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Caritas Münster: Neue Standards beim Einsatz von Psychopharmaka in Pflegeheimen

Im Umgang mit Psychopharmaka in der Altenpflege setzt der Diözesancaritasverband Münster neue Maßstäbe. Das Projekt „pillenlos statt willenlos“ sensibilisiert für einen verantwortungsvolleren Umgang mit Medikamenten. Ziel ist es, die Lebensqualität zu verbessern und unbedachte Verschreibungen zu vermeiden.

Sensibler und differenzierter: Cornelia Honekamp (links) und Sophie Hambrügge haben mit ihrem Team den Blick auf die Medikation der Bewohnenden weiterentwickelt. Foto: Foto: Michael Bönte / Caritasverband für das Bistum Münster

Ein Fall aus dem Caritas-Pflegeheim in Rosendahl machte die Problematik deutlich: Ein Bewohner litt unter massiven Hautproblemen, die sich im Krankenhaus besserten, in der Einrichtung jedoch zurückkehrten. Die genaue Analyse ergab, dass ein Antidepressivum regelmäßig wieder verordnet wurde, obwohl es Hautprobleme als Nebenwirkung auslöste. „Als der Arzt nach Rücksprache mit uns das Medikament absetzte, heilte die Haut – der Allgemeinzustand wurde so gut, dass er schließlich kein Antidepressivum mehr brauchte“, schildert Pflegedienstleiterin Cornelia Honekamp. Der Fall zeigt, wie wichtig ein strukturierter Blick auf Medikationen ist.

Multiprofessionelle Zusammenarbeit im Fokus

Das Projekt „pillenlos statt willenlos“ verankert genau diesen kritischen Prozess im Pflegealltag. „Wir wollen dabei das große, multiprofessionelle Team mitnehmen“, erklärt Natalie Albert vom Diözesancaritasverband Münster. Neben den Pflegenden sollen auch Ärzt:innen, Apotheker:innen, Sozialarbeiter:innen und Angehörige eingebunden werden. Ziel ist, Symptome genauer einordnen zu können, bevor reflexartig Psychopharmaka eingesetzt werden. Häufig seien es nicht Krankheiten oder Medikamente, sondern Faktoren wie Hormonhaushalt, Nährstoffmangel oder eine Reizüberflutung, die auffälliges Verhalten auslösen. So half bei einer demenzkranken Frau bereits eine Sonnenbrille und Kopfhörer anstelle zusätzlicher Sedativa.

Ziel: Lebensqualität und Selbstbestimmung sichern

Am Pilotprojekt sind Einrichtungen in Rosendahl, Haltern am See und Sassenberg beteiligt. Standardisierte Verfahren wie regelmäßige Fallbesprechungen, die Ausbildung von Medikamentenbeauftragten oder Medikationsanalysen durch Apotheker:innen sollen den richtigen Umgang mit Arzneien dauerhaft sichern. Gerade weil die Zahl von Menschen mit Demenz in den Einrichtungen steigt, sei die Sensibilität entscheidend, betont Qualitätsmanagerin Sophie Hambrügge: „Vom gesamten Team ist eine gute Beobachtung notwendig, um weitere Schritte abzuwägen.“

Das Ziel fasst Natalie Albert zusammen: „Den Bewohnenden eine hohe Lebensqualität, Teilhabe am sozialen Leben und größtmögliche Selbstbestimmtheit zu ermöglichen.“