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Medizinischer Dienst Bayern: Zahl der Pflegebegutachtungen steigt stark
Die Zahl der Pflegebegutachtungen in Bayern hat sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Laut dem ersten „Report Pflegebedürftigkeit“ des Medizinischen Dienstes Bayern stieg sie 2024 auf knapp 370.000. Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Claudia Wöhler fordert deshalb mehr Prävention und neue Strukturen.
Die Zahl der Pflegebegutachtungen in Bayern wächst seit Jahren kontinuierlich – und mit ihr der Unterstützungsbedarf pflegebedürftiger Menschen. Laut dem ersten „Report Pflegebedürftigkeit“ des Medizinischen Dienstes Bayern (MD Bayern) führten die Gutachter:innen im Jahr 2024 knapp 370.000 Begutachtungen durch. Das entspricht einem Zuwachs von mehr als zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Seit 2014 hat sich die Zahl damit nahezu verdoppelt (Quelle: Medizinischer Dienst Bayern).
„In der Pflege erleben wir den viel beschworenen ‚heißen Herbst‘ schon seit Jahren – mit deutlich steigenden Begutachtungszahlen und wachsendem Unterstützungsbedarf bei den Versicherten“, erklärte Prof. Dr. Claudia Wöhler, Vorstandsvorsitzende des MD Bayern. Besonders auffällig: Sieben von zehn begutachteten Personen erhielten die Empfehlung für Pflegegrad 2 oder höher und wiesen damit erhebliche Einschränkungen ihrer Selbstständigkeit auf.
Fast 370.000 Begutachtungen im Jahr 2024 – deutlicher Anstieg innerhalb eines Jahrzehnts
Die Analyse zeigt zudem: Auch bei Erstbegutachtungen ist der Unterstützungsbedarf hoch. In knapp der Hälfte dieser Fälle empfahlen die Gutachter:innen Pflegegrad 2 oder höher, bei weiteren 30 Prozent Pflegegrad 1. Für Wöhler ist diese Entwicklung ein klarer Auftrag für die Zukunft: „Pflegebedürftigkeit ist kein unveränderbarer Zustand. Durch passgenaue Präventions- und Rehabilitationsmaßnahmen kann der Verlauf verlangsamt oder gar unterbrochen werden.“
Bereits heute spricht der MD Bayern in vielen Fällen Empfehlungen aus, um Pflegebedürftigkeit hinauszuzögern oder die Selbstständigkeit der Betroffenen zu stärken. 2024 erhielten 60 Prozent aller begutachteten Personen mindestens eine Empfehlung – etwa zu Heil- oder Hilfsmitteln oder zu wohnumfeldverbessernden Maßnahmen. Bei Erstbegutachtungen lag dieser Anteil sogar bei 78 Prozent.
Gutachter:innen sollen künftig stärker als Lotsen im Versorgungssystem wirken
Der Medizinische Dienst versteht seine Rolle dabei zunehmend nicht nur als Gutachter, sondern auch als Wegweiser. „Wir können es uns schlichtweg nicht leisten, Prävention weiterhin stiefmütterlich zu behandeln. Vielmehr ist Vorsorge eine zentrale Investition in die Zukunftsfähigkeit unseres Gesundheitssystems“, betonte Wöhler. Ziel sei es, die Expertise der Gutachter:innen stärker „im Sinne einer ganzheitlichen Begleitung“ einzusetzen.
Konkret bedeutet dies laut MD Bayern: Gutachter:innen sollen künftig eine Lotsenfunktion im Versorgungssystem übernehmen. Sie sollen Betroffene und Angehörige nicht nur beraten, sondern auch begleiten und sicherstellen, dass notwendige Leistungen tatsächlich in Anspruch genommen werden können. „Viele Menschen können Informationen ohne zusätzliche Unterstützung kaum eigenständig koordinieren und umsetzen“, so Wöhler weiter.
Durch eine bessere Verzahnung von Pflegeberatung, Kursangeboten und Begutachtung könne ein ganzheitlicher Ansatz entstehen, der sich an den individuellen Bedarfen der Patient:innen orientiert. Frühzeitige Prävention, die Stabilisierung informeller Pflegearrangements und das Schließen von Versorgungslücken könnten so dazu beitragen, Pflegebedarfe zu reduzieren und die häusliche Pflege zu stärken.
Der Pflegereport verdeutlicht nach Einschätzung des MD Bayern, dass die Pflege längst einen „Herbst der Reformen“ benötigt. Diese müssten jedoch gemeinsam mit den Erfahrungen der zentralen Akteur:innen gestaltet werden – und mit dem Mut, neue Wege zu gehen (Quelle: Medizinischer Dienst Bayern).
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