News
Pflegeheime in Finanznot: Lange Wartezeiten bei Sozialhilfe verursachen Millionen-Außenstände
Bundesweit warten Pflegeheime monatelang auf ausstehende Sozialhilfezahlungen ihrer Bewohner. Laut einer aktuellen Umfrage der Pflegeverbände VKAD und DEVAP haben 35 Prozent der betroffenen Einrichtungen bereits Außenstände von über 100.000 Euro.
Die Situation spitzt sich dramatisch zu: 43 Prozent der Heimbewohner benötigen inzwischen Sozialhilfe, wie die Umfrage der beiden kirchlichen Pflegeverbände zeigt. Von den über 8.000 Antragstellern warten fast ein Drittel auf die Bearbeitung ihrer Anträge – bei 94 Prozent dieser Fälle bereits seit mehr als sechs Monaten.
Die schleppende Antragsbearbeitung in den Sozialämtern führt zu erheblichen finanziellen Engpässen. Bei 60 Prozent der betroffenen Bewohner summieren sich die Außenstände auf mehr als 10.000 Euro, berichtet der VKAD. Die Pflegeeinrichtungen müssen während der Wartezeit die kompletten Kosten für Unterkunft, Verpflegung und Pflege vorfinanzieren. Fast jede dritte Einrichtung sieht laut der Umfrage ihre Liquidität dadurch ernsthaft gefährdet.
Verbände fordern schnelle Lösungen vom Ministerium
Die Situation erfordert nach Ansicht der Verbände dringendes politisches Handeln. VKAD und DEVAP fordern vom Bundesgesundheitsministerium konkrete Maßnahmen: Eine Vorfinanzierung von mindestens 75 Prozent der Sozialhilfeleistungen sowie ein vereinfachtes, digitales Antragsverfahren. „Man kann den Trägern nicht zumuten, monatelang auf Entscheidungen zu warten“, sagt DEVAP-Vorsitzender Wilfried Wesemann laut der Pressemitteilung.
Bislang bleibt Betroffenen oft nur der Weg über eine Dienstaufsichtsbeschwerde. Barbara Dietrich-Schleicher, Vorsitzende des VKAD, kritisiert diesen Zustand: „Die Zahlen liegen auf dem Tisch und die Missstände sind unübersehbar. Jetzt braucht es entschlossenes Handeln und keine leeren Versprechen.“
Hier geht es zu den Ergebnissen der Umfrage
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Sie haben noch kein Konto?
Jetzt registrieren