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„Ohne diese Menschen wären wir oft ziemlich verloren“
Pianist und Kabarettist Michael Krebs wird bei der EXPO LIVING & CARE 2025 auftreten. Im Interview spricht er über persönliche Erfahrungen mit dem Pflegesystem, die Kraft des Humors in schwierigen Situationen und seine Gedanken zur aktuellen Lage der Pflege in Deutschland.
Michael Krebs ist bekannt für seine „krachend schönen Piano-Songs mit Texten auf die Zwölf“. Der mehrfach ausgezeichnete Künstler trat bereits beim Wacken Open Air auf, war im Fernsehen bei Shows wie Nightwash zu sehen und spielte Supportshows für Alligatoah. Seine Konzerte sind bekannt für die Mischung aus virtuosem Klavierspiel, scharfsinnigen Texten und spontaner Improvisation. Im Juni wird er die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der EXPO Living & Care mit seiner Mischung aus Musik und Humor unterhalten.
Michael, wie sind deine bisherigen persönlichen Erfahrungen mit der Pflegewelt?
Durchwachsen würde ich sagen. Es ging vor allem um meine Eltern. Da hatten wir als Familie oft das Gefühl, auf ein System zu treffen, das primär auf Abwehr ausgelegt ist. Andererseits sind wir immer wieder auf sehr hilfsbereite und kompetente Menschen getroffen, die mehr gemacht haben als sie mussten oder durften. Ohne diese Menschen wären wir oft ziemlich verloren gewesen.
Du sprichst davon, dich durch den „Pflegedschungel“ in Deutschland gekämpft zu haben. Was hat dich dabei besonders frustriert – und was vielleicht auch positiv überrascht?
Positiv wie gesagt die Pflegenden selbst. Die sich meinem Eindruck nach oft durch Selbstausbeutung gegen einen „Dienst nach Vorschrift“ stemmen, den sie als nicht ausreichend empfinden. Das ist schon wirklich eine häufige Erfahrung. Mein Eindruck: Bei dem Versuch, alles optimal zu regulieren, schiebt sich das dafür geschaffene System nach und nach vor den Zweck, den es erfüllen soll. Die Antwort auf die Unzufriedenheit, die das erzeugt, ist dann meistens noch mehr Geld und noch mehr Regulation. Das dreht sich ein paarmal im Kreis, was zur Folge hat, dass es für eine Verbesserung immer radikalere Reformen bräuchte, die aber ob der Komplexität immer schwerer durchsetzbar sind. Das gleiche Phänomen gibt es zum Beispiel auch im Bildungssystem.
Bei der Expo Living & Care triffst du auf Menschen, die täglich Verantwortung für Strukturen und Qualität in der Pflege tragen. Was reizt dich daran, genau diesem Publikum deine Erfahrungen und Beobachtungen zu präsentieren?
Große Neugier. Ich bin schon bei Millionärsclubs, bei Gewerkschaften, Medizinkongressen oder der Geflüchtetenhilfe aufgetreten, und überall auf interessante Menschen und neue Perspektiven getroffen, das liebe ich an meinem Beruf. Dazu beschäftige ich mich wegen meiner Mutter gerade viel mit dem Thema Pflege. Es gibt also viele Ansätze für meinen Auftritt.
Humor gilt oft als Ventil – gerade in herausfordernden Situationen wie der Pflege Angehöriger. Wie erlebst du die Wirkung von Humor in einem Bereich, der stark von Ernst, Verantwortung und manchmal auch Hilflosigkeit geprägt ist?
Zum Glück hat meine Mutter auch in deprimierenden Momenten ihren Humor behalten. Dass wir immer wieder zusammen lachen können, ist Gold wert. Wenn wir zum Beispiel dreimal bei der Krankenkasse anrufen und im Call-Center von drei verschiedenen Leuten drei widersprüchliche Antworten bekommen, die alle nicht funktionieren. Über etwas zu lachen heißt übrigens nicht, dass man es nicht ernst nimmt. Im Gegenteil. Je ernster es ist, desto lustiger ist es oft auch.
Wenn du dir als „Pflegelaie“ etwas von den Profis in der Branche wünschen dürftest – was wäre das? Und was würdest du der Politik ins Stammbuch schreiben?
Mehr Pragmatismus, mehr Befugnisse für die Pflegenden, mehr Vertrauen und weniger Fragebögen. Weniger externe Berater, weniger Marktwirtschaft, Private Equity raus aus der Daseinsvorsorge.
Grundsätzlich denke ich, bevor Profis und Politik ins Spiel kommen, müssen wir uns als Gesellschaft unserer Verantwortung stellen und die Frage beantworten, welche Ziele wir in dem Bereich eigentlich verfolgen. Danach können Politik und Profis dann arbeiten. „Die Politik muss liefern“ ist so ein Satz, den ich gerade häufig lese. Aber Politik ist kein Lieferservice und Demokratie ist keine Dienstleistung.
Interview: Steve Schrader
Veranstaltungstipp:
Michael Krebs wird am 25. Juni 2025 um 09:30 Uhr bei der EXPO LIVING & CARE in Berlin auftreten. Unter dem Motto „Let’s get the day started!“ wird er die Teilnehmer mit Comedy und Musik in Schwung bringen. Weitere Informationen und Tickets finden Sie hier.
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