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Neue Pflegestation im Gefängnis eröffnet
Auch in deutschen Gefängnissen werden die Insassen älter. Die JVA Wittlich hat eine Pflegeabteilung für Strafgefangene aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland eröffnet. Die Nachfrage ist laut Anstaltsleitung bereits jetzt größer als das Angebot.
Manche brauchen einen Rollator, andere können sich nicht mehr selbst waschen oder anziehen. Hinzu kommen jüngere Straftäter mit chronischen Erkrankungen. Für diese Menschen hat die Justizvollzugsanstalt Wittlich Anfang Januar eine neue Pflegeabteilung in Betrieb genommen, berichtet dpa. Sie soll Gefangene aus allen zwölf Haftanstalten in Rheinland-Pfalz und dem Saarland aufnehmen können.
„Es gibt da einen Punkt, wo wir diese Gefangenen im Regelvollzug einer normalen Justizvollzugsanstalt nicht mehr vernünftig unterbringen können“, sagt der Leiter der JVA Wittlich, Jörn Patzak. Die größte Haftanstalt in Rheinland-Pfalz beherbergt derzeit rund 500 Männer im geschlossenen Vollzug. 45 von ihnen sind über 55 Jahre alt, zwei haben das 80. Lebensjahr überschritten.
Behindertengerechte Hafträume mit Pflegebetten und barrierefreien Badezimmern
Die neue Abteilung umfasst fünf behindertengerechte Hafträume mit Pflegebetten, barrierefreien Badezimmern, Alarmknöpfen und einer Gemeinschaftsküche. Laut dpa sind drei dieser Plätze bereits mit Gefangenen der Pflegestufe 2 belegt. Im Vergleich dazu bieten reguläre Hafträume lediglich zehn Quadratmeter Fläche, ein Waschbecken mit kaltem Wasser und keine Dusche – für Rollstuhlfahrer oder Menschen mit Gehhilfen kaum nutzbar.
Zusätzlich stehen im Justizvollzugskrankenhaus auf dem Gefängnisgelände vier weitere Pflege-Hafträume für Menschen mit höheren Pflegestufen zur Verfügung. Diese seien derzeit vollständig belegt, berichtet die stellvertretende Pflegedienstleiterin Heidrun Schneider gegenüber dpa.
Die Einrichtung soll eine Versorgungslücke schließen. Bislang wurden pflegebedürftige Gefangene oft im Justizvollzugskrankenhaus untergebracht, das jedoch als Akutkrankenhaus konzipiert ist und für Dauerpflege nicht vorgesehen war. Abteilungsdienstleiter Mario Klären erklärt laut dpa: „Diese neue Pflegestation schließt genau diese Lücke, die es bisher gegeben hat.“
Menschenwürdige Unterbringung als rechtliche Pflicht
Anstaltsleiter Patzak betont gegenüber dpa, dass es nicht darum gehe, Straftäter „in Watte zu packen“. Dennoch bestehe eine Pflicht zur menschenwürdigen Unterbringung. Andernfalls könnten Gerichte Haftunterbrechungen anordnen – ein Szenario, das die Justizvollzugsbehörden vermeiden wollen.
Die Nachfrage übersteigt offenbar bereits jetzt das Angebot. „Die anderen Anstalten warten händeringend darauf und stehen schon Schlange“, sagt Patzak laut dpa. Eine Warteliste werde geführt werden müssen. Fluktuation sei zu erwarten: „Manche werden entlassen, manche sterben. Das ist das Leben.“
Unter den aktuellen Bewohnern der Pflegestation ist laut dpa ein 50-Jähriger aus Wiesbaden, der wegen Betrugs einsitzt. Er leide an mehreren unheilbaren Erkrankungen und einer Gehbehinderung, könne sich nur mit dem Rollator fortbewegen. „Die Pflege hier ist sehr gut“, sagt er der Nachrichtenagentur.
Ein weiterer Insasse, ein 53-Jähriger aus Bad Sobernheim, ist nach mehreren Schlaganfällen auf den Rollstuhl angewiesen. Er könne nicht alleine duschen oder aufstehen, berichtet er. Einmal täglich fahre er für eine halbe Stunde auf den Hof. Die stellvertretende Pflegedienstleiterin Schneider kündigt laut dpa an, dass es bald mehr Tagesangebote geben werde, wenn sich die Station weiterentwickele.
Pflegekräfte arbeiten unter besonderen Bedingungen
Für die neue Station wurde unter anderem die Altenpflegerin Simone Willems eingestellt. „Natürlich weiß ich: Das sind drei Straftäter. Aber das sind auch Menschen, die Hilfe benötigen. Und das steht für mich als Pflegekraft im Vordergrund“, sagt sie laut dpa. Sie schätze, dass sie Zeit für die Menschen habe – anders als in vielen anderen Pflegeeinrichtungen, wo oft „Massenabfertigung“ herrsche.
Die Sicherheitsvorkehrungen beschreibt Willems als ausreichend: Flur und Küche seien videoüberwacht, sie trage ein Notrufgerät, und ein Vollzugsbeamter befinde sich stets in ihrer Nähe. Eine Besonderheit der Wohngruppe sei, dass die Türen der Gefangenen zu bestimmten Zeiten offen stehen, sodass sie sich mit dem Rollator in den Gemeinschaftsraum bewegen können. Laut Anstaltsleiter Patzak besteht allerdings noch Bedarf an zusätzlichen Pflegekräften.
Bundesweites Interesse erwartet
Der Umbau zur Pflegestation sei nicht sehr aufwendig gewesen, erklärt Patzak gegenüber dpa. Die größeren Hafträume hätten bereits existiert. Ergänzt wurden Handläufe sowie Räume für Physiotherapie und Pflegekräfte.
Da es bundesweit nur wenige vergleichbare Einrichtungen gebe, rechnet der Anstaltsleiter mit Anfragen aus dem gesamten Bundesgebiet. Eine Aufnahme von Gefangenen aus anderen Ländern sei grundsätzlich möglich, sofern Platz vorhanden sei und die jeweiligen Bundesländer die Pflegekosten übernähmen.
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