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Landespflegekonferenz gibt Ausblick auf kommende Herausforderungen

Die niedersächsische Pflegelandschaft steht vor großen Herausforderungen – das wurde bei der 8. Landespflegekonferenz am Montag in Hannover deutlich. Erstmals als Zukunftswerkstatt konzipiert, diskutierten Vertreter aus Pflegebereich, Kommunen, Berufsverbänden, Gewerkschaften und Politik über die künftige Gestaltung der Pflege im Land.

Andreas Philippi
Niedersächsischer Sozialminister Dr. Andreas Philippi. Foto: ms

Die Konferenz war Teil der Konzertierten Aktion Pflege Niedersachsen (KAP.Ni). Durch neue Austauschformate sollten möglichst viele Akteure eingebunden werden, um Impulse für weitere Pflegemaßnahmen zu entwickeln.

Grundlage der Diskussionen war der im Frühjahr 2025 veröffentlichte Landespflegebericht 2024. Prof. Dr. Michael Isfort vom Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung und Prof. Dr. Thomas Klie von der Evangelischen Hochschule Freiburg stellten die Ergebnisse in einer Keynote vor.

Laut den Forschern verfügt Niedersachsen über ein flächendeckendes Angebot an pflegerischer Versorgung, allerdings bestehen Herausforderungen bei der Deckung konkreter Bedarfe. Der Anteil an Pflegebedürftigen sowie die prognostizierte Entwicklung der Fachkräfteversorgung gestaltet sich regional sehr unterschiedlich, so die Experten.

Eine zentrale Erkenntnis: Die Zahl der Pflegebedürftigen in Niedersachsen steigt kontinuierlich, jedoch weniger aufgrund einer Zunahme älterer Menschen, sondern wegen verstärkter Inanspruchnahme von Leistungen. Trotz des Fachkräfteengpasses steht Niedersachsen im Vergleich zu anderen Ländern noch relativ gut da. Auch in den kommenden Jahren wird die Zahl neuer Pflegekräfte die der ausscheidenden Beschäftigten übersteigen, prognostizieren die Forscher.

Ausbildungszahlen steigen überdurchschnittlich

Aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes bestätigen diesen Trend. 2024 schlossen 3.882 Personen ihre Pflegeausbildung erfolgreich ab – fast 1.100 mehr als im Vorjahr. Damit liegt Niedersachsen über dem Bundesdurchschnitt.

Dennoch machte Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi den großen Handlungsbedarf deutlich: „Wir befinden uns in Bezug auf die Pflege in außergewöhnlichen Zeiten. Fachkräfte werden knapp, während gleichzeitig die Zahl der Pflegebedürftigen stark ansteigt“, sagte Philippi laut Ministerium. Die Pflegeversicherung sei unterfinanziert und die Kostenbelastung für Pflegebedürftige steige unverhältnismäßig.

Minister fordert Reform der Pflegeversicherung

Philippi verwies auf die Bund-Länder-Arbeitsgruppe, die im Juli erstmalig ihre Arbeit aufgenommen hat und an der das niedersächsische Gesundheitsministerium mitwirkt. „Ich setze mich ausdrücklich im Zukunftspakt Pflege dafür ein, dass wir die Finanzierungsbasis der sozialen Pflegeversicherung deutlich verbessern“, erklärte der Minister.

Laut Philippi ist es unstrittig, dass eine grundsätzliche Reform der pflegerischen Versorgung und der Pflegeversicherung erforderlich ist. Die Konferenz soll dabei helfen, konkrete Lösungsansätze zu entwickeln.

Die Konzertierte Aktion Pflege Niedersachsen arbeitet seit 2019 daran, die pflegerische Versorgung zu sichern. Beteiligt sind das Gesundheitsministerium, niedersächsische Wohlfahrtsverbände, Verbände privater Anbieter, Pflegekassen, kommunale Spitzenverbände sowie Vertretungen der Pflegekräfte und von Pflegebedürftigen.

2023 entwickelten die Partner einen 10-Punkte-Plan mit Schwerpunkten auf Fachkräftegewinnung, pflegende An- und Zugehörige, Entbürokratisierung und Digitalisierung. Ein wesentlicher Teil der festgeschriebenen Maßnahmen befindet sich laut Ministerium in der Umsetzung. Eine erste Zwischenbilanz wurde im Frühjahr 2025 veröffentlicht.