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Pflegebedürftig auf Kreuzfahrt: Sehnder Projekt zeigt neue Wege

Ein Pflegedienst aus Sehnde hat ein neues Reiseformat erprobt: Acht pflegebedürftige Patient:innen gingen mit professioneller Begleitung auf Kreuzfahrt. Die Pflege wurde dabei über die Verhinderungspflege abgerechnet – ein Ansatz, der Urlaub trotz Einschränkungen ermöglichen soll.

Foto: Nancy Pauwels/AdobeStock

Wie aus einem Bericht der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) hervorgeht, organisierte der Pflegedienst Dr. Krüger aus Sehnde erstmals eine betreute Kreuzfahrt für Menschen mit Pflegebedarf. Acht Reisende, teils mit Angehörigen, wurden von zwei Mitarbeitenden begleitet. „Das ist schon eine Bereicherung der Lebensqualität im Alter“, wird Geschäftsführer Thomas Franz zitiert. Die Idee: Pflegeleistungen werden während der Reise übernommen, sodass sowohl Patient:innen als auch Angehörige entlastet werden.

Die einwöchige Reise führte von Kiel über die Ostsee nach Riga, Helsinki und Tallinn. Teilnehmende wie der 71-jährige Schlaganfallpatient Jürgen Rohe profitierten davon: „Jede Gelegenheit, hier mal aus dem Haus zu kommen, ist eine schöne Abwechslung.“

Versorgung wie zu Hause – auch an Bord

Die pflegerische Unterstützung orientierte sich laut Bericht an den gewohnten Abläufen im Alltag. Hilfe bei Körperpflege, Essen oder Mobilität wurde individuell geplant. „Es geht darum, dass die Menschen ihre Gewohnheiten möglichst beibehalten können, nur eben in einer neuen Umgebung“, erklärte Christopher von Lienen, Leiter der Mobilen Pflege.

Zum Einsatz kamen barrierefreie Kabinen sowie Hilfsmittel wie Duschhocker, mobile Haltegriffe und sogar ein Reserve-Rollstuhl. Vorab wurden Pflege- und Betreuungspläne gemeinsam mit Patient:innen und Angehörigen abgestimmt. Herausforderungen wie ungeeignetes Kopfsteinpflaster in Riga sollen künftig stärker berücksichtigt werden.

Finanzierung über Pflegekasse möglich

Die pflegerische Begleitung wird über die sogenannte Verhinderungspflege finanziert. Anspruchsberechtigte ab Pflegegrad 2 können diese Leistungen nutzen. Laut Franz werde eine Betreuungspauschale von 195 Euro pro Tag direkt mit der Pflegekasse abgerechnet. Die Reisekosten selbst tragen die Teilnehmenden.

„Für viele Familien bedeutet das zugleich eine Entlastung“, so Franz. Grenzen sieht er jedoch bei stark ausgeprägten Krankheitsbildern: „Wenn Leute eigen- oder fremdgefährdet sind etwa durch eine schwere Demenz, kann man das leider nicht machen.“

Großes Interesse und weitere Reisen geplant

Nach der Premiere zeigt sich eine hohe Nachfrage. Bereits zahlreiche Anfragen für weitere Reisen liegen vor, berichtet die HAZ. Ende September ist die nächste Tour geplant, unter anderem nach Danzig und Kopenhagen.

Auch personell wird ausgebaut: Mehr als 120 Bewerbungen für Reisebegleitungen seien eingegangen. Ziel ist es, das Angebot zu erweitern, ohne die ambulante Versorgung vor Ort zu schwächen. Teilnehmer Jürgen Rohe kündigt bereits an, wieder dabei sein zu wollen: „Notfalls wird das Sparschwein geschlachtet.“