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Medikamente aus der Luft: Drohnen starten jetzt für die Pflege

Schneller, flexibler, verlässlicher: Ein neues Forschungsprojekt zeigt, wie Drohnen künftig Medikamentenlieferungen für Pflegeeinrichtungen übernehmen könnten – gerade dann, wenn Apotheken geschlossen sind oder Lieferengpässe drohen. In ersten Tests holen Drohnen Rezepte ab, fliegen autonom zu Heimen und lassen Medikamente sicher per Abwurfmechanismus landen. Für viele Pflegeeinrichtungen könnte das ein echter Gamechanger sein: weniger Wartezeiten, weniger Fahrwege, mehr Zeit für die Bewohnerinnen und Bewohner. Die häusliche Pflege ist dann das nächste Ziel.

Forschungsprojekt Drohne
Eine Drohne vom Typ Labfly während einer Präsentation zum Transport von Medikamenten. Anlass ist eine Versorgungsstudie zum geplanten Einsatz der Fluggeräte zur Patientenversorgung. Foto: picture alliance_dpa Sebastian Willnow

Wer einen kranken Angehörigen hat, kennt das Problem womöglich: Es ist spät am Abend, Wochenende oder Feiertag und dennoch müssen schnell Medikamente her – etwa, um Schmerzen zu lindern. Vor allem in ländlichen Regionen kann das schwer bis unmöglich sein. Ein Forschungsprojekt will nun Abhilfe schaffen. Mit Medikamentenlieferungen per App, die wenig später vom Himmel fallen.

Schon seit 2019 beschäftigt sich das Berliner Unternehmen Labfly damit, wie Drohnen eingesetzt werden können, um Medikamente im Flug zu Patienten zu bringen. In Dessau konnten bislang 20 Patientinnen und Patienten aus der Luft heraus beliefert werden. Die Vision von Labfly-Geschäftsführer Fischer ist, dass die Drohnen irgendwann auch zu Menschen nach Hause fliegen. Das ist bislang nicht möglich, denn wenn die Drohne kommt, muss sowohl an der Apotheke als auch beim Patienten geschultes Personal vor Ort sein. Momentan ist es also nur möglich, Medikamente zum Patienten zu fliegen, wenn die Kranken in Einrichtungen wie Pflegeheimen oder Hospizen leben.

Der Körper der Palli-Drohne wird von einem 3D-Drucker hergestellt. Die Drohne wiegt rund acht Kilogramm und trägt die maximal ein Kilo schwere Medikamentenlieferung im Bauch. Über dem Abwurfort schwebend öffnet sich ihr Korpus und das Päckchen fällt zu Boden.

Steuerung von Berlin aus

Grundlage dafür, dass Medikamente durch die Luft schweben und abgeworfen werden können, sind Genehmigungen. Das Luftfahrt-Bundesamt hat Fischer zufolge vor Kurzem eine Abwurfgenehmigung für Medikamente über besiedeltem Gebiet erteilt. Ihm nach ist es damit zum ersten Mal in Deutschland möglich, dass eine Drohne im Dienst von Apotheken fliegt. Andere Drohnen seines Unternehmens fliegen in der Schwäbischen Alb schon mehrfach täglich Laborproben von Krankenhäusern umher. Die Piloten der Drohnen sitzen in Berlin. Nun soll der Einsatz im Regelbetrieb von Heimen und Hospizen folgen. Die häusliche Pflege ist dann das nächste Ziel. Bis dahin müssen laut Fischer jedoch noch einige Hürden genommen werden – unter anderem sind weitere Genehmigungen nötig.

Im Rahmen des Projektes soll auch wissenschaftliche untersucht werden, ob eine Drohne gegenüber dem Medikamenten-Transport mit dem Auto wirklich Vorteile hat. Neben der Schnelligkeit und Einfachheit der Bestellung könnte ein entscheidender Vorteil sein, dass die Drohnen vor allem Menschen im ländlichen Raum ermöglichen könnten, länger zu Hause leben und gepflegt werden zu können. Eine Erkenntnis des Forschungsteams ist bislang, dass es in der Versorgung vor allem am Nachmittag, Wochenende und in der Nacht zu Engpässen kommt. Hier soll die Drohne also die entscheidende Abhilfe schaffen.