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Pflegebedürftigkeit steigt: Medizinischer Dienst fordert Reform
Die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland hat sich seit 2014 auf 5,6 Millionen verdoppelt – und sie steigt weiter. Der Medizinische Dienst fordert deshalb eine grundlegende Reform der Pflegebegutachtung, um eine bedarfsgerechte Versorgung sicherzustellen. Besonders Menschen in häuslicher Pflege ohne professionelle Hilfe sollen stärker berücksichtigt werden. Auch bei der Qualität in Pflegeheimen gibt es laut aktuellem Bericht Handlungsbedarf.
Der Medizinische Dienst hat erstmals seinen „Report Pflegebedürftigkeit“ vorgestellt. Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland ist demnach seit 2014 auf 5,6 Millionen gestiegen – eine Verdopplung, die durch den demografischen Wandel und die Pflegereform 2017 begünstigt wurde.
Mehr als drei Millionen Begutachtungen pro Jahr
Mit über drei Millionen Pflegebegutachtungen jährlich stoßen die Kapazitäten an ihre Grenzen, heißt es in der Pressemitteilung zum Report. Der Medizinische Dienst fordert eine grundlegende Modernisierung der Begutachtung, um auch künftig eine zeitnahe und bedarfsgerechte Versorgung zu gewährleisten.
Finanzielle Stabilisierung und nachhaltige Reformen gefordert
„Neben der finanziellen Stabilisierung der Pflegeversicherung brauchen wir nachhaltige Reformen“, sagt Carola Engler, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Medizinischen Dienstes Bund. Ziel sei ein initiales Fallmanagement, das die Versorgungsplanung verbessert. Knapp 90 Prozent der Pflegebedürftigen leben in eigener Häuslichkeit, mehr als die Hälfte davon ohne professionelle Unterstützung. Die Pflegebegutachtung müsse sich stärker auf diese Gruppe konzentrieren, so Engler.
Nur zehn Prozent stellten Antrag auf vollstationäre Pflege
Im vergangenen Jahr beantragte laut Pressemeldung mehr als die Hälfte der Antragstellenden Pflegegeld (57,4 Prozent); 11,6 Prozent beantragten ambulante Leistungen und 20,4 Prozent Kombinationsleistungen aus Pflegegeld und Sachleistungen; nur 10,2 Prozent stellten einen Antrag auf vollstationäre Pflege. Und: Die meisten Versicherten beantragen laut MD erst dann Pflegeleistungen, wenn bereits erhebliche oder schwere Beeinträchtigung vorliegen.
Mehr als ein Drittel bekommt erstmal Pflegegrad 2
Schaue man sich die Ergebnisse bei den Erstbegutachtungen an, so erhielten mehr als ein Drittel der Antragstellenden (36,1 Prozent) Pflegegrad 2; 12,9 Prozent erhielten Pflegegrad 3 und rund 3,1 Prozent Pflegegrad 4. Pflegegrad 5 erhielten 1 Prozent der Antragstellenden. Pflegegrad 1 bekämen 28,4 Prozent der Antragstellenden. Bei knapp einem Fünftel (18,5 Prozent) seien die Gutachterinnen und Gutachter zum Ergebnis gekommen, dass zum Begutachtungszeitpunkt noch kein Pflegegrad vorlag.
Versorgungsqualität in Heimen insgesamt zufriedenstellend
Auch der 8. Pflegequalitätsbericht wurde vorgestellt: 2023 prüfte der Medizinische Dienst 9.819 Pflegeheime. Die Versorgungsqualität sei insgesamt zufriedenstellend, Verbesserungen gebe es bei Eingewöhnung und Tagesstruktur. Defizite bestehen jedoch bei der Behandlungspflege – etwa bei der Wundversorgung. Der Medizinische Dienst sieht weiterhin großen Bedarf an Qualitätsprüfungen, die künftig effizienter gestaltet werden sollen.
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