, dass Pflege gesellschaftlich neu verankert werden müsse – von Vorrang bei kommunalen Grundstücksvergaben bis zur Verankerung des Gesundheits- und Dienstleistungssektors als Pflichtfach in der Berufskunde. Wallrafens Schlusssatz: „Die gesellschaftliche Anerkennung, die die Kolleginnen und Kollegen jeden Tag verdient haben, nicht nur einmal im Jahr mit zwei Tagen klatschen.“
Sawatzki zeigte sich am Ende sichtlich bewegt vom Engagement der Branche: „Also ich bin beeindruckt, dass dieses Thema so viel Anklang findet.“ Der Dialog, so ihr Fazit, „schweißt uns als Gesellschaft zusammen“. Wallrafens Credo brachte die Stimmung des Podiums auf den Punkt: „Nur zusammen verändern wir die Welt.“
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